Bedürfnis, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Bedürfnisses · Nominativ Plural: Bedürfnisse
Aussprache
WorttrennungBe-dürf-nis
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
Verlangen
Beispiele:
(ein) Bedürfnis nach Ruhe, Schlaf, Einsamkeit, Liebe haben
er hatte das Bedürfnis zu sprechen, ihr die Wahrheit zu sagen
es ist mir (ein) Bedürfnis, dir zu danken
er fühlte, verspürte das Bedürfnis, sich zu bewegen, sich auszusprechen
einem Bedürfnis nachgeben, folgen
ein Bedürfnis befriedigen, erfüllen
ein großes, lebendiges, lebhaftes, tiefes, zwingendes Bedürfnis nach gegenseitigem Austausch haben
etw. aus einem inneren Bedürfnis heraus tun
diese kritische Ausgabe entspricht einem dringenden, allgemeinen Bedürfnis
für die kulturellen Bedürfnisse der Bevölkerung wurde viel Geld ausgegeben
das unbezwingliche Bedürfnis der Menschen, sich mitzuteilen [FalladaJeder stirbt519]
Geistige Bedürfnisse (= der Wunsch nach geistiger Tätigkeit) waren in diesen Kreisen nicht viele vorhanden [G. KellerGr. Heinrich4,11]
nur im Plural
Ansprüche
Beispiele:
seine Bedürfnisse wachsen ständig
viele Bedürfnisse haben
die Produktion dient der Befriedigung der gesellschaftlichen Bedürfnisse
2.
verhüllend
Beispiel:
sein Bedürfnis verrichten (= seine Notdurft verrichten)
3.
nur im Plural
veraltet Dinge, deren man bedarf
Beispiel:
um manche Bedürfnisse für den heutigen Tag einzukaufen [Stifter2,98]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bedürfen · Bedürfnis · bedürfnislos · Bedürfnislosigkeit · bedürftig · Bedürftigkeit · Bedarf
bedürfen Vb. ‘brauchen, nötig haben’, ahd. bithurfan ‘bedürftig sein, brauchen, bedürfen’ (um 800), mhd. bedurfen, bedürfen, mnd. bedörven, bederven, bedarven stimmen mit der alten Bedeutung des Simplex ↗dürfen (s. d.) überein; auch sie werden von Anfang an vor allem mit dem Genitiv verbunden (es bedurfte keiner Worte, der Ruhe bedürfen). Bedürfnis n. ‘Verlangen, Wunsch’, frühnhd. bedürfnisse (15. Jh.), mnd. bederfnisse, auch ‘Mangel, Dürftigkeit’; verhüllend sein Bedürfnis (‘seine Notdurft’) befriedigen, verrichten (19. Jh.). bedürfnislos Adj. ‘genügsam’ (Ende 18. Jh.); Bedürfnislosigkeit f. (Anfang 19. Jh.). bedürftig Adj. ‘arm, Mangel leidend, mittellos’, in der Wendung einer Sache, jmds. bedürftig sein ‘etw., jmdn. brauchen, nötig haben’; ahd. bithurftīg (Hs. 13. Jh.), spätmhd. bedurftic. Vgl. zu Anfang des 17. Jhs. bezeugtes, heute untergegangenes Bedurft f. ‘Bedürfnis’. Im Sinne von ‘notleidend’ begegnet das Adjektiv oft substantiviert die Bedürftigen Plur. Zu der letztgenannten Bedeutung ist Bedürftigkeit f. ‘Mangel, Armut’ (Mitte 16. Jh.) gebildet. Bedarf m. ‘Erfordernis, Nachfrage’, das die gleiche Ablautstufe wie der Singular des präterital gebildeten Präsens von bedürfen aufweist, wird im 16. Jh. aus mnd. bedarf, bederf ‘Notdurf, Mangel’ ins Hd. übernommen. Anfangs nur in der Kanzleisprache üblich, setzt sich Bedarf im 18. Jh. als Ausdruck der Handelssprache im Sinne von ‘Dinge, derer man bedarf’ allgemein gegenüber der alten Bedeutung ‘Mangel’ durch.

Thesaurus

Synonymgruppe
Anforderung · Bedürfnis · ↗Erfordernis · ↗Forderung · ↗Notwendigkeit · ↗Unabdingbarkeit · ↗Voraussetzung
Assoziationen
Synonymgruppe
Bedarf · Bedürfnis · ↗Begehren · ↗Begierde · ↗Drang · ↗Gier · ↗Sehnen · ↗Sehnsucht · ↗Verlangen · ↗Wunsch  ●  ↗Durst  ugs., fig.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Befriedigung Bevölkerung Kunde Wunsch abstimmen anpassen ausrichten bedienen befriedigen berücksichtigen dringend eingehen elementar entgegenkommen entsprechen entspringen erfüllen individuell materiell menschlich natürlich orientieren rechen sexuell speziell stillen verspüren wachsend wecken zuschneiden

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Bedürfnis‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auf alle Bedürfnisse gleichzeitig einzugehen ist dabei oft nur schwer möglich.
Die Zeit, 02.08.2013, Nr. 31
Während der letzten Jahre hatte ich über lange Zeit keinerlei Bedürfnis mehr, in ein bürgerliches Leben zurückzukehren.
Hasselbach, Ingo u. Bonengel, Winfried: Die Abrechnung, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1993], S. 109
Es ist eben auch gar nicht das Bedürfnis nach bloßer Unterhaltung, das hier angemeldet wird.
o. A.: EIN VOLK MACHT SEIN PROGRAMM. In: Marxistische Zeit- und Streitschrift 1980-1991, München: Gegenstandpunkt Verl. 1998 [1986]
Ihre Tendenzen entsprachen jedoch nicht den Bedürfnissen einer darauf nicht vorbereiteten breiten Masse.
Feicht, Hieronim u. Lissa, Zofia: Polen. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1962], S. 40815
Vielleicht entspringt diese absurd erscheinende Wahl einem tiefen Bedürfnis ihres gefährdeten Wesens nach einem unbeschwerten Partner.
Rinser, Luise: Mitte des Lebens, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1952 [1950], S. 247
Zitationshilfe
„Bedürfnis“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Bedürfnis>, abgerufen am 15.12.2018.

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