Bürgertum, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Bürgertums · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungBür-ger-tum (computergeneriert)
WortzerlegungBürger-tum
Wortbildung mit ›Bürgertum‹ als Letztglied: ↗Ackerbürgertum · ↗Besitzbürgertum · ↗Bildungsbürgertum · ↗Großbürgertum · ↗Handelsbürgertum · ↗Kleinbürgertum · ↗Stadtbürgertum · ↗Weltbürgertum · ↗Wirtschaftsbürgertum
eWDG, 1967

Bedeutung

Gesamtheit der Bürger
entsprechend der Bedeutung von Bürger (Lesart 2)
Beispiele:
das aufstrebende, besitzende, gebildete Bürgertum
Sie schrecken das fortschrittliche Bürgertum doch einfach ab, Revolution zu machen [BrechtMutter6]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Bürger · bürgerlich · Bürgerschaft · Bürgertum · Bürgermeister · Großbürger
Bürger m. ‘Bewohner einer Stadt, Angehöriger eines Staates’, ahd. burgāri, burgeri (9. Jh.), mhd. burgære, burger ‘Bewohner einer Burg, einer Stadt’. Mnl. borgher, burgher, nl. burger und vielleicht auch mnd. börger(e) sind Entlehnungen aus dem Hd. Gleichbed. aengl. burgwaran, -ware, -waras (Plur.) legt nahe, daß es sich auch bei der dt. Bildung ursprünglich um ein Kompositum handelt. Aengl. -waran, -ware, -waras (auch in ceasterwaran, -ware, einem Synonym von burgwaran), anord. -veri, Plur. -verjar (in skipverjar ‘Schiffsleute, Schiffsbesatzung’) gehören als Nomina agentis zu der unter ↗wehren (s. d.) dargestellten Wortgruppe. Die Kompositionsglieder erscheinen auch in Eigennamen, vgl. aengl. Rōmware, -waran, anord. Rōmverjar ‘Römer’ und die in latinisierter Form bei antiken Schriftstellern überlieferten germ. Volksnamen wie Ampsivāriī (eigentlich ‘Emsanwohner’), Baiovāriī (Plur.). In ahd. Zusammensetzungen fällt ein w im Anlaut des zweiten Teils oft aus, dadurch ist Übergang zu den häufigen Suffixbildungen auf ahd. -āri, -eri (nhd. -er) möglich. Die Ausgangsbedeutung von Bürger wäre danach ‘Burgverteidiger’, daraus entwickelt sich ‘Bewohner einer Burg, einer Stadt, eines Staates’. Im Zusammenhang mit der Herausbildung der deutschen Städteverfassungen im 11./12. Jh. bezeichnet Bürger das freie, vollberechtigte Mitglied einer Stadtgemeinde. Mit der Entwicklung des Bürgertums als einer durch Besitz ausgezeichneten Gesellschaftsschicht wird Bürger (im Sinne von lat. cīvis) zum ↗Staatsbürger (s. d.). Sofern Bürger (oder Großbürger, s. unten) ausdrücklich Bezeichnung des ‘Besitzbürgers’, zumal des Besitzers an Produktionsmitteln ist, wird es seit dem 19. Jh. vielfach durch ↗Bourgeois (s. d.) verdrängt. bürgerlich Adj. ‘den Staatsbürger betreffend, dem Bürgertum zugehörig, verpflichtet, seiner Weltanschauung verhaftet’, spätmhd. burgerlich, mnd. börgerlīk, Suffixbildung zum Substantiv, dem es in zahlreichen Verwendungen folgt, vgl. im rechtssprachlichen Bereich bürgerliches Recht für lat. iūs cīvīle. Bürgerschaft f. ‘Gesamtheit der Bürger’, mhd. burgerschaft, auch ‘Bürgerrecht’, mnd. börgerschop, auch ‘Abgabe für die Erlangung des Bürgerrechts’. Auf das Nd. bzw. Nordd. beschränkt ist die Verwendung ‘Bürgerausschuß, Stadtparlament’. Bürgertum n. ‘Bourgeoisie, Gesamtheit der Bürger, Mittelstand, Mittelschicht’ (Ende 18. Jh.), s. auch ↗Bourgeoisie. Bürgermeister m. ‘Vorsitzender einer Gemeinde-, Stadtverwaltung’, mhd. burgermeister neben burgemeister, Zusammensetzung aus burger und meister. Burgemeister, Bürgemeister (noch mundartlich) ist wohl dissimilierte Form, kaum Kompositum mit dem alten Genitiv Sing. von Burg (mhd. burge) als Bestimmungswort. Mit Bürgermeister setzt sich im Nhd. die von Luther bevorzugte Form durch. Großbürger m. ‘mit besonderen Privilegien, mit bestimmtem Besitz ausgestatteter Stadtbewohner’ (17. Jh.; in Preußen, d. h. im Ordensgebiet, älter), dann allgemein ‘Besitzbürger, Bourgeois’; s. auch ↗Kleinbürger.

Thesaurus

Synonymgruppe
(obere) Mittelschicht · ↗Bourgeoisie · Bürgertum
Oberbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Adel Arbeiterschaft Aristokratie Aufstieg Emanzipation Klerus Proletariat Schichte aufgeklärt aufkommend aufsteigend aufstrebend besitzend deutsch-jüdisch entstammen erstarkend fortschrittlich gebildet gehoben hanseatisch jüdisch liberal linksliberal neureich protestantisch saturiert selbstbewußt städtisch wilhelminisch wohlhabend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Bürgertum‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dem türkischen Bürgertum ist das fundamentalistische Gedankengut aus manchen arabischen Ländern fremd.
Der Tagesspiegel, 30.09.2001
Die Frauen aus dem Bürgertum verhalten sich dem Regime gegenüber doch eher gleichgültig.
Der Spiegel, 03.11.1986
Das deutsche Bürgertum weigerte sich, in den Jungen Terroristen seine Kinder wiederzuerkennen.
Die Zeit, 03.10.1980, Nr. 41
In den Städten war durch die Aufklärung das Bürgertum der Kirche entfremdet.
Holtz, G.: Mecklenburg. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 11454
Das war die Wissenschaft, das gebildete Bürgertum, die Führer der Wirtschaft.
o. A.: Einhundertundneunzehnter Tag. Donnerstag, 2. Mai 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 10052
Zitationshilfe
„Bürgertum“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Bürgertum>, abgerufen am 22.07.2019.

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