Bärenhäuter, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Bärenhäuters · Nominativ Plural: Bärenhäuter
Aussprache
WorttrennungBä-ren-häu-ter
WortzerlegungBär-häuter

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. Märchengestalt
  2. 2. [gehoben, abwertend] Faulenzer
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
Märchengestalt
2.
gehoben, abwertend Faulenzer
Beispiel:
das seltsame Häuflein grauer Bärenhäuter [Hesse1,782]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Bär1 · bärbeißig · Bär(en)beißer · Bärenhaut · Bärenhäuter · Bären-
Bär1 m. Aus Tabugründen meidet das Germ. ebenso wie das Balt. und Slaw. den ie. Namen für den Bären, wie er in aind. ṛ́kṣaḥ, lat. ursus, griech. árktos (ἄρκτος) vorliegt und als ie. *ṛksos, *ṛktos, eigentlich ‘Zerstörer, Schädling’, anzusetzen ist. Man möchte das gefährliche Tier nicht durch Nennung seines wahren Namens herbeirufen. Die Slawen sprechen von ihm als dem ‘Honigesser’, vgl. aslaw. medvědь, russ. medvéd’ (медведь). Für die Germanen ist er ‘der Braune’, indem sie ihn mit Bildungen zur Wurzel ie. *bher- ‘braun’ bezeichnen, die in ie. Sprachen mehrfach in Benennungen brauner Tiere erscheint (s. ↗braun und ↗Biber). Germ. *beran- ergibt ahd. bero (8. Jh.), mhd. ber, mnd. bāre, bār, bēre, mnl. bere, nl. beer, aengl. bera, engl. bear und wohl auch die Kompositionsform anord. ber- ‘Bären-’ (s. ↗Berserker), während anord. bjǫrn ‘Bär’ germ. *bernu- voraussetzt. Großer Bär, Kleiner Bär für zwei Sternbilder am nördlichen Himmel, zuerst Großbär, Kleinbär (Anfang 17. Jh.), sind Wiedergaben antiker Ausdrücke (s. ↗arktisch). Schon Homer kennt Árktos (Ἄρκτος) f. ‘Bärin’ bzw. ‘Bär’ für das größere der beiden Sternbilder. Die Bezeichnungsweise der Griechen reicht möglicherweise bis in ie. Zeit zurück; vgl. Scherer Gestirnnamen (1953) 131 ff. und 176 ff. bärbeißig Adj. ‘grimmig’, eigentlich ‘der Art eines Bärenbeißers entsprechend, so bissig wie ein Bärenbeißer’ (2. Hälfte 18. Jh.), zu Bär(en)beißer m. Bezeichnung eines zur Bären- und Büffeljagd verwendeten dickköpfigen, schweren und scharfen Hundes von bösem Aussehen, seit Ende des 17. Jhs. in der Jagdliteratur beschrieben; sachlich und sprachlich vergleicht sich ↗Bullenbeißer (s. d.); zum zweiten Kompositionsglied des Adjektivs s. ↗bissig. Bärenhaut f. ‘Haut, Fell eines Bären’, mhd. bernhūt. Meist in der Wendung auf der Bärenhaut liegen ‘müßig gehen, faulenzen’ (16. Jh.), im Anschluß an Tacitus (Germania), nach dem die Germanen in Friedenszeiten nichts tun. Daran anküpfend Bärenhäuter m. Schimpfwort ‘Nichtstuer, Faulenzer, Taugenichts’ (16. Jh.). Ausgehend von metaphorischem Gebrauch entwickelt das Kompositionsglied Bären- in nominalen Zusammensetzungen die Bedeutungen ‘überaus groß, stark’, vgl. Bärenkraft (16. Jh.), bärenstark (19. Jh.), Bärenhunger (19. Jh.), Bärenkälte (20. Jh.), und ‘besonders robust, widerstandsfähig’, vgl. Bärengesundheit (20. Jh.) sowie Bärennatur (20. Jh.), früher (16. bis 18. Jh.) ‘grimmiges, grausames Wesen’.

Verwendungsbeispiele für ›Bärenhäuter‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Bärenhäuter verzichtet auf die dargebotene Hand und verspricht, erst nach Ablauf der sieben Jahre zurückzukehren.
Die Zeit, 27.12.2012, Nr. 04
Beim Würfelspiel mit einem Fremden verspielt Hans die Seelen und muss zur Strafe als Bärenhäuter auf die Erde.
Fath, Rolf: Werke - B. In: Reclams Opernlexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1998], S. 228
Solche Erfahrungen mögen auch eine Erklärung sein für das Herabsinken des heroischen Kriegers der europäischen Frühgeschichte zu dem immer mehr verachteten Bärenhäuter der Moderne.
Röhrich, Lutz: Bärenhaut. In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 920
Zitationshilfe
„Bärenhäuter“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/B%C3%A4renh%C3%A4uter>, abgerufen am 05.04.2020.

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