Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Bütte, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Bütte · Nominativ Plural: Bütten
Worttrennung Büt-te
Wortbildung  mit ›Bütte‹ als Erstglied: Büttenpapier · Büttenrede · Büttenredner · Büttner
 ·  mit ›Bütte‹ als Letztglied: Mostbütte · Tragbütte · Wasserbütt · Wasserbütte
eWDG

Bedeutungen

1.
(hölzernes) Gefäß
a)
landschaftlich das unten eng und oben weit ist
Beispiele:
eine Bütte mit Wasser, Milch
eine Bütte am Brunnen füllen, auf dem Rücken tragen
Trauben in Bütten keltern
b)
fachsprachlich bei der Papierherstellung gebrauchtes breites Gefäß für die Papiermasse
Beispiel:
mit der Schöpfform in die Bütte hineinlangen
2.
landschaftlich fassartiges Podium für Karnevalsreden
Beispiel:
die Bütte besteigen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Bütte · Bütten(papier) · Büttenredner · Büttner
Bütte f. ‘hölzernes Gefäß, Wanne, Kübel’, ahd. butin, butin(n)a ‘Bottich, Faß’ (9. Jh.), mhd. büt(t)e, büten, asächs. budin, mnd. büdde, büdden(e), bȫde, aengl. byden gehen auf vlat. *budina zurück, Nebenform von mlat. butina ‘Bottich’, ein Wort, das in den rheinisch-römischen Weinbaugebieten von den Germanen übernommen und bis nach Süddeutschland und England getragen wird; vgl. Frings/M. Germania Romana 1 (1966) 87 und 2 (1968) 133 ff. Mlat. butina wird mit griech. bytínē (βυτίνη) ‘Flasche, Hohlmaß’, pȳtī́nē (πυτίνη) ‘umflochtene Weinflasche’ in Verbindung gebracht. Offen bleibt die Frage nach dem Zusammenhang dieser griech. und lat. Formen mit den unter Buddel (s. d.) genannten. Bütten(papier) n. ‘handgeschöpftes Papier mit gefranstem Rand’ (Mitte 19. Jh.), ursprünglich nach dem Gefäß benannt, das den Papierbrei enthielt. Büttenredner m. ‘wer eine Rede (zum Karneval) in der Bütt(e) vorträgt’ (20. Jh.). Büttner m. ‘Böttcher’, mhd. bütenære (s. Böttcher).

Hag · Hagebutte · Butte · Hagedorn · Hagestolz
Hag m. ‘Dorngebüsch, Buschwerk, kleiner Wald’. Neben ahd. hag m. ‘Einhegung, Schanze, Stadt’ (8. Jh.), mhd. hac m. n., mnd. hach, hāch m. ‘Hecke, Einfriedung, umfriedeter Ort, umgrenztes Waldstück’, aengl. hæg n. ‘Gehege, Einzäunung’ steht mit germ. -ana- erweitertes ahd. (8. Jh.), asächs. hagan, mhd. hagen, mnd. hāgen, nhd. Hagen m. (s. Hain) und die ebenfalls im Stamm abweichenden germ. Bildungen mnd. hāge f. m. ‘Hecke, Dornzaun, Gehölz’, mnl. hāghe f. m., nl. haag f. ‘Gehege, Hecke, Gehölz’, aengl. haga m., engl. haw ‘Hecke, Einzäunung, eingefriedetes Landstück, Frucht des Hagedorns’, anord. hagi m. ‘Weideplatz’, schwed. hage ‘Gehege, Waldweide’. Diese germ. Substantive, weiterhin die bei Gehege und hegen (s. d.) behandelten zugehörigen Ableitungen sowie das verwandte, eine westgerm. Bildung auf -jō fortsetzende Hecke1 (s. d.) verbinden sich mit kelt. Formen wie gall. caio ‘Gehege’, kymr. cae ‘Zaun, Gehege’, air. caí ‘Haus’ (s. auch Kai), ferner wohl mit lat. caulae ‘Schranken, Schafhürden, Gehege’ und lassen eine Wurzel ie. *kagh- ‘fassen, einfassen; geflochtene Hürde, Flechtwerk’ erschließen. Das im jüngeren Nhd. nur noch in poetischer Sprache gebräuchliche Hag begegnet wie Hagen auch in zusammengesetzten Ortsnamen auf -hag, -hagen (vgl. außerdem die Städtenamen dt. Hagen, nl. Den Haag). Hagebutte f. Frucht der Heckenrose. Die verdeutlichende Zusammensetzung wird im 15. Jh. üblich (daneben frühnhd. hagenbutz m.; vgl. aber schon ahd. haganbutta ‘Weiß- oder Kreuzdorn’, Hs. 12. Jh.). Voraus geht mhd. butte, nhd. (mundartlich) Butte f. (wohl verwandt mit obd. Butze, Butzen m. ‘Klumpen, Schlacke, Kerngehäuse’, s. Butzenscheibe) in gleichem Sinne, vereinzelt auch mhd. hage f. Hagedorn m. ‘Weißdorn’, in älterer Zeit auch ‘Heckenrose, Liguster’, ahd. haganthorn (9. Jh.), mhd. hage(n)dorn; im Germ. allgemein Bezeichnung für als Hecke angepflanzte Dornsträucher, vgl. asächs. haguthorn, mnd. hāgedōrn, hāgedorne, mnl. hāghedoorn, nl. hagedoorn, aengl. haga-, haguþorn, engl. hawthorn, anord. hagþorn, schwed. hagtorn. Hagestolz m. ‘älterer Junggeselle’, ahd. hagustalt ‘gegen Entlohnung Arbeitender’ (9. Jh., auch hagustalt Adj. ‘ehelos, in Lohn stehend’, um 800), mhd. hagestalt, hagestolz ‘Unverheirateter’, asächs. hagustald ‘junger Mann, Diener, Knecht’, mnd. hāge(n)stolt(e) ‘Lehnsmann, unverheirateter älterer Mann’, aengl. hagosteald ‘Jüngling, unverheirateter junger Krieger’ (adjektivisch ‘jung, unverheiratet’), anord. haukstaldr ‘Häuptling, Krieger’ (vgl. den Beinamen runisch Hagustaldaʀ). Das zweite Kompositionsglied gehört zu got. gastaldan ‘erwerben’, aengl. stealdan ‘besitzen’ und somit zu der unter Stall1 (s. d.) dargestellten Wurzelform ie. *stel- ‘stellen, aufstellen; stehend, unbeweglich, steif; Ständer, Pfosten, Stamm, Stiel’. Ausgangsbedeutung ist ‘Hagbesitzer’. Nach germanischem Erbrecht erhält der älteste Sohn den Hof, der jüngere aber nur ein kleines eingefriedetes Anwesen, weshalb er keinen eigenen Hausstand gründen kann und in sozialer Abhängigkeit bleibt. Eine andere Erklärung gibt de Vries Anord. 214. Die seit dem 13. Jh. geltende Form Hagestolz ist volksetymologisch angelehnt an das Adjektiv stolz (s. d.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Bütte · Hotte · Kiepe (Weinlese)  ●  Butte  regional
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Bütte‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Bütte‹.

Verwendungsbeispiele für ›Bütte‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Daß irgendwo einmal auf Bütten zum Begräbnis eines Amtes eingeladen wurde, ist noch nicht bekannt geworden. [Die Zeit, 08.08.1980, Nr. 33]
Ihm hatten die „einmalig existierenden“ Liebesbriefe der Cleopatra auf Bütten offensichtlich Freude gemacht. [Die Zeit, 27.03.1959, Nr. 13]
Sie folgen kalligraphisch fein geschriebenen Anweisungen auf Bütten oder steifem Karton. [Die Zeit, 08.07.1977, Nr. 28]
Mit Getöse werden in den Seeufergemeinden die letzten Bütten eingefahren. [Die Zeit, 26.10.1990, Nr. 44]
Außerdem würden Schäden an den Papiermaschinen durch die in den Bütten befindlichen Halbstoffe vermieden. [Die Zeit, 22.12.1961, Nr. 52]
Zitationshilfe
„Bütte“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/B%C3%BCtte>.

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