Beichtgeheimnis, das
GrammatikSubstantiv (Neutrum)
Aussprache
WorttrennungBeicht-ge-heim-nis (computergeneriert)
WortzerlegungBeichteGeheimnis
eWDG, 1967

Bedeutung

Religion
1.
Pflicht des Geistlichen, über das ihm Anvertraute zu schweigen
Beispiele:
das Beichtgeheimnis verletzen
die Wahrung des Beichtgeheimnisses
weshalb sie es auch nicht unter dem Siegel des Beichtgeheimnisses ihrem Seelsorger anvertraute [HeyseI 5,392]
2.
Geheimnis, das dem Geistlichen anvertraut worden ist
Beispiel:
Dieser Brief, das Beichtgeheimnis eines demütigen Herzens, ist mir unendlich wertvoll [FontaneI 2,367]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Beichte · Beicht · beichten · Beichtiger · Beichtvater · Beichtkind · Beichtgeheimnis · Beichtsiegel
Beichte südd. auch Beicht f. ‘Geständnis, Bekenntnis’, in der christlichen Religion ‘Bekenntnis der Sünden’ (Bußsakrament der römisch-katholischen Kirche). Ahd. bī̌giht, bī̌jiht (9. Jh.), bī̌gihta (11. Jh.) ‘Bekenntnis, feierliche Aussage, Versprechen, Sündenbekenntnis’, mhd. begiht(e), bīht, asächs. bigihto, mnl. bijichte, nl. biecht, afries. bijechte ist Verbalabstraktum zu ahd. bijehan ‘bekennen, Lob sprechen’ (8. Jh.), mhd. bejehen ‘bekennen, beichten’, asächs. bigehan, mnd. begēn, bejēn, afries. biia. Dessen Simplex germ. *jehan ‘sprechen, versichern’, woraus ahd. jehan ‘sagen, bekennen’ (8. Jh.), mhd. jehen, asächs. gehan ‘sagen, sprechen’, aber auch ‘bekennen, geloben’, mnl. gien, anord. und zugehöriges ahd. jiht ‘Bekenntnis, Lobpreis’ (um 1000), mhd. giht, mnd. mnl. gieht, afries. iecht kann mit aind. yā́cati ‘fleht, fordert’, lat. iocus ‘Scherzrede, Scherz’ (s. ↗Jux) zur Wurzel ie. *i̯ek- ‘(feierlich) sprechen’ gestellt werden (s. auch ↗genieren, ↗Gicht). Das seit dem Mhd. auftretende Endungs-e (ahd. -a) setzt sich spät endgültig durch; Luther gebraucht meist, Adelung nur Beicht, Campe verbucht beide Formen Beicht und Beichte. Germ. *bi-jihti- gehört zunächst im Sinne von ‘Bekenntnis, Geständnis, Gelöbnis’ zur Rechtssprache. Die Verwendungsweise entspricht damit genau der von lat. cōnfessio ‘Ein-, Zugeständnis, Geständnis’, danach kirchenlat. ‘Sündenbekenntnis’ (s. ↗Konfession). Doch die Annahme einer Lehnübertragung ist keineswegs zwingend. Vom Substantiv abgeleitet beichten Vb. ‘eine Beichte ablegen, seine Sünden bekennen’, auch ‘gestehen, bekennen’, mhd. bīhten. Zum katholischen Sprachgebrauch gehören Beichtiger m. (heute selten) ‘Beichtvater’, ahd. bī̌gihtigāri ‘Bekenner des Glaubens’ (Hs. 12. Jh.), mhd. bīhtegære, bīhtigære ‘Bekenner (Beichtkind), Beichtvater’, zu mhd. bīhtegen ‘beichten’, abgeleitet von ahd. bī̌gihtīg (9. Jh.), mhd. bīhtec, bīhtic ‘zur Beichte bereit, seine Sünden bekennend’; Beichtvater m. ‘Geistlicher, bei dem gebeichtet wird’, mhd. bīhtvater, und Beichtkind n. ‘Beichtende(r)’ spätmhd. bīhtkint. Beichtgeheimnis n. ‘Pflicht des Geistlichen, über das Anvertraute zu schweigen und das ihm Anvertraute selbst’ (Mitte 19. Jh.) neben älterem Beichtsiegel n. (2. Hälfte 17. Jh.).
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bruch Schutz Siegel Verletzung Wahrung beruft gebrochen geschützt hüten preisgeben verletzt verraten wahren

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Verwendungsbeispiele
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Vom »jahrhundertealten Beichtgeheimnis« ist dann die Rede, vom Wert »klösterlichen Schweigens«.
Die Zeit, 17.11.2012, Nr. 47
Der Priester identifizierte - trotz Beichtgeheimnis - Florian S. als den Täter.
Bild, 04.06.1997
Daß auch die oberen Ränge von unaufgedeckten Skandalen leben, ist doch bloß noch ein Beichtgeheimnis.
Walser, Martin: Halbzeit, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1997 [1960], S. 21
Kirche neuerlich Bestrebungen erkennbar sind, den B. zu ergänzen, um eine bessere Wahrung des Beichtgeheimnisses zu gewährleisten.
Ritter, K. B.: Beichtstuhl. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1957], S. 22047
Nach der erst um 1450 aufgekommen Legende ließ ihn Wenzel ertränken, weil er sich weigerte, das Beichtgeheimnis der Königin zu verraten.
o. A.: N. In: Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1906], S. 36553
Zitationshilfe
„Beichtgeheimnis“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Beichtgeheimnis>, abgerufen am 22.09.2017.

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