Austritt, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Austritt(e)s · Nominativ Plural: Austritte
Worttrennung Aus-tritt
Grundform austreten
Wortbildung  mit ›Austritt‹ als Erstglied: ↗Austrittsabkommen · ↗Austrittsbescheinigung · ↗Austrittserklärung · ↗Austrittsstelle · ↗Austrittswelle · ↗Austrittsöffnung
 ·  mit ›Austritt‹ als Letztglied: ↗Abdampfaustritt · ↗EU-Austritt · ↗Kirchenaustritt · ↗Marktaustritt · ↗Parteiaustritt
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
das Hinaustreten aus einem Raum
Gegenwort zu Eintritt
Beispiele:
beim Austritt aus der Drehtür passierte der Unglücksfall
Physikdas Licht wird bei seinem Eintritt in das Prisma und abermals bei seinem Austritt von seinem geraden Wege abgelenkt
[er] zeigte ihnen ... den Eintritt und den Austritt einer Revolverkugel [Th. MannKönigl. Hoheit7,215]
2.
das Ausscheiden aus einer Gemeinschaft auf eigenen Wunsch
Gegenwort zu Eintritt
Beispiele:
er erklärte seinen Austritt aus der Firma, dem Verein, der Kirche
sein Austritt aus dem Staatsdienst stand nahe bevor
ihr Austritt aus der Partei kam überraschend
3.
veraltend kleiner Balkon
Beispiel:
jedes Zimmer hatte einen kleinen Austritt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

treten · abtreten · Abtreter · antreten · Antritt · auftreten · Auftritt · austreten · Austritt · betreten · betreten · übertreten · Übertritt · vertreten · Vertreter · vortreten · Vortritt · Zutritt
treten Vb. ‘seinen Fuß worauf oder wohin setzen, mit dem Fuß stoßen’, ahd. tretan (um 800), mhd. treten, mnd. mnl. trēden, nl. treden, afries. treda, aengl. tredan, engl. to tread ‘treten’ (germ. *tredan) stehen als Ablautneubildungen (oder mit Ablautentgleisung?) neben anord. troða, got. trudan (germ. *trudan). Dazu stellt sich ein Kausativum ahd. tretten ‘zertreten’ (11. Jh.), mhd. tret(t)en ‘fest auftreten, (zer)stampfen, niedertreten’, mnd. tredden, aengl. treddan ‘niedertreten, stampfen, nachspüren’, anord. treðja ‘niedertreten’; vgl. ferner (mit Intensivgemination) ahd. trettōn ‘mit Füßen treten, niedertreten’ (um 1000), aengl. treddian ‘schreiten, gehen’ sowie ahd. trotōn ‘keltern, pressen’, eigentlich ‘treten’ (um 1000; vgl. ahd. trota ‘Kelter’). Vielleicht ist auszugehen von einer Partizipialbildung ie. *druto- zu ie. *dreu-, einer Erweiterung der Wurzel ie. *der(ə)- ‘laufen, treten, trippeln’ (s. ↗Treppe, ↗trampeln, ↗zittern). abtreten Vb. ‘sich von einem Ort entfernen, seinen Wirkungskreis verlassen, den Schmutz von den Schuhen entfernen, mit dem Fuße losstoßen’, mhd. abetreten; dazu Abtreter m. ‘Matte oder Rost zum Entfernen des Schmutzes von den Schuhen’ (19. Jh.). antreten Vb. ‘sich zu einem bestimmten Zweck irgendwo einfinden, sich in bestimmter Ordnung aufstellen, durch Treten in Gang bringen, festtreten (Erde)’, mhd. anetreten ‘unternehmen, anfangen, berühren’; Antritt m. ‘das Antreten, Beginn’, mhd. anetritt ‘Angriff, Stufe, Eingang’. auftreten Vb. ‘den Fuß aufsetzen, durch einen Tritt gewaltsam öffnen, sich öffentlich zeigen, auf der Bühne erscheinen’, mhd. ūftreten, auch ‘sich erheben’; Auftritt m. ‘das Auftreten des Schauspielers auf der Bühne, Szene eines Schauspiels, heftige Auseinandersetzung’, mhd. ūftrit ‘Höhe’; im Sinne von ‘Szene’ seit dem 18. Jh. austreten Vb. ‘aus einer Gemeinschaft ausscheiden, sich absondern (von Gasen, Flüssigkeiten), Glimmendes, Brennendes durch Treten ersticken, durch häufiges Treten abnutzen’, verhüllend (seit 19. Jh.) ‘seine Notdurft verrichten’ (eigentlich ‘aus dem Zimmer gehen’), mhd. ūʒtreten ‘aus-, heraus-, hervortreten, aus-, abweichen’; dazu Austritt m. mhd. ūʒtrit. betreten Vb. ‘seinen Fuß auf etw. setzen, hineingehen’, ahd. bitretan ‘zertreten, zerquetschen’ (9. Jh.), mhd. betreten ‘zu etw. kommen, antreffen, erreichen, überraschen, überfallen, ergreifen’; betreten Part.adj. ‘peinlich überrascht, berührt, verlegen’ (16. Jh.), eigentlich ‘ertappt und deshalb verlegen’. übertreten Vb. ‘(den Fuß) durch falsches Auftreten verstauchen, ein Gebot verletzen, über die Ufer treten’, mhd. übertreten ‘niedertreten, überwinden, über etw. treten, besteigen, übertreffen’, reflexiv ‘über die Schranken der Sitte treten, sich vergehen’; Übertritt m. ‘das Übertreten, Wechsel zu einer anderen Gemeinschaft’, mhd. übertrit ‘Übertretung, Vergehen, Abfall, Überwältigung’. vertreten Vb. ‘vorübergehend jmds. Stelle einnehmen, jmds. Interessen, Rechte wahrnehmen, für etw. eintreten’, reflexiv ‘sich (durch Fehltreten) den Fuß verstauchen, steif gewordene Beine durch Umhergehen wieder beweglich machen’, ahd. firtretan ‘zertreten, entgegentreten’ (8. Jh.), mhd. vertreten ‘dahingehen, wegstoßen, verschmähen, verleugnen, verhindern, zertreten, an jmds. Stelle treten, haften’, reflexiv ‘fehltreten’; Vertreter m. ‘Beauftragter, Repräsentant, Verfechter, Anhänger’, spätmhd. vertreter ‘Schirmherr’. vortreten Vb. ‘nach vorn treten, herausragen’, mhd. vortreten; Vortritt m. ‘(aus Höflichkeit gewährtes) Recht zum Vorausgehen’ (15. Jh.). Zutritt m. ‘das Eintreten, Zugang’, mhd. zuotrit ‘Anfang, Angriff’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Abberufung · ↗Ablösung · ↗Absetzung · Austritt · ↗Demission · ↗Enthebung · ↗Entlassung · ↗Kündigung · Vertragsaufhebung · ↗Vertragsauflösung  ●  ↗Verabschiedung  fig. · ↗Amtsenthebung  fachspr.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Austritt‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Austritt‹.

Verwendungsbeispiele für ›Austritt‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Lassen wir uns mit dem Austritt aus der Nato erpressen?
Süddeutsche Zeitung, 09.12.2002
Wenn ich noch gezögert hätte, dann hätte mich seine Rede endgültig zum Austritt veranlasst.
Der Tagesspiegel, 07.02.2000
Wir wünschten der Welt zu betonen, daß dieser Austritt nicht eine Änderung unserer außenpolitischen Methoden bedeuten sollte.
o. A.: Einhundertsechsundfünfzigster Tag. Montag, 17. Juni 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 15460
Der Austritt erfolgt dagegen stets durch einseitige Erklärung gegenüber dem Vorstand.
Zimmermann, Theo: Der praktische Rechtsberater, Gütersloh: Bertelsmann [1968] [1957], S. 145
Ich fürchte mich vor dem Augenblick seines Austrittes aus der Schule.
Walser, Robert: Jakob von Gunten, Zürich: Suhrkamp 1973 [1909], S. 26
Zitationshilfe
„Austritt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Austritt>, abgerufen am 09.08.2020.

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