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Balgen, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Balgens · Nominativ Plural: Balgen
Aussprache [ˈbalgn̩]
Worttrennung Bal-gen
formal verwandt mitBalg1
ZDL-Vollartikel

Bedeutung

Fotografie, historisch ausziehbares, lichtdichtes Verbindungselement zwischen Objektiv und Kameragehäuse
Synonym zu Balg¹ (4)
Beispiele:
Da er [der Fotograf Frederick Wygold] bereits mit kürzeren Belichtungszeiten und ohne Stativ arbeitete, begegneten ihm die Indianer viel ungezwungener als auf den gestellten Bildern der Fotografen des 19. Jahrhunderts, die noch auf die großen Stativkameras mit ihren zieharmonikaartig gefalteten Balgen angewiesen waren. [Hamburger Abendblatt, 02.12.2008]
Die Firma brachte 1888 die erste Rollfilm‑Box heraus, deren Qualitäten allerdings noch schwach waren. Der Film konnte nun aber in Apparaten untergebracht werden, deren gute Objektive sich zum Fotografieren per Balgen aus dem Gehäuse klappen ließen. [Der Tagesspiegel, 26.04.2001]
Das Kompendium für eine 8‑mm‑ Kamera unterscheidet sich in seiner Größe und Form sehr von dem der 16‑ und 35‑mm‑Kameras. Für größerformatige Kameras ähneln sie dem Balgen eines Fotoapparates, der objektivseitig vor die Kamera gesetzt wird. Im Gegensatz dazu ist das Gerät für die 8‑mm‑Kamera ein runder, tubusartiger Vorsatz. [Berliner Zeitung, 05.11.1961]
Das [Kompendium] ist ein in vielfacher Hinsicht nützlicher Apparat, der vor das Objektiv der Kamera gebaut wird und der im ersten Augenblick aus nicht mehr als dem Balgen einer Fotokamera zu bestehen scheint. Der Balgen ist jedoch keineswegs die Hauptsache, sondern die an der Vorder‑ und Hinterseite des Balgens angebrachten Halter‑ und Schiebevorrichtungen, in die Du alle die Kreisblenden, Schiebeblenden, Gelbscheiben, Weichzeichner, Vorsatzlinsen und so weiter einsetzen kannst, die Du zur Herstellung der besprochenen Übergangseffekte und zahlreicher anderer filmtechnischer Wirkungen brauchst. [Opfermann, Hans Carl: Die neue Schmalfilm-Schule, Harzburg: Heering 1940, S. 138]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Balg · Blasebalg · balgen · katzbalgen · Balgerei
Balg m. ‘die als Ganzes abgezogene Haut kleinerer Tiere’, früher als Behältnis sowie zur Anfertigung verschiedener Gegenstände benutzt, daher in älterer Zeit Verwendungen wie ‘Schlauch, Sack, Schwertscheide’ und heute noch die Bedeutungen ‘Blasebalg’ und, daran anschließend, ‘in Falten liegender, ausziehbarer Teil’ (bei Ziehharmonika, Photoapparat, D-Zug-Wagen). Ahd. balg ‘Schlauch, Sack, Blasebalg, Fruchthülse’ (9. Jh.), mhd. balc ‘Balg, Haut, Schwertscheide’ läßt sich mit asächs. balg, mnd. mnl. balch ‘Sack, Blasebalg, Bauch’, aengl. belig ‘Sack, Beutel, Schote’ (vgl. engl. belly ‘Bauch’, bellows ‘Blasebalg’), anord. belgr ‘Balg, Blasebalg, Bauch’, got. balgs ‘Schlauch’ (germ. *balgi-) zu außergerm. Verwandten wie aind. barhíḥ ‘Streu, Opferstreu’, pers. bāleš ‘Kissen’, ir. bolg f. ‘Blase’, bolg m. ‘Sack, Bauch, Hülse’, bolgaim ‘schwelle’, gall.-lat. bulga ‘Ledersack’, russ. (älter) bólozen’ (болозень) ‘Schwiele, Beule, Hühnerauge’ stellen und damit an ie. *bhelĝh- ‘schwellen; Balg, Kissen, Polster’, eine Erweiterung der Wurzel ie. *bhel- ‘aufblasen, aufschwellen’ (s. Ball1 und Polster), anschließen. Die Grundbedeutung geht also von der Vorstellung des Aufgeblasenen, Prallen aus. Bereits mhd. wird die Bezeichnung von der Tierhaut verächtlich auf den menschlichen Körper übertragen und dann auch als Scheltwort für Menschen gebraucht (s. dazu Wechselbalg). Derb-liebevoll auf Kinder bezogen, ist Balg im Nhd. (seit dem 18. Jh., besonders nordd.) oft Neutrum mit dem Plural Bälger. – Blasebalg m. ‘Gerät zum Erzeugen eines Luftstroms’, ursprünglich zum Anfachen des Feuers, dann auch zur Luftzufuhr bei bestimmten Musikinstrumenten verwendet, ahd. blāsbalg (11. Jh.), mhd. blāsebalc, eine frühe Zusammensetzung mit dem Verb blasen (s. d.). balgen Vb. reflexiv ‘raufen, sich prügeln’; seit dem 15. Jh. bezeugt, zunächst transitiv ‘zanken, streiten, jmdn. beschimpfen’ (im Schwäb.-Alem. fortlebend); wohl nicht unmittelbar das alte Verb ahd. belgan (8. Jh.), mhd. belgen ‘in Zorn geraten’ (vgl. anord. belgja ‘aufblasen, aufschwellen’) weiterführend, sondern vom (zur Schelte gewordenen) Substantiv Balg abgeleitet; dazu das auf einem nicht geklärten Bild beruhende gleichbed. katzbalgen Vb. reflexiv ‘sich raufen, laut streiten’ (Ende 15. Jh.), abgeleitet vom (heute unüblichen) Substantiv Katzbalg m. ‘Rauferei, Zank’ (wie das geräuschvolle Balgen von Katzen). Balgerei f. ‘Rauferei, Prügelei’ (16. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›Balgen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Balgen‹.

Zitationshilfe
„Balgen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Balgen>.

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