Baldachin, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Baldachin(e)s · Nominativ Plural: Baldachine
Aussprache
WorttrennungBal-da-chin
HerkunftItalienisch
eWDG, 1967

Bedeutung

prächtiges Schutzdach (über einem Sitz, Lager)
Beispiele:
ein goldner, purpurner, gestickter, kunstvoll geschnitzter Baldachin über dem Thron, Altar, der Kanzel, über einem Bett
ein Baldachin aus Brokat, Goldspitzen
ein Baldachin auf vier Säulen
Traghimmel
Beispiele:
der gekrönte Kaiser ging unter einem Baldachin, den die Ratsherren trugen
Die würdigen Männer [Professoren] schritten feierlich je vier an einer Seite des Baldachins, neben welchen andere acht gingen, um sie an den vergoldeten Stangen abzulösen [C. F. Meyer1,259]
gehoben, bildlich
Beispiele:
das Blätterdach bildete einen herrlichen, luftigen, grünen Baldachin über ihm
der blaue Baldachin des Himmels
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Baldachin m. ‘schmückende Überdachung eines Thrones, Altars, Bettes’. Nach dem ältesten bekannten Herstellungsort, der Stadt Bagdad (deren Name ist pers. Herkunft), die im mittelalterlichen Ital. Baldacco heißt, ist ital. baldacchino als Bezeichnung für einen kostbaren golddurchwirkten Seidenstoff gebildet. Mit Verbreitung des Gewebes in Westeuropa wird dieser Ausdruck in die roman. Sprachen entlehnt und ergibt auch mlat. baldakinus. Wohl über afrz. baldekin (später baudequin) gelangt er als baldekīn ins Mhd. und hat spätmhd. (14. Jh.) daneben bereits vereinzelt die Bedeutung ‘aus kostbarem Stoff angefertigter Traghimmel’. Im Nhd. ist Baldachin ‘Thron-, Traghimmel’ als erneute Entlehnung seit Anfang des 17. Jhs. gebräuchlich, zunächst in Formen wie Baldachino und Baldequin, die sowohl auf gleichbed. ital. baldacchino als auch auf (im 14. Jh. in der neuen Bedeutung wiederum aus dem Ital. übernommenes) frz. baldaquin als Vorbilder weisen.

Thesaurus

Synonymgruppe
Baldachin · ↗Himmel · ↗Thronhimmel
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Altar Bett Himmelbett Krone Monstranz Säule Teppich Thron Thronsessel Vorhang bekrönen blau gigantisch gläsern golden gotisch hölzern prächtig purpurn riesig schmücken schweben spannen steinern thronen verziert wölben überdachen überdenken überspannen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Baldachin‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Unter einem Baldachin aus purpurnen Tangarefedern saß der Priesterkönig auf dem mit Jaguarfellen bedeckten Silbersessel.
Stucken, Eduard: Die weißen Götter, Stuttgart: Stuttgarter Hausbücherei [1960] [1919], S. 201
Unter zeltartigen Baldachinen warteten wir daher zusammen mit den anderen Frauen auf den Beginn des Nachmittags.
Die Zeit, 24.06.1983, Nr. 26
Über uns bauscht sich die Seide des Überwurfs als Baldachin.
Remarque, Erich Maria: Im Westen nichts Neues, Berlin: Propyläen 1929, S. 228
Ein Bett, überzogen mit einer lilienbestickten Seidendecke, überragt von einem blausamtenen Baldachin, stand der Fensterwand gegenüber.
Rosendorfer, Herbert: Großes Solo für Anton, Zürich: Diogenes 2000 [1976], S. 138
Er schwebte über allen Köpfen, ein Himmel aus Melodie, ein Baldachin aus schwarzgelben Tönen.
Roth, Joseph: Radetzkymarsch, Köln: Kiepenheuer & Witsch 1978 [1932], S. 235
Zitationshilfe
„Baldachin“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Baldachin>, abgerufen am 15.12.2019.

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