Befreiung, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Befreiung · Nominativ Plural: Befreiungen · wird meist im Singular verwendet
WorttrennungBe-frei-ung
Wortbildung mit ›Befreiung‹ als Erstglied: ↗Befreiungsbemühung · ↗Befreiungsbewegung · ↗Befreiungsfront · ↗Befreiungskampf · ↗Befreiungskrieg · ↗Befreiungsschlag · ↗Befreiungsstunde · ↗Befreiungstat · ↗Befreiungstheologie · ↗Befreiungsversuch
 ·  mit ›Befreiung‹ als Letztglied: ↗Arbeitsbefreiung · ↗Bauernbefreiung · ↗Frauenbefreiung · ↗Gebührenbefreiung · ↗Kostenbefreiung · ↗Merkbefreiung · ↗Restschuldbefreiung · ↗Schulbefreiung · ↗Schulgeldbefreiung · ↗Sklavenbefreiung · ↗Steuerbefreiung · ↗Völkerbefreiung
 ·  mit ›Befreiung‹ als Binnenglied: ↗Volksbefreiungsarmee
eWDG, 1967

Bedeutung

das Freimachen (durch Überwinden von Widerständen)
a)
entsprechend der Bedeutung von befreien (Lesart a)
Beispiele:
die Befreiung eines Gefangenen, der Häftlinge aus dem Konzentrationslager
die Befreiung eines Volkes von Unterdrückung und Fremdherrschaft
der Tag der Befreiung (= Gedenktag, 8. Mai)
für die nationale Befreiung kämpfen
die soziale, gesellschaftliche Befreiung (= Emanzipation) eines Staates, einer Gesellschaftsschicht, Klasse von wirtschaftlicher Abhängigkeit
Es kann die Befreiung der Arbeiter nur / Das Werk der Arbeiter sein [BrechtEinheitsfrontl.]
b)
übertragen Erlösung
Beispiele:
die Befreiung von Krankheit und Schmerzen
die Befreiung aus einer unangenehmen, gefährlichen Situation
Erleichterung
Beispiele:
ein Gefühl der Befreiung
auf ihrem Gesicht lag ein Ausdruck der Befreiung
c)
Erlassung
Beispiel:
die Befreiung von Steuern, Gebühren, Pflichtablieferungen, vom Schulgeld
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

frei · Freiheit · befreien · Befreiung · freilich · Freibank · Freibeuter · Freibrief · Freidenker · Freigeist · Freihafen · Freihandel · Freiherr · Freifrau · Freimaurer · freimütig · Freimütigkeit · Freimut · Freistaat · Freistatt · Freistätte · Freitod · freiwillig · Freiwilligkeit · Freizeit
frei Adj. ‘unabhängig, unbeschränkt’, ahd. frī (um 800), mhd. mnd. mnl. vrī, nl. vrij, asächs. frī- in frīlīk ‘frei’, aengl. frēo, engl. free, got. freis gehören mit kymr. rhydd ‘frei’ zur Wurzel ie. *prāi-, *prī- ‘gern haben, schonen, friedlich-frohe Gesinnung’ wie auch aind. priyáḥ ‘eigen, lieb’, prīṇā́ti ‘erfreut, ergötzt, ermuntert, findet Gefallen an etw., genießt’, (vielleicht) griech. prāÿ́s (πραΰς, aus *πραι̯υ-?) ‘sanft, gelinde, zahm’, aslaw. prịjati ‘hold sein, beistehen’, mruss. prijat’ (npuяmь) ‘begünstigen, wohlgesinnt sein’, aslaw. prịjatelь, russ. prijátel’ (приятель) ‘Freund’ sowie ↗freien, ↗Freitag, ↗Freund, ↗Friede, ↗Friedhof (s. d.). Vgl. dazu ahd. frīhelsī, aengl. frēols, got. freihals ‘Freiheit’, anord. frjāls ‘frei’, die wohl von der ‘Unantastbarkeit des Halses’ (eines freien Mannes im Gegensatz zum Unfreien) ausgehen. Die sich nur im Germ. und Kelt. vollziehende Entwicklung von ‘lieb’ zu ‘frei, unabhängig’ erklärt sich aus einer Vorstellung ‘zu denen gehörig, die man gern hat und schont’, also den Freunden, den Stammesgenossen (im Gegensatz zu den stammesfremden Unfreien und Kriegsgefangenen). Freiheit f. ‘Unabhängigkeit’, ahd. frīheit (um 1000, Notker), mhd. vrīheit, auch ‘Privileg, privilegierter Bezirk’, vgl. nhd. Schloß-, Baufreiheit. befreien Vb. ‘unabhängig machen, erlösen’, mhd. bevrīen; vgl. mhd. vrīen, nhd. (älter) freien ‘frei machen’ (s. ↗Gefreiter). Befreiung f. ‘Entledigung (von Verbindlichkeiten), Erlösung’ (15. Jh.). freilich Adv. ‘gewiß, bestimmt, allerdings’, mhd. vrīlīche(n) ‘unbehindert, freimütig, offenbar, unbekümmert, frischweg, ohne Zaudern’; vgl. ahd. frīlīh Adj. (9. Jh.), mhd. vrīlich ‘frei, schrankenlos, unbefangen’. Freibank f. ‘Verkaufsstand für wertgemindertes Fleisch’ (19. Jh.), älter ‘für alle Fleischer zur freien Benutzung stehender Verkaufsstand’ (16. Jh.). Freibeuter m. ‘Pirat, Seeräuber’ (16. Jh.), mnd. vrībǖter ‘mit Vollmacht zum Kapern feindlicher Schiffe ausgerüsteter Schiffsführer oder Seemann, Seeräuber’, nl. vrijbuiter. Freibrief m. ‘verbrieftes Privileg, Anrechtsurkunde’ (15. Jh.), heute meist übertragen ‘Erlaubnis’ (für sonst Unstatthaftes), älter ‘Freilassungsurkunde’ (für einen Unfreien). Freidenker m. ‘von Religion Unabhängiger, nur der Vernunft, den eigenen Anschauungen Verpflichteter’ (18. Jh.), Übersetzung von engl. freethinker, nach einer gleichnamigen englischen Wochenschrift; dazu Freidenkerei, freidenkerisch (18. Jh.). Freigeist m. ‘geistig unabhängiger Mensch’, zunächst ‘Ketzer, Religionsverächter’ (17. Jh.); früher bezeugt ist freier Geist ‘Ketzer, Sektierer’ (seit 14. Jh.); dazu Freigeisterei (18. Jh.). Freihafen m. ‘Hafen außerhalb des Zollgebietes’ (18. Jh.). Freihandel m. ‘von Zollschranken und anderen einzelstaatlichen Beschränkungen unbehinderter Handel’ (19. Jh.), Übersetzung von engl. free trade. Freiherr m. Freifrau f. dem Baron entsprechender Adelstitel, spätmhd. vrīherre ‘freier Edelmann’, vrīvrouwe. Freimaurer m. Angehöriger einer übernationalen Gemeinschaft mit humanitärer Zielstellung (18. Jh.). Der in England gegründete Geheimbund bedient sich der Symbole und Bräuche mittelalterlicher Bauhütten, aus denen sich der Name herleitet, engl. freemason, frz. franc-mac̦on (s. ↗Steinmetz); Freimaurerei f. (18. Jh.). freimütig Adj. ‘offen, unerschrocken’, mhd. vrīmüetic; Freimütigkeit f. ‘Unerschrockenheit’ (16. Jh.), auch Freimut m. (17. Jh.), vereinzelt bereits mhd. vrīmuot. Freistaat m. ‘Republik’ (1768 von der Schweizer Eidgenossenschaft; nach Abschaffung der Monarchie 1918 nennen sich die meisten deutschen Länder Freistaat, heute noch die ehemaligen Königreiche Sachsen und Bayern). Freistatt, Freistätte f. ‘Zufluchtsort, Asyl’, im 14. Jh. bereits als Flurname, allgemein gebräuchlich seit dem 17. Jh. Freitod m. euphemistisch für ‘Selbstmord’ (Ende 19. Jh.), nach Vom freien Tod (Nietzsche, Zarathustra, 1883). freiwillig Adj. ‘aus eigenem Antrieb’ (16. Jh.), älter Freiwilligkeit f. ‘eigener innerer Antrieb’ (15. Jh.). Freizeit f. ‘arbeitsfreie Zeit, Zeit der Erholung’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Befreiung · ↗Dispens · ↗Freistellung
Assoziationen
Synonymgruppe
Befreiung · ↗Erlösung · ↗Errettung · ↗Rettung (von)
Synonymgruppe
(den) Belagerungsring durchbrechen · Befreiung  ●  ↗Entsatz  fachspr., militärisch · ↗Entsetzung  fachspr., militärisch

Typische Verbindungen
computergeneriert

Akt Befreiung Besatzung Faschismus Fessel Front Gedenken Gefangene Geisel Jahrestag Joch KZ Konzentrationslager Kriegsende Lager Menschheit Nationalsozialismus Sklave Theologie Unterdrückung Vernichtungslager Volk Volksfront Wettbewerbsverbot Zwang empfinden gewaltsam national sexuell vollständig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Befreiung‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Beginn der Spiele ist für sie so etwas wie eine Befreiung.
Süddeutsche Zeitung, 11.08.2004
Juni 1944 kam die Befreiung der Deutschen ein entscheidendes Stück voran.
Der Tagesspiegel, 09.01.2004
Und wenn dies nicht gleich möglich gewesen wäre, dann hätte sie sich bestimmt nach der Befreiung bei ihnen gemeldet.
Hilsenrath, Edgar: Das Märchen vom letzten Gedanken, München: Piper 1989, S. 475
Für mich ist die Zeit der gemeinsamen Befreiung noch nicht gekommen.
Pilgrim, Volker Elis: Manifest für den freien Mann - Teil 1, Reinbek b. Hamburg: Rowohlt 1983 [1977], S. 145
Die Befreiung erfolgte gerade noch rechtzeitig, um dieses alte Volk vor der Ausführung des entsetzlichen Plans zu retten, den diese Männer ausgeheckt hatten.
o. A.: Einhundertachtundachtzigster Tag. Samstag, 27. Juli 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 18598
Zitationshilfe
„Befreiung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Befreiung>, abgerufen am 23.10.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
befreit
Befreier
befreien
Befraß
befranst
Befreiungsaktion
Befreiungsarmee
Befreiungsbemühung
Befreiungsbewegung
Befreiungsfront