Bürger, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Bürgers · Nominativ Plural: Bürger
Aussprache  [ˈbʏʁgɐ]
Worttrennung Bür-ger
Wortbildung  mit ›Bürger‹ als Erstglied: Bürgeramt · Bürgeranfrage · Bürgerantrag · Bürgerausschuss · Bürgerbeauftragte · Bürgerbegehren · Bürgerberatung · Bürgerbeteiligung · Bürgerbewegung · Bürgerblock · Bürgerbündnis · Bürgerbüro · Bürgerdialog · Bürgerengagement · Bürgerentscheid · Bürgerfamilie · Bürgerfest · Bürgerforum · Bürgerfrau · Bürgergarde · Bürgergeld · Bürgergemeinde · Bürgergesellschaft · Bürgergremium · Bürgergruppe · Bürgerhaus · Bürgerideal · Bürgerin · Bürgerkomitee · Bürgerkonto · Bürgerkreis · Bürgerkrieg · Bürgerleben · Bürgerliste · Bürgermeister · Bürgermiliz · Bürgermädchen · Bürgerpflicht · Bürgerplattform · Bürgerrecht · Bürgerschicht · Bürgerschreck · Bürgerschule · Bürgersfrau · Bürgersleute · Bürgersmann · Bürgersohn · Bürgersprechstunde · Bürgerssohn · Bürgerstand2 · Bürgerstand1 · Bürgersteig · Bürgerstiftung · Bürgerstochter · Bürgerstuhl · Bürgertest · Bürgertochter · Bürgertreff · Bürgertum · Bürgervereinigung · Bürgerversammlung · Bürgerversicherung · Bürgervertreter · Bürgervertretung · Bürgerwehr · Bürgerwissenschaft · Bürgerzentrum · bürgerbewegt · bürgerfeindlich · bürgerfreundlich · bürgerlich · bürgernah
 ·  mit ›Bürger‹ als Letztglied: Ackerbürger · Aktivbürger · Altbürger · Besitzbürger · Bildungsbürger · Bundesbürger · Durchschnittsbürger · EU-Bürger · Ehrenbürger · Erdenbürger · Großbürger · Gutbürger · Heimbürger · Jungbürger · Kleinbürger · Mitbürger · Netzbürger · Neubürger · Normalbürger · Pfahlbürger · Reichsbürger · Schildbürger · Schutzbürger · Sowjetbürger · Spießbürger · Staatsbürger · Stadtbürger · Steuerbürger · Stimmbürger · US-Bürger · Unionsbürger · Vollbürger · Wahlbürger · Weltbürger · Wirtschaftsbürger · Wohlstandsbürger · Wutbürger
 ·  formal verwandt mit: ausbürgern · verbürgerlichen · verbürgern
eWDG

Bedeutungen

1.
Bewohner eines Staates, Staatsangehöriger
Beispiele:
Bürger eines Staates sein, werden
die Gleichheit aller Bürger
die Rechte und Pflichten des Bürgers
ein freier Bürger
Einwohner einer Stadt, Gemeinde
Beispiele:
einen Aufruf an alle Bürger der Stadt erlassen
die Bürger wählten den neuen Bürgermeister aus ihrer Mitte
2.
Angehöriger der mittleren (besitzenden) Gesellschaftsschicht mit entsprechender sozialer Stellung
Beispiele:
ein gutsituierter, wohlhabender, angesehener Bürger
veraltetder akademische Bürger (= Student)
mit nüchterner Geisteshaltung und traditionsgebundener Lebensform
Beispiele:
ein besonnener, fleißiger, solider Bürger
Arbeit ist des Bürgers Zierde [ SchillerGlocke]
Stiller hat diese Menschen [vom Theater] nie verstanden. Stiller war im Grunde immer ein Bürger [ FrischStiller170]
abwertend (wohlhabender) Spießer
Beispiele:
ein behäbiger, braver Bürger
Wie faul, wie verwöhnt, wie wählerisch waren diese feisten Bürger [ HesseNarziß5,194]
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Bürger · bürgerlich · Bürgerschaft · Bürgertum · Bürgermeister · Großbürger
Bürger m. ‘Bewohner einer Stadt, Angehöriger eines Staates’, ahd. burgāri, burgeri (9. Jh.), mhd. burgære, burger ‘Bewohner einer Burg, einer Stadt’. Mnl. borgher, burgher, nl. burger und vielleicht auch mnd. börger(e) sind Entlehnungen aus dem Hd. Gleichbed. aengl. burgwaran, -ware, -waras (Plur.) legt nahe, daß es sich auch bei der dt. Bildung ursprünglich um ein Kompositum handelt. Aengl. -waran, -ware, -waras (auch in ceasterwaran, -ware, einem Synonym von burgwaran), anord. -veri, Plur. -verjar (in skipverjar ‘Schiffsleute, Schiffsbesatzung’) gehören als Nomina agentis zu der unter wehren (s. d.) dargestellten Wortgruppe. Die Kompositionsglieder erscheinen auch in Eigennamen, vgl. aengl. Rōmware, -waran, anord. Rōmverjar ‘Römer’ und die in latinisierter Form bei antiken Schriftstellern überlieferten germ. Volksnamen wie Ampsivāriī (eigentlich ‘Emsanwohner’), Baiovāriī (Plur.). In ahd. Zusammensetzungen fällt ein w im Anlaut des zweiten Teils oft aus, dadurch ist Übergang zu den häufigen Suffixbildungen auf ahd. -āri, -eri (nhd. -er) möglich. Die Ausgangsbedeutung von Bürger wäre danach ‘Burgverteidiger’, daraus entwickelt sich ‘Bewohner einer Burg, einer Stadt, eines Staates’. Im Zusammenhang mit der Herausbildung der deutschen Städteverfassungen im 11./12. Jh. bezeichnet Bürger das freie, vollberechtigte Mitglied einer Stadtgemeinde. Mit der Entwicklung des Bürgertums als einer durch Besitz ausgezeichneten Gesellschaftsschicht wird Bürger (im Sinne von lat. cīvis) zum Staatsbürger (s. d.). Sofern Bürger (oder Großbürger, s. unten) ausdrücklich Bezeichnung des ‘Besitzbürgers’, zumal des Besitzers an Produktionsmitteln ist, wird es seit dem 19. Jh. vielfach durch Bourgeois (s. d.) verdrängt. bürgerlich Adj. ‘den Staatsbürger betreffend, dem Bürgertum zugehörig, verpflichtet, seiner Weltanschauung verhaftet’, spätmhd. burgerlich, mnd. börgerlīk, Suffixbildung zum Substantiv, dem es in zahlreichen Verwendungen folgt, vgl. im rechtssprachlichen Bereich bürgerliches Recht für lat. iūs cīvīle. Bürgerschaft f. ‘Gesamtheit der Bürger’, mhd. burgerschaft, auch ‘Bürgerrecht’, mnd. börgerschop, auch ‘Abgabe für die Erlangung des Bürgerrechts’. Auf das Nd. bzw. Nordd. beschränkt ist die Verwendung ‘Bürgerausschuß, Stadtparlament’. Bürgertum n. ‘Bourgeoisie, Gesamtheit der Bürger, Mittelstand, Mittelschicht’ (Ende 18. Jh.), s. auch Bourgeoisie. Bürgermeister m. ‘Vorsitzender einer Gemeinde-, Stadtverwaltung’, mhd. burgermeister neben burgemeister, Zusammensetzung aus burger und meister. Burgemeister, Bürgemeister (noch mundartlich) ist wohl dissimilierte Form, kaum Kompositum mit dem alten Genitiv Sing. von Burg (mhd. burge) als Bestimmungswort. Mit Bürgermeister setzt sich im Nhd. die von Luther bevorzugte Form durch. Großbürger m. ‘mit besonderen Privilegien, mit bestimmtem Besitz ausgestatteter Stadtbewohner’ (17. Jh.; in Preußen, d. h. im Ordensgebiet, älter), dann allgemein ‘Besitzbürger, Bourgeois’; s. auch Kleinbürger.

Thesaurus

Synonymgruppe
Bürger · Landsmann · Staatsangehöriger · Staatsbürger
Oberbegriffe
Assoziationen
Geisteswissenschaften, Politik
Synonymgruppe
Bevölkerung · Bewohner · Bürger · Einwohner · Volk
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›Bürger‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Bürger‹.

Verwendungsbeispiele für ›Bürger‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

So stärkten sie das unentbehrliche Zutrauen der Bürger zum Parlament. [Weizsäcker, Richard von: Dreimal Stunde Null? 1949 1969 1989, Berlin: Siedler Verlag 2001, S. 132]
Von den über 400 Millionen Bewohnern des englischen Weltreiches sind über 300 Millionen nicht englische Bürger. [Schmitt, Carl: Die geistesgeschichtliche Lage des heutigen Parlamentarismus, Berlin: Duncker & Humblot 1991 [1923], S. 12]
Mit welchen Kosten für die Einheit muß der Bürger rechnen? [Der Spiegel, 13.04.1992]
Natürlich steht es den Bürgern frei, das Buch selbst zu kaufen. [Die Zeit, 17.02.2000, Nr. 8]
Wie will man dem normalen Bürger klarmachen, dass eben diejenigen, die Gesetze machen, gleichzeitig vorhaben, sie zu brechen? [Der Spiegel, 17.01.2000]
Zitationshilfe
„Bürger“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/B%C3%BCrger>.

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