Balbier, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
WorttrennungBal-bier
DWDS-Verweisartikel, 2015

Bedeutung

landschaftlich
Synonym zu Barbier
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Barbier · Balbier · barbieren · balbieren
Barbier m. ‘Herrenfriseur’. Die seit dem 14. Jh. nachzuweisende, heute unübliche Berufsbezeichnung für den Bartscherer und Haarschneider, zu dessen Aufgaben in früherer Zeit auch medizinische Hilfeleistungen, namentlich kleinere chirurgische Eingriffe gehören, ist wie mnl. nl. barbier, engl. barber (über anglonorm. barber) eine Übernahme von gleichbed. afrz. frz. barbier, abgeleitet von afrz. frz. barbe ‘Bart’ (aus lat. barba; vgl. mlat. barbarius, barberius ‘Bartscherer’). Das dt. Substantiv begegnet allerdings zunächst in spätmhd. barbierer, erweitert um das für Personenbezeichnungen charakteristische Suffix -er (falls nicht neu gebildet zum erst später bezeugten Verb barbieren, s. unten), während die an das frz. Vorbild angeglichene Form Barbier, Barbir erstmals im 15. Jh. vorkommt. Barbierer bleibt daneben bis ins frühe 19. Jh. üblich. Außerdem ist ein auf Dissimilation beruhendes Balbierer (15. Jh.), Balbier m. (16. Jh.) noch im 18./19. Jh. weithin in Gebrauch und lebt in der Alltagssprache einzelner Landschaften fort. barbieren Vb. ‘den Bart scheren, rasieren’ (15. Jh., seit dem 16. Jh. auch balbieren Vb.), zum Substantiv Barbier (s. oben), vielleicht im Anschluß an afrz. barbier, aprov. barbejar ‘rasieren’. Bereits im 16. Jh. wird barbieren, balbieren metaphorisch im Sinne von ‘übervorteilen, betrügen’ verwendet (vgl. ähnlich gebrauchte Ausdrücke aus dem Bereich des Bader- und Barbiergewerbes wie einseifen, scheren, schröpfen, zur Ader lassen); daher verstärkend jmdn. über den Löffel barbieren (bzw. balbieren), zuerst Ende des 18. Jhs. als studentische Redensart notiert; die Wendung knüpft wohl an den noch für das 19. Jh. überlieferten Kunstgriff der Friseure an, das Rasieren eingefallener Wangen dadurch zu erleichtern, daß dem Kunden ein Löffel in den Mund geschoben wird.

Typische Verbindungen zu ›Balbier‹

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Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Balbier‹.

Verwendungsbeispiele für ›Balbier‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nach einem Jahr kommt der Barbier und verlangt seinen Lohn.
Süddeutsche Zeitung, 19.05.2001
Der Barbier kommt schon zum dritten Mal, ihn zu rasieren; seift ihn ein und beginnt zu erzählen.
Fath, Rolf: Werke - P. In: Reclams Opernlexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1998], S. 17942
Ein Barbier traktiert mit stumpfem Messer das Kinn eines Kunden.
Die Zeit, 24.05.1991, Nr. 22
Der Barbier vermochte die Arbeit nicht zu bewältigen und er fand wenig Helfer.
Kolbenheyer, Erwin Guido: Das Gestirn des Paracelsus, München: J.F. Lehmanns 1964 [1921], S. 387
Barbier, der heute völlig vergessen ist, erfreute sich zu seiner Zeit einer gewissen Berühmtheit.
Ferchault, Guy: Barbier. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1973], S. 8993
Zitationshilfe
„Balbier“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Balbier>, abgerufen am 06.04.2020.

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