Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Balg, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Balg(e)s · Nominativ Plural: Bälge
Aussprache 
Wortbildung  mit ›Balg‹ als Erstglied: Balgenauszug · Balggeschwulst · Balghaar · Balginstrument · Balgtreter
 ·  mit ›Balg‹ als Letztglied: Blasbalg · Blasebalg · Faltenbalg · Fuchsbalg · Haarbalg · Harmonikabalg · Hasenbalg · Iltisbalg · Lederbalg · Marderbalg · Orgelbalg · Otterbalg · Puppenbalg · Schmiedebalg · Tierbalg · Tretbalg · Vogelbalg · Wolfsbalg
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Bedeutungen

1.
Tierfell, Tierhaut
Beispiele:
dem Fuchs, Marder den Balg abziehen, über die Ohren ziehen, vom Leibe streifen
die Bälge von Raubvögeln
den leeren Balg aufhängen, verkaufen, ausstopfen lassen
ein struppiger, rauer, glatter, kostbarer Balg
bildlich
Beispiel:
denn wenn sie [die Reiter] uns an den Balg wollen [ Löns8,289]
2.
ausgestopfter Körper einer Puppe
Beispiele:
ein lederner, abwaschbarer Balg
die Puppe muss einen neuen Balg haben
ein Loch in dem Balg zustopfen
3.
Gerät zur Erzeugung eines Luftstromes
Beispiele:
der Balg der Orgel, des Akkordeons
die Bälge bewegen, treten, ziehen
den Balg des Akkordeons weit ausziehen
der Balg bläst, saust, faucht
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Balg · Blasebalg · balgen · katzbalgen · Balgerei
Balg m. ‘die als Ganzes abgezogene Haut kleinerer Tiere’, früher als Behältnis sowie zur Anfertigung verschiedener Gegenstände benutzt, daher in älterer Zeit Verwendungen wie ‘Schlauch, Sack, Schwertscheide’ und heute noch die Bedeutungen ‘Blasebalg’ und, daran anschließend, ‘in Falten liegender, ausziehbarer Teil’ (bei Ziehharmonika, Photoapparat, D-Zug-Wagen). Ahd. balg ‘Schlauch, Sack, Blasebalg, Fruchthülse’ (9. Jh.), mhd. balc ‘Balg, Haut, Schwertscheide’ läßt sich mit asächs. balg, mnd. mnl. balch ‘Sack, Blasebalg, Bauch’, aengl. belig ‘Sack, Beutel, Schote’ (vgl. engl. belly ‘Bauch’, bellows ‘Blasebalg’), anord. belgr ‘Balg, Blasebalg, Bauch’, got. balgs ‘Schlauch’ (germ. *balgi-) zu außergerm. Verwandten wie aind. barhíḥ ‘Streu, Opferstreu’, pers. bāleš ‘Kissen’, ir. bolg f. ‘Blase’, bolg m. ‘Sack, Bauch, Hülse’, bolgaim ‘schwelle’, gall.-lat. bulga ‘Ledersack’, russ. (älter) bólozen’ (болозень) ‘Schwiele, Beule, Hühnerauge’ stellen und damit an ie. *bhelĝh- ‘schwellen; Balg, Kissen, Polster’, eine Erweiterung der Wurzel ie. *bhel- ‘aufblasen, aufschwellen’ (s. Ball1 und Polster), anschließen. Die Grundbedeutung geht also von der Vorstellung des Aufgeblasenen, Prallen aus. Bereits mhd. wird die Bezeichnung von der Tierhaut verächtlich auf den menschlichen Körper übertragen und dann auch als Scheltwort für Menschen gebraucht (s. dazu Wechselbalg). Derb-liebevoll auf Kinder bezogen, ist Balg im Nhd. (seit dem 18. Jh., besonders nordd.) oft Neutrum mit dem Plural Bälger. Blasebalg m. ‘Gerät zum Erzeugen eines Luftstroms’, ursprünglich zum Anfachen des Feuers, dann auch zur Luftzufuhr bei bestimmten Musikinstrumenten verwendet, ahd. blāsbalg (11. Jh.), mhd. blāsebalc, eine frühe Zusammensetzung mit dem Verb blasen (s. d.). balgen Vb. reflexiv ‘raufen, sich prügeln’; seit dem 15. Jh. bezeugt, zunächst transitiv ‘zanken, streiten, jmdn. beschimpfen’ (im Schwäb.-Alem. fortlebend); wohl nicht unmittelbar das alte Verb ahd. belgan (8. Jh.), mhd. belgen ‘in Zorn geraten’ (vgl. anord. belgja ‘aufblasen, aufschwellen’) weiterführend, sondern vom (zur Schelte gewordenen) Substantiv Balg abgeleitet; dazu das auf einem nicht geklärten Bild beruhende gleichbed. katzbalgen Vb. reflexiv ‘sich raufen, laut streiten’ (Ende 15. Jh.), abgeleitet vom (heute unüblichen) Substantiv Katzbalg m. ‘Rauferei, Zank’ (wie das geräuschvolle Balgen von Katzen). Balgerei f. ‘Rauferei, Prügelei’ (16. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›Balg‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Balg‹.

Verwendungsbeispiele für ›Balg‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das Kaninchen liegt hingestreckt in einer Blutlache, über ihm, in stereotyper Siegerpose, der Jäger: Stiefel auf dem Balg, das übermannshohe Gewehr auf den Boden gestützt. [konkret, 1993]
Und nun laufen Sie mal hinter den fixen Bälgern her! [Die Zeit, 18.11.1948, Nr. 47]
Sie greifen hinein wie kleine Bälger in den ersten Matsch. [Süddeutsche Zeitung, 25.11.2002]
Der Balg der Kamera wird zur gedachten Black Box auf der Szene. [Die Welt, 28.04.2005]
Von ihnen erhält er oft nicht mehr als den Balg. [Der Tagesspiegel, 03.12.1999]
Zitationshilfe
„Balg“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Balg#1>.

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Balg, der oder das

Grammatik Substantiv (Maskulinum, Neutrum) · Genitiv Singular: Balg(e)s · Nominativ Plural: Bälge/Bälger
Aussprache 
Wortbildung  mit ›Balg‹ als Letztglied: Dickbalg · Lausebalg · Schandbalg · Teufelsbalg · Wechselbalg
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Bedeutung

salopp, abwertend (ungezogenes) Kind   weist auf Mühen, Lasten hin
Beispiele:
freche, schmutzige, kleine Bälge, Bälger
so ein nichtsnutziger, nichtsnutziges Balg!
sie hatte fünf hungrige Bälger daheim
der, das kleine Balg wollte nicht hören, krähte vor Vergnügen
ein allerliebstes kleines Balg
Balg! Wirst du stille sein! Balg, willst du woll! [ G. Hauptm.Schluck u. JauIV]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Balg · Blasebalg · balgen · katzbalgen · Balgerei
Balg m. ‘die als Ganzes abgezogene Haut kleinerer Tiere’, früher als Behältnis sowie zur Anfertigung verschiedener Gegenstände benutzt, daher in älterer Zeit Verwendungen wie ‘Schlauch, Sack, Schwertscheide’ und heute noch die Bedeutungen ‘Blasebalg’ und, daran anschließend, ‘in Falten liegender, ausziehbarer Teil’ (bei Ziehharmonika, Photoapparat, D-Zug-Wagen). Ahd. balg ‘Schlauch, Sack, Blasebalg, Fruchthülse’ (9. Jh.), mhd. balc ‘Balg, Haut, Schwertscheide’ läßt sich mit asächs. balg, mnd. mnl. balch ‘Sack, Blasebalg, Bauch’, aengl. belig ‘Sack, Beutel, Schote’ (vgl. engl. belly ‘Bauch’, bellows ‘Blasebalg’), anord. belgr ‘Balg, Blasebalg, Bauch’, got. balgs ‘Schlauch’ (germ. *balgi-) zu außergerm. Verwandten wie aind. barhíḥ ‘Streu, Opferstreu’, pers. bāleš ‘Kissen’, ir. bolg f. ‘Blase’, bolg m. ‘Sack, Bauch, Hülse’, bolgaim ‘schwelle’, gall.-lat. bulga ‘Ledersack’, russ. (älter) bólozen’ (болозень) ‘Schwiele, Beule, Hühnerauge’ stellen und damit an ie. *bhelĝh- ‘schwellen; Balg, Kissen, Polster’, eine Erweiterung der Wurzel ie. *bhel- ‘aufblasen, aufschwellen’ (s. Ball1 und Polster), anschließen. Die Grundbedeutung geht also von der Vorstellung des Aufgeblasenen, Prallen aus. Bereits mhd. wird die Bezeichnung von der Tierhaut verächtlich auf den menschlichen Körper übertragen und dann auch als Scheltwort für Menschen gebraucht (s. dazu Wechselbalg). Derb-liebevoll auf Kinder bezogen, ist Balg im Nhd. (seit dem 18. Jh., besonders nordd.) oft Neutrum mit dem Plural Bälger. Blasebalg m. ‘Gerät zum Erzeugen eines Luftstroms’, ursprünglich zum Anfachen des Feuers, dann auch zur Luftzufuhr bei bestimmten Musikinstrumenten verwendet, ahd. blāsbalg (11. Jh.), mhd. blāsebalc, eine frühe Zusammensetzung mit dem Verb blasen (s. d.). balgen Vb. reflexiv ‘raufen, sich prügeln’; seit dem 15. Jh. bezeugt, zunächst transitiv ‘zanken, streiten, jmdn. beschimpfen’ (im Schwäb.-Alem. fortlebend); wohl nicht unmittelbar das alte Verb ahd. belgan (8. Jh.), mhd. belgen ‘in Zorn geraten’ (vgl. anord. belgja ‘aufblasen, aufschwellen’) weiterführend, sondern vom (zur Schelte gewordenen) Substantiv Balg abgeleitet; dazu das auf einem nicht geklärten Bild beruhende gleichbed. katzbalgen Vb. reflexiv ‘sich raufen, laut streiten’ (Ende 15. Jh.), abgeleitet vom (heute unüblichen) Substantiv Katzbalg m. ‘Rauferei, Zank’ (wie das geräuschvolle Balgen von Katzen). Balgerei f. ‘Rauferei, Prügelei’ (16. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›Balg‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Balg‹.

Verwendungsbeispiele für ›Balg‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Mit Balg wird aber auch das unartige, ungezogene Kind bezeichnet. [Röhrich, Lutz: Balg. In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 616]
Ich würde mich hüten, solch wildfremden Bälgern die Nase zu putzen. [Johst, Hanns: Die Torheit einer Liebe, München: Langen Müller 1942 [1930], S. 17]
Und nun laufen Sie mal hinter den fixen Bälgern her! [Die Zeit, 18.11.1948, Nr. 47]
Sie greifen hinein wie kleine Bälger in den ersten Matsch. [Süddeutsche Zeitung, 25.11.2002]
Die Musik ahmt die Bewegung des Balgs nach, das Auffächern und wieder Zusammenfügen. [Süddeutsche Zeitung, 20.02.2002]
Zitationshilfe
„Balg“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Balg#2>.

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