Backpfeife, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Backpfeife · Nominativ Plural: Backpfeifen
Aussprache  [ˈbakpfaɪ̯fə]
Worttrennung Back-pfei-fe
Wortzerlegung Backe Pfeife
Wortbildung  mit ›Backpfeife‹ als Erstglied: Backpfeifengesicht  ·  mit ›Backpfeife‹ als Grundform: backpfeifen

Bedeutungsübersicht+

  1. [umgangssprachlich, meist D , selten A ] ...
    1. a) Synonym zu Ohrfeige
    2. b) [übertragen] Synonym zu Ohrfeige (*)
ZDL-Verweisartikel

Bedeutung

umgangssprachlich, meist D , selten A
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine heftige, saftige, schallende Backpfeife
als Akkusativobjekt: eine Backpfeife bekommen, kassieren; sich eine Backpfeife einhandeln
a)
Synonym zu Ohrfeige
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein Satz Backpfeifen
Beispiele:
Die 44‑Jährige gab an, auch einige Sachen des Angeklagten auf den Boden geworfen zu haben, worauf der ihr mit der Hand »eine übelste Backpfeife« verpasst habe. [Neue Osnabrücker Zeitung, 28.11.2020]
Der Angeklagte ist zu mir gekommen und hat gefragt, was ich hier will. Ich habe gesagt, er soll sich verpissen, dann habe ich schon eine Backpfeife bekommen. [Kleine Zeitung, 02.08.2020]
Nach eigenen Angaben hatte die Geschädigte von Unbekannten aus selbigem Lokal Backpfeifen bekommen und wurde von einer dieser Personen mit einer Scherbe an der Hand verletzt. [Der Prignitzer, 21.10.2019]
Ein paar Backpfeifen sind höchstens Körperverletzung, strafrechtlich ein Vergehen. [Döbelner Allgemeine Zeitung, 08.05.2018]
Was meist mit Beschimpfungen und einer Backpfeife anfängt, endet mit Knochenbrüchen, […]. [Bild am Sonntag, 26.02.2012]
Als ein 23‑Jähriger in der Nacht zum Samstag auf der Straße vor der Discothek eine Auseinandersetzung zwischen zwei Discogängern schlichten wollte, handelte er sich selbst zwei Backpfeifen ein. [Fränkischer Tag, 15.11.2010]
b)
übertragen Synonym zu Ohrfeige (●)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine verbale Backpfeife
Beispiele:
Sucht euch ein gutes und loyales Umfeld, das an euch glaubt und gebt nicht auf, wenn es die ersten Backpfeifen und Absagen hagelt, die gehören zur Karriere leider dazu. [Thüringer Allgemeine, 26.02.2020]
Als die Bundestagsfraktion gegen Merkels ausdrücklichen Willen nicht Volker Kauder, sondern Ralph Brinkhaus zum neuen Fraktionschef wählte, war dies – wenn nicht gar eine Backpfeife, so doch ein deutlich vernehmbarer Warnschuss. [Reutlinger General-Anzeiger, 08.10.2018]
Wie sehr sie die Holzhammer‑Rhetorik des amerikanischen Präsidenten [Donald Trump] verärgert, deutet [die deutsche Bundeskanzlerin Dr. Angela] Merkel nur an: »Ich kann mir diese Wortwahl nicht zu eigen machen. Ich hab da ’nen anderen Ansatz.« Aus dem Mund der Diplomatin Merkel mit ihrer sedierenden Rhetorik kommt das aber einer Backpfeife gleich. [Die Welt, 21.07.2018]
Die SPÖ (= Sozialdemokratische Partei Österreichs) […] musste in relativ kurzer Zeit nicht weniger als ein Dutzend Backpfeifen aus der Hand des Wählers entgegennehmen. [Der Standard, 26.03.2010]
Obendrein wird befürchtet, daß die Rating‑Agenturen Deutschland insgesamt als Schuldner zurückstufen, was, wie die Schweizer sagen, eine Backpfeife für Berlin wäre. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.01.2003]
Eine österreichische Mannschaft in einem europäischen Endspiel ist […] eine Backpfeife für Europas Fußball! [Kronen Zeitung, 11.05.1996]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Backe1 · Backen · Back(en)zahn · Backpfeife
Backe1 f. südd. Backen m. ‘Teil des Gesichts, Wange’, nur auf den dt. Sprachraum beschränkt; ahd. backo m. ‘Kinnbacken, Kinnlade’ (Hs. 12. Jh.), mhd. backe m. ‘Backe, Kinnlade’, mnd. backe f., häufig in der Zusammensetzung ahd. kinnibacko (11. Jh.), mhd. kinnebacke, kinbacke m., asächs. kinnibakko. Ursprünglich Bezeichnung für ‘Kinnbacke, Unterkiefer’, hat Backe allmählich die Bedeutung des gemeingerm., heute der gehobenen Sprache angehörenden Wortes Wange (s. d.) übernommen. Der Wechsel vom mask. zum fem. Geschlecht geht vom Nordd. aus. Herkunft ungewiß. Zweifelhaft ist Verwandtschaft mit griech. (Aorist) phagé͞in (φαγεῖν) ‘essen’ (demnach Backe eigentlich ‘Esser’) und Anschluß an die Wurzel ie. *bhag- ‘zuteilen, als Anteil bestimmen, erhalten’. Back(en)zahn m. ahd. back(o)zan(d) (Hs. 12. Jh.), mhd. baczan. Backpfeife f. ‘Schlag auf die Backe, Ohrfeige’ (1. Hälfte 19. Jh.); von J. Grimm (¹DWB 1, 1068) als ‘Schlag, der auf den Backen pfeift’ erklärt, aber auch als Umdeutung von Backfeige, eigentlich ‘gebackene Feige’ (s. Ohrfeige), denkbar.

Thesaurus

Synonymgruppe
Ohrlasche  ●  Backpfeife  bundesdeutsch · Maulschelle  bundesdeutsch · Ohrfeige  Hauptform · Schelle  bundesdeutsch · Backenstreich  geh., veraltet, kirchlich · Dachtel  ugs., österr. · Fotze(n)  derb, österr., bayr. · Klatsche  ugs., bundesdeutsch · Knallschote  ugs., bundesdeutsch, salopp, regional · Tätschen  ugs., österr. · Wangenstreich  geh., veraltet · Watsche(n)  ugs., bayr., österr.
Assoziationen
  • (jemanden) ohrfeigen  ●  (jemandem) eine Maulschelle verpassen  bundesdeutsch, veraltend · (jemandem) eine Ohrfeige geben  Hauptform · (jemandem) eine (he)runterhauen  ugs. · (jemandem) eine auflegen  ugs., österr. · (jemandem) eine klatschen  ugs. · (jemandem) eine kleben  ugs., bundesdeutsch · (jemandem) eine kleschen  ugs., österr. · (jemandem) eine knallen  ugs. · (jemandem) eine langen  ugs. · (jemandem) eine picken  ugs., österr. · (jemandem) eine runterhauen  ugs. · (jemandem) eine schallern  ugs., bundesdeutsch · (jemandem) eine scheuern  ugs., bundesdeutsch · (jemandem) eine schmieren  ugs. · (jemandem) rechts und links eine (he)runterhauen  ugs. · (jemandem) rutscht die Hand aus  ugs., fig., Redensart · (jemanden) abwatschen  ugs., bayr.
  • eine Ohrfeige bekommen  variabel · (es gibt) was hinter die Löffel  ugs., variabel · (etwas) auf die Ohren kriegen  ugs. · (jemandem) rutscht die Hand aus  ugs., fig. · (sich) eine fangen  ugs. · Du kriegst gleich eine!  ugs. · abgewatscht werden  ugs. · ein paar hinter die Löffel kriegen  ugs. · ein paar kriegen  ugs. · eine gelangt kriegen  ugs. · eine gescheuert kriegen  ugs. · eine geschmiert kriegen  ugs. · es setzt was  ugs. · was kriegen  ugs.

Typische Verbindungen zu ›Backpfeife‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Backpfeife‹.

Zitationshilfe
„Backpfeife“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Backpfeife>.

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