Balancierstange, die

GrammatikSubstantiv (Femininum)
Aussprache
WorttrennungBa-lan-cier-stan-ge
eWDG, 1967

Bedeutung

Beispiele:
mit der Balancierstange in den Händen über ein Seil gehen
auf die Balancierstange verzichten
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Balance · balancieren · ausbalancieren · Balancierstange
Balance f. ‘Gleichgewicht’. Auf spätlat. bilanx ‘Waage mit zwei Waagschalen’ (s. ↗bi- und vgl. lat. lanx, Genitiv lancis, ‘Schüssel, Schale’) geht vlat. *bilancia zurück, die Vorstufe von ital. bilancia ‘Waage’ (wovon bilanciare ‘abwägen, prüfen’ und die postverbale Ableitung bilancio ‘Bilanz’, s. ↗Bilanz) und frz. balance ‘Waage, Gleichgewicht, Bilanz’ (wahrscheinlich mit frühem lautlichen Einfluß von spätlat. ballāre ‘tanzen’). Frz. balance dringt seit der Mitte des 17. Jhs. (ein vereinzelter Frühbeleg balanc, 15. Jh.) in der Bedeutung ‘Gleichgewicht’ (jmdm. die Balance halten) ins Dt., wird das ganze 18. Jh. hindurch, namentlich in der Fügung Balance von Europa, als politisches Schlagwort verwendet (nach engl. balance of power) und ist von der 2. Hälfte des 18. Jhs. an auch als Ausdruck der Artisten und Seiltänzer geläufig. In der dt. Kaufmannssprache des 17. bis 19. Jhs. kommt Balance, Balanz außerdem mit der Bedeutung ‘Rechnungsabschluß’ als Nebenform von (aus dem Ital. übernommenem) Bilanz vor. balancieren Vb. ‘etw. oder sich selbst im Gleichgewicht halten’, seit Ende des 17. Jhs. nach frz. balancer ‘im Gleichgewicht halten, schwanken’ (Ableitung von frz. balance ‘Waage, Gleichgewicht, Bilanz’); anfangs häufig ‘gegeneinander abwägen, unschlüssig sein’ (so vereinzelt bis ins 19. Jh.); die heutige Bedeutung ist vom Beginn des 18. Jhs. an bezeugt; vom 18. bis ins 20. Jh. wird das Verb gelegentlich auch neben bilanzieren (s. ↗Bilanz) in dessen Sinne gebraucht. ausbalancieren Vb. ‘ins Gleichgewicht bringen’ (19. Jh.). Balancierstange f. (2. Hälfte 18. Jh.).

Verwendungsbeispiele für ›Balancierstange‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Vielleicht kommt es ihm in den Sinn und er läuft ohne Netz und ohne Balancierstange übers Seil.
Die Zeit, 26.09.1946, Nr. 32
Da stelle ich mir ein kleines Herz mit Balancierstange auf einem Hochseil vor.
Die Zeit, 13.09.2010, Nr. 37
Schon zu Beginn seines Laufs schwankte die Balancierstange bedenklich im Wind.
Süddeutsche Zeitung, 28.03.1995
Er stolziert ganz oben auf dem Drahtseil des Zynismus - erst beim zweiten Hinsehen bemerkt man in seinen Händen die schwere Balancierstange der Moral.
Die Welt, 04.09.2004
Zitationshilfe
„Balancierstange“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Balancierstange>, abgerufen am 28.03.2020.

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