Begier, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Begier · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungBe-gier (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Begier‹ als Erstglied: ↗begierig · ↗begierlich  ·  mit ›Begier‹ als Letztglied: ↗Essbegier · ↗Fressbegier · ↗Kampfbegier · ↗Mordbegier · ↗Streitbegier · ↗Wissbegier
eWDG, 1967

Bedeutung

gehoben Begierde
Beispiele:
seine Begier nach Ruhm, Lob, Rache, Reichtum
die Begier entfachen, stillen
vor Begier brennen
die Begier wächst
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gier · gierig · gieren · Begier · Begierde · begierig · Neugier · Neugierde · neugierig · Habgier · habgierig
Gier f. ‘heftiges, maßloses Verlangen, Begehren’. Das auf den dt. Sprachraum beschränkte Substantiv ahd. girī(n) (8. Jh.), mhd. gir ‘Begierde’, asächs. nur im Kompositum fehugiri ‘Streben nach Besitz’, ist eine Abstraktbildung zu dem durch gierig (s. unten) ersetzten alten Adjektiv ahd. ger (9. Jh.), Nebenform giri (8. Jh.), mhd. gir, ger ‘begierig, verlangend’, mnd. gīr, gēr, das mit ↗gern und ↗begehren (s. d.) verwandt ist und wie diese zur Wurzel ie. *g̑her- ‘begehren, gern haben’ gehört. gierig Adj. ‘voller Gier, heftig begehrend’, ahd. girīg (9. Jh.), mhd. giric ‘begierig, begehrlich’, Weiterbildung zu den oben genannten Adjektivformen ahd. ger, giri, mhd. gir, ger. gieren Vb. ‘heftig begehren, gierig verlangen’ (15. Jh.), nach heutigem Sprachempfinden als Ableitung von Gier angesehen, ist aber wohl Übernahme von mnd. gīren und gehört damit zu der unter ↗gähnen (s. d.) genannten Wurzelform ie. *g̑hēi-, *g̑hī- ‘gähnen, klaffen, offenstehen’. Doch können im Einzelfall auch auf die gleiche Wurzel zurückgehende nominale Formen mit ī (s. ↗Geier) von Einfluß gewesen sein. Begier f. Begierde f. ‘heftiges, leidenschaftliches (sinnliches) Verlangen’. Während ahd. girida (um 800), mhd. girde Abstraktbildungen zum Adjektiv ahd. ger, giri (s. oben) sind, gehört das Abstraktum mhd. begirde zum Verb mhd. begern, begirn, nhd.begehren (s. d.). Verkürztes mhd. begir steht dagegen unter dem Einfluß von mhd. gir, nhd. Gier (s. oben). begierig Adj. ‘voller Begierde, auf etw. versessen’, mhd. begirec, begirdec. Neugier f. Neugierde f. ‘Gier, Begier, Neuigkeiten oder die Angelegenheit anderer zu erfahren’ (17. Jh.), gebildet zu älterem neugierig Adj. ‘voller Neugier, gespannt’ (Mitte 16. Jh.). Habgier f. ‘Gier nach Besitz’ (18. Jh.) übernimmt die ältere Bedeutung von ↗Geiz (s. d.) und meint den ‘raffenden’ im Unterschied zum späteren ‘sparsamen Geiz’; habgierig Adj. (18. Jh.).

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und doch wollte Max Frisch (1911 bis 1991) eigentlich nur dies, Geschichten erzählen, mit rasender Begier.
Die Zeit, 02.08.2012, Nr. 31
Der Mann aber bebt, zittert, flüchtet vor der eigenen Begier.
Meisel-Hess, Grete: Die sexuelle Krise. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1909], S. 8652
Alsdann wächst die Begier nach einem Fahrrad auch bei den Frauen.
Strittmatter, Erwin: Der Laden, Berlin: Aufbau-Verl. 1983, S. 366
Mit all ihrer Begier nach dem »Wunderbaren« erwartete sie nun das Kind.
Meisel-Hess, Grete: Die Intellektuellen. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 10964
Deswegen werden die Beamten jetzt zu Hundeführer Stefan Begier in die Schulung geschickt.
Bild, 23.06.2000
Zitationshilfe
„Begier“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Begier>, abgerufen am 14.11.2019.

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