Behelf, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Behelf(e)s · Nominativ Plural: Behelfe
Aussprache
WorttrennungBe-helf
Grundformbehelfen
Wortbildung mit ›Behelf‹ als Erstglied: ↗Behelfsausfahrt · ↗Behelfsbahn · ↗Behelfsbau · ↗Behelfsbett · ↗Behelfsbrücke · ↗Behelfsheim · ↗Behelfskirche · ↗Behelfsmaßnahme · ↗Behelfsmittel · ↗Behelfsunterkunft · ↗Behelfsverkaufsstelle · ↗Behelfszähler · ↗behelfsmäßig · ↗behelfsweise
 ·  mit ›Behelf‹ als Letztglied: ↗Heilbehelf · ↗Lehrbehelf · ↗Notbehelf · ↗Rechtsbehelf
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
etw. Unzureichendes, womit man sich in Ermangelung von etw. Besserem behilft
Beispiele:
ein armseliger, kümmerlicher, kärglicher, notdürftiger, schlechter Behelf
diese Wohnung ist nur ein Behelf
dieser Kunststoff ist ein Behelf für Metall
etw. dient als Behelf
etw. als Behelf nehmen
Er spielte fast ohne allen Behelf (= Hilfsmittel), trug keine Maske, keine kostbaren Kleider [Feuchtw.Jüd. Krieg36]
2.
landschaftlich, besonders ostmitteldeutsch, umgangssprachlich Vorwand
Beispiele:
sich [Dativ] einen Behelf machen
einen Behelf suchen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

helfen · abhelfen · behelfen · Behelf · unbeholfen · verhelfen · Helfer · Helfershelfer
helfen Vb. ‘unterstützen, behilflich sein, förderlich sein, Heilung bringen’. Das gemeingerm. starke Verb ahd. helfan (8. Jh.), mhd. helfen, asächs. aengl. helpan, mnd. mnl. nl. helpen, engl. (schwach) to help, anord. hjalpa, schwed. hjälpa, got. hilpan ist lediglich vergleichbar mit balt. Formen wie lit. šel̃pti ‘unterstützen, fördern, beistehen, helfen’, šalpà ‘Unterstützung, Hilfe’, so daß ie. *k̑elb- bzw. (für das Balt.) *k̑elp- ‘helfen, stützen’ angesetzt werden könnte. Möglicherweise ist die zweite Variante dadurch entstanden, daß (im Balt.) die Form durchgeführt wurde, in der die ursprüngliche Media des Wurzelauslauts vor stimmlosem Verschlußlaut oder stimmloser Spirans der folgenden Flexionssilbe (besonders t und s) zur Tenuis wird. Zweifelhaft bleibt, ob die genannten Ansätze als Erweiterungen der Wurzel ie. *k̑el- ‘bergen, verhüllen’ (s. ↗hehlen, ↗hüllen, ↗Hülse, ↗Hölle, hier nach Trier Lehm (1951) 56 in einer semantischen Weiterentwicklung zu ‘genossenschaftlicher und unterstützender Männerkreis’) oder der Wurzel ie. *k̑el- ‘neigen’ (s. ↗Halde, ↗hold, ↗Huld, vgl. Seebold 254) aufzufassen sind. abhelfen Vb. ‘jmdn. helfend von etw. befreien, einen Übelstand beseitigen’, mhd. abehelfen. behelfen Vb. (reflexiv) ‘sich zu helfen wissen, sich mit Unzureichendem begnügen’, mhd. behelfen (reflexiv) ‘als Hilfe brauchen’; Behelf m. ‘womit man sich in Ermangelung von etw. Besserem behilft, notdürftiger Ersatz(gegenstand), Aushilfe’, mhd. behelf ‘Ausflucht, Vorwand, Zuflucht’; unbeholfen Part.adj. ‘hilflos in den körperlichen Bewegungen, ungeschickt, schwerfällig’, mhd. unbeholfen ‘nicht behilflich’. verhelfen Vb. ‘vermitteln, verschaffen, behilflich sein’, spätmhd. verhelfen. Helfer m. ‘wer jmdm. hilft, jmdn. unterstützt’, ahd. helfāri (8. Jh.), mhd. helfære; Helfershelfer m. zuerst ‘Streitgenosse in einer Fehde’ (Anfang 15. Jh.), doch bald im Sinne von Helfer, seit dem 17. Jh. zunehmend, heute ausschließlich ‘Spießgeselle, Komplize’.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ersatz

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Behelf‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sinn ist ein Behelf, den Mangel an formaler Kapazität auszugleichen.
Süddeutsche Zeitung, 26.04.1997
Doch wenn ich mein Bild male, habe ich einen Behelf an der Hand.
Die Zeit, 03.10.1946, Nr. 33
Bloße Ermahnungen nützen da nicht viel, und auch die rein informatorische Aufklärung über den Gesamtzusammenhang des Betriebs ist nur ein Behelf.
Freyer, Hans: Gesellschaft und Kultur. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 24856
Übergang zu härterer Papiergradation bleibt nur Behelf, genügt aber mittleren Ansprüchen.
Spoerl, Alexander: Mit der Kamera auf du, München: Piper 1957, S. 254
Deutschland entwickelte sich zu einem Land des "Ersatzes", des "Behelfs", des Sammelns und Improvisierens.
Buchbender, Ortwin u. Sterz, Reinhold (Hg.), Das andere Gesicht des Krieges, München: Beck, 1982, S. 101
Zitationshilfe
„Behelf“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Behelf>, abgerufen am 22.11.2019.

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