Barbarismus, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungBar-ba-ris-mus (computergeneriert)
WortzerlegungBarbar-ismus
Duden GWDS, 1999

Bedeutungen

1.
Sprachwissenschaft
a)
ein in das klassische Latein oder Griechisch übernommener fremder Ausdruck
b)
grober sprachlicher Fehler
2.
Kunstwissenschaft, Musik Anwendung von Ausdrucksformen der Primitiven in der modernen Kunst oder Musik
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Barbar · Barbarei · Barbarismus · barbarisch
Barbar m. ‘grausamer Mensch, Rohling, Ungebildeter’. Lat. barbarus Adj. ‘ausländisch, fremd, ungebildet’ ist Entlehnung von griech. bárbaros (βάρβαρος) ‘fremd, nichtgriechisch, unkultiviert, roh’. Das griech. Adjektiv und aind. barbaraḥ ‘stammelnd’ sind onomatopoetische Reduplikationsbildungen, die voneinander unabhängig entstanden sein können (vgl. Mayrhofer 2, 412). βάρβαροϛ, barbarus bedeuten substantiviert soviel wie ‘Fremder, Ausländer, der heimischen Sprache Unkundiger’. In dieser Verwendung wird barbarus in spätmhd. Zeit (um 1400, daneben auch Barber, 15. Jh., dann Barbar, 18. Jh.) ins Dt. entlehnt und steht häufig für den Fremden im Gegensatz zum Griechen oder Römer, dann auch für den Heiden, den Angehörigen einer fremden Religionsgemeinschaft, besonders den Türken. Die Verwendungen ‘Ungebildeter’ und ‘grausamer Mensch’ setzen im 16. bzw. 17. Jh. ein. Barbarei f. ‘Unmenschlichkeit, Roheit, niedrige Entwicklungsstufe, Unwissenheit’, aus lat. barbaria ‘Ausland’ (im Gegensatz zu Rom und Griechenland), ‘Unkultur, Roheit’ ins Dt. entlehnt, mhd. barbarīe. Zunächst allgemein ‘Land der Barbaren’, im engeren Sinne das Land der Berber, auch Berberei, die Barbareskenstaaten Marokko, Algerien, Tunesien. Die Bedeutungen ‘Unwissenheit’ und ‘Unmenschlichkeit’ setzen sich im 16. und 17. Jh. durch. Barbarismus m. ‘fehlerhaftes Sprechen, Sprachfehler, Roheit, Grausamkeit’. Aus gleichbed. lat. barbarismus, griech. barbarismós (βάρβαρος) im 16. Jh. ins Dt. übernommen. Barbarismus wird hauptsächlich zur Bezeichnung einer durch Fremdeinfluß verursachten sprachlichen Regelwidrigkeit verwendet, seit der 2. Hälfte des 19. Jhs. auch in der Bedeutung ‘Grausamkeit’. barbarisch Adj. ‘grausam, unmenschlich, ungebildet’. Ähnlich wie Barbar zunächst von Volkszugehörigkeit und Sprache ‘fremd, ausländisch’, so vereinzelt Mitte des 14. Jhs. bezeugt, öfters seit dem 15. Jh. Die Bedeutung ‘unmenschlich’ ist seit der 2. Hälfte des 16. Jhs. nachzuweisen, die intensivierende Verwendung im Sinne von ‘sehr’ oder ‘groß, das gewöhnliche Maß übersteigend’ (bararisch heiß, barbarische Kälte) seit dem Ende des 18. Jhs.

Verwendungsbeispiele für ›Barbarismus‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Heute freilich liefert der Städtebau keinerlei Märchenglanz mehr, sondern nur noch nackten Barbarismus.
Die Zeit, 01.10.1965, Nr. 40
Sartre, Mao und Libeskind stehen für den Glauben, eine große neue Purifikation durch Barbarismus sei der einzige Weg in eine Schöne Neue Welt.
Süddeutsche Zeitung, 06.07.1996
Noch vor einem Jahrzehnt wären solche Thesen mit dem Pathos der großen Klage über Kulturverfall und Barbarismus vorgetragen worden.
Süddeutsche Zeitung, 20.03.2002
Die Perspektive Wieland Wagners, mythologischer Barbarismus, bietet sich da für die Inszenierung gerade nicht an.
Die Zeit, 26.03.1971, Nr. 13
Die auf die Ewige Stadt abgeworfenen getarnten Höllenmaschinen der angelsächsischen Luftstreitkräfte erweckten durch ihren Barbarismus in der Bevölkerung Roms tiefe Verachtung und Empörung.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1943]
Zitationshilfe
„Barbarismus“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Barbarismus>, abgerufen am 30.03.2020.

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