Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Bürgermeister, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Bürgermeisters · Nominativ Plural: Bürgermeister
Aussprache 
Worttrennung Bür-ger-meis-ter
Wortzerlegung Bürger Meister
Wortbildung  mit ›Bürgermeister‹ als Erstglied: Bürgermeisteramt · Bürgermeisterei · Bürgermeisterin · Bürgermeisterposten · Bürgermeisterstelle
 ·  mit ›Bürgermeister‹ als Letztglied: Altbürgermeister · Amtsbürgermeister · Bezirksbürgermeister · Oberbürgermeister · Ortsbürgermeister · Vizebürgermeister
eWDG

Bedeutung

Oberhaupt einer Stadt, Gemeinde
Beispiele:
der regierende Bürgermeister
die Bürger wählten den neuen Bürgermeister aus ihrer Mitte
zum ersten Mal hatte die Stadt einen weiblichen Bürgermeister
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Bürger · bürgerlich · Bürgerschaft · Bürgertum · Bürgermeister · Großbürger
Bürger m. ‘Bewohner einer Stadt, Angehöriger eines Staates’, ahd. burgāri, burgeri (9. Jh.), mhd. burgære, burger ‘Bewohner einer Burg, einer Stadt’. Mnl. borgher, burgher, nl. burger und vielleicht auch mnd. börger(e) sind Entlehnungen aus dem Hd. Gleichbed. aengl. burgwaran, -ware, -waras (Plur.) legt nahe, daß es sich auch bei der dt. Bildung ursprünglich um ein Kompositum handelt. Aengl. -waran, -ware, -waras (auch in ceasterwaran, -ware, einem Synonym von burgwaran), anord. -veri, Plur. -verjar (in skipverjar ‘Schiffsleute, Schiffsbesatzung’) gehören als Nomina agentis zu der unter wehren (s. d.) dargestellten Wortgruppe. Die Kompositionsglieder erscheinen auch in Eigennamen, vgl. aengl. Rōmware, -waran, anord. Rōmverjar ‘Römer’ und die in latinisierter Form bei antiken Schriftstellern überlieferten germ. Volksnamen wie Ampsivāriī (eigentlich ‘Emsanwohner’), Baiovāriī (Plur.). In ahd. Zusammensetzungen fällt ein w im Anlaut des zweiten Teils oft aus, dadurch ist Übergang zu den häufigen Suffixbildungen auf ahd. -āri, -eri (nhd. -er) möglich. Die Ausgangsbedeutung von Bürger wäre danach ‘Burgverteidiger’, daraus entwickelt sich ‘Bewohner einer Burg, einer Stadt, eines Staates’. Im Zusammenhang mit der Herausbildung der deutschen Städteverfassungen im 11./12. Jh. bezeichnet Bürger das freie, vollberechtigte Mitglied einer Stadtgemeinde. Mit der Entwicklung des Bürgertums als einer durch Besitz ausgezeichneten Gesellschaftsschicht wird Bürger (im Sinne von lat. cīvis) zum Staatsbürger (s. d.). Sofern Bürger (oder Großbürger, s. unten) ausdrücklich Bezeichnung des ‘Besitzbürgers’, zumal des Besitzers an Produktionsmitteln ist, wird es seit dem 19. Jh. vielfach durch Bourgeois (s. d.) verdrängt. bürgerlich Adj. ‘den Staatsbürger betreffend, dem Bürgertum zugehörig, verpflichtet, seiner Weltanschauung verhaftet’, spätmhd. burgerlich, mnd. börgerlīk, Suffixbildung zum Substantiv, dem es in zahlreichen Verwendungen folgt, vgl. im rechtssprachlichen Bereich bürgerliches Recht für lat. iūs cīvīle. Bürgerschaft f. ‘Gesamtheit der Bürger’, mhd. burgerschaft, auch ‘Bürgerrecht’, mnd. börgerschop, auch ‘Abgabe für die Erlangung des Bürgerrechts’. Auf das Nd. bzw. Nordd. beschränkt ist die Verwendung ‘Bürgerausschuß, Stadtparlament’. Bürgertum n. ‘Bourgeoisie, Gesamtheit der Bürger, Mittelstand, Mittelschicht’ (Ende 18. Jh.), s. auch Bourgeoisie. Bürgermeister m. ‘Vorsitzender einer Gemeinde-, Stadtverwaltung’, mhd. burgermeister neben burgemeister, Zusammensetzung aus burger und meister. Burgemeister, Bürgemeister (noch mundartlich) ist wohl dissimilierte Form, kaum Kompositum mit dem alten Genitiv Sing. von Burg (mhd. burge) als Bestimmungswort. Mit Bürgermeister setzt sich im Nhd. die von Luther bevorzugte Form durch. Großbürger m. ‘mit besonderen Privilegien, mit bestimmtem Besitz ausgestatteter Stadtbewohner’ (17. Jh.; in Preußen, d. h. im Ordensgebiet, älter), dann allgemein ‘Besitzbürger, Bourgeois’; s. auch Kleinbürger.

Thesaurus

Synonymgruppe
Bürgermeister · Gemeindevorsteher · Ortsvorsteher · Stadtdirektor  ●  Ammann  schweiz. · Dorfschulze  veraltet · Ortssprecher  bayr. · Stadtammann  schweiz. · Stadtpräsident  schweiz. · Rathauschef  ugs. · Stadtchef  ugs. · Stapi  ugs.
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›Bürgermeister‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Bürgermeister‹.

Verwendungsbeispiele für ›Bürgermeister‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auch haben 25 ehrenamtliche stellvertretende Bürgermeister Verantwortung für einen Ortsteil übernommen. [Neuer Weg, Bd. 39, Nr. 1, 1983]
Dann stellt er sich dem Bürgermeister als Freier für eine seiner drei Töchter vor. [Schuhmann, Otto: Meyers Opernbuch, Leipzig: Bibliograph. Inst. 1938 [1935], S. 630]
Die existierende Ordnung ist das friedliche Regiment des alten Bürgermeisters. [Werckmeister, Otto Karl: Das gelbe Unterseeboot und der eindimensionale Mensch. In: ders., Ende der Ästhetik, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1971, S. 94]
Im Manövrieren war er den jährlich wechselnden Bürgermeistern, die die römischen Heere kommandierten, doch sicherlich überlegen. [Delbrück, Hans: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte - Erster Teil: Das Altertum, Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1920], S. 1010]
Ein Bürgermeister, der das nicht sieht, trägt die Verantwortung für die tödlichen Folgen. [Die Zeit, 02.03.2000, Nr. 10]
Zitationshilfe
„Bürgermeister“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/B%C3%BCrgermeister>.

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