Barmherzigkeit, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Barmherzigkeit · wird nur im Singular verwendet
WorttrennungBarm-her-zig-keit
Wortzerlegungbarmherzig-keit
eWDG, 1967

Bedeutung

gehoben Mitleid, Erbarmen, Mildtätigkeit
Beispiele:
ein Werk, Akt der Barmherzigkeit
Barmherzigkeit üben, jmdm. erweisen, antun
etw. aus (Gnade und) Barmherzigkeit tun
Barmherzigkeit! (= Ausruf, der Erschrecken, eine Klage ausdrückt)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

barmen · erbarmen · Erbarmung · Erbarmen · erbärmlich · barmherzig · Barmherzigkeit
barmen Vb. ‘mit Mitgefühl erfüllen’ (selten), ‘jammern, klagen, lamentieren’ (nordd. und omd.). Die got. Kirchensprache bildet zur Übersetzung von griech. eleé͞in (ἐλεεῖν) ‘bemitleiden, Mitleid, Erbarmen haben’ nach dem Muster von gleichbed. lat. miserēre bzw. miserērī (zu lat. miser ‘elend, kläglich, bejammernswert, arm’) ein von got. arms ‘beklagenswert, elend’ abgeleitetes Verb got. arman ‘sich erbarmen’. Ein an das Adj. ahd. arm ‘gering, hilflos, schwach, besitzlos, arm’ (s. ↗arm) sich anschließendes Verb ahd. armēn (9. Jh.) bedeutet ‘arm werden, Not leiden’, so daß die Kirchensprache zur Wiedergabe von ‘sich erbarmen, Mitleid erregen’ präfigiertes ahd. *bi-armën benutzt, belegt (10. Jh.) in der adverbial gebrauchten Partizipialform barmēnto ‘erbarmend, voll Erbarmen’ (für lat. miserando); vgl. mit anderem Präfix und anderer Stammbildung aengl. ofearmian ‘mitleidig sein, Erbarmen zeigen’ (zu aengl. earmian ‘bemitleiden, bedauern’, von aengl. earm ‘arm’). Zusammengezogenes und darum als Einheit empfundenes ahd. barmēn wird im Hinblick auf seine durativ-inchoative Bedeutung erneut präfigiert, so daß ahd. irbarmēn, nhd. erbarmen (s. unten) entsteht. Diese Weiterbildung wird zum geläufigen Verb im Dt.; mhd. barmen ‘(sich) erbarmen, Mitleid erregen’ bleibt selten, nhd. barmen wird weithin in die Mundarten abgedrängt und entwickelt im Nordd. und Omd. die oben angegebene Bedeutung ‘jammern, klagen, kläglich tun’, mit der es im 19. Jh. auch in die Literatursprache eingeht. erbarmen Vb. ‘jmds. Mitleid erregen, jmdm. leid tun’, (reflexiv) ‘sich aus Mitleid und Barmherzigkeit jmds. annehmen, mildtätig sein’. Ahd. irbarmēn ‘sich zu jmdm. herablassen, sich die Not eines anderen zu eigen machen, Mitleid empfinden oder erregen’ (9. Jh.), mhd. erbarmen ‘Mitleid haben, gerührt werden, rühren’. Weiterbildung mit dem Präfix ahd. ir- (s. ↗er-) von ahd. barmēn (s. oben). Erbarmung f. ‘Barmherzigkeit, Mitleid’, ahd. irbarmunga (10. Jh.), mhd. erbarmunge. Erbarmen n. ‘Mildtätigkeit, Mitleid’, mhd. erbarmen, substantivierter Infinitiv. erbärmlich Adj. ‘elend, ärmlich, nichtswürdig’ (16. Jh.), ahd. irbarmalīh ‘Erbarmen erregend’ (um 1000); vgl. mhd. erbarmeclich ‘barmherzig, erbarmenswert’. barmherzig Adj. ‘mitfühlend, mitleidsvoll, mildtätig’ (gegenüber Bedürftigen), mhd. barmherzec, Weiterbildung von mhd. barmherze, ahd. barmherzi ‘voll Erbarmen’, eigentlich ‘ein barmendes Herz habend’ (11. Jh.), das unter dem Einfluß von ahd. (ir)barmēn aus ahd. armherz ‘barmherzig’ als Eigenschaft Gottes und der nach seinem Willen handelnden Menschen (9. Jh.) hervorgegangen ist (vgl. auch ahd. armherzīg, 11. Jh.). Dies ist eine Bildung aus ahd. arm (s. oben) und ahd. herza (s. ↗Herz) unter dem Einfluß der got. Kirchensprache, die einem nach dem Muster von lat. misericors ‘mitleidig’ (eigentlich ‘ein mitleidiges Herz habend’, zu lat. miserēre, -ērī bzw. miser und cor ‘Herz’) entstandenen got. armahaírts folgt; vgl. auch aengl. earmheort neben (umgebildetem) anord. aumhjartaðr. Weitere Überlegungen zur Bildungsweise des got. Adjektivs bringt Beck in: ZfdPh 98 (Sonderheft 1979) 109 ff. Barmherzigkeit f. ‘Erbarmen, Mitgefühl, Mildtätigkeit’, mhd. barmherzekeit; vgl. daneben got. armahaírtiþa, ahd. armherzida (8. Jh.), mhd. barmherzede sowie got. armahaírtei, ahd. armherzī (9. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›Barmherzigkeit‹

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Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Barmherzigkeit‹.

Verwendungsbeispiele für ›Barmherzigkeit‹

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Es ist ein christliches Werk der Barmherzigkeit, Tote zu begraben.
Bild, 09.09.2003
Damals, bekennt B. später, habe er erfahren, wie hart Gott sein kann, und darüber habe er Barmherzigkeit gelernt.
Frick, R.: Bodelschwingh. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1957], S. 7873
Bei uns hingegen findet solche letzte Barmherzigkeit nur selten Ausdruck.
Süddeutsche Zeitung, 1995 [1945]
Es kommt auch niemand mehr zu mir, Männer schon gar nicht, nur noch Frauen - aus Barmherzigkeit.
Ebner-Eschenbach, Marie von: Meine Erinnerungen an Grillparzer. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1916], S. 10983
In vielen Fällen wird hier in besonders zynischer Weise Barmherzigkeit mit Töten verwechselt.
Alt, Franz: Liebe ist möglich, München: Piper 1985, S. 65
Zitationshilfe
„Barmherzigkeit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Barmherzigkeit>, abgerufen am 03.04.2020.

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