Beichtiger, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Beichtigers · Nominativ Plural: Beichtiger
Aussprache
WorttrennungBeich-ti-ger
eWDG, 1967

Bedeutung

veraltet, Religion Beichtvater
Beispiel:
Père de Lachaise war der langjährige Beichtiger des Königs [C. F. Meyer3,296]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Beichte · Beicht · beichten · Beichtiger · Beichtvater · Beichtkind · Beichtgeheimnis · Beichtsiegel
Beichte südd. auch Beicht f. ‘Geständnis, Bekenntnis’, in der christlichen Religion ‘Bekenntnis der Sünden’ (Bußsakrament der römisch-katholischen Kirche). Ahd. bī̌giht, bī̌jiht (9. Jh.), bī̌gihta (11. Jh.) ‘Bekenntnis, feierliche Aussage, Versprechen, Sündenbekenntnis’, mhd. begiht(e), bīht, asächs. bigihto, mnl. bijichte, nl. biecht, afries. bijechte ist Verbalabstraktum zu ahd. bijehan ‘bekennen, Lob sprechen’ (8. Jh.), mhd. bejehen ‘bekennen, beichten’, asächs. bigehan, mnd. begēn, bejēn, afries. biia. Dessen Simplex germ. *jehan ‘sprechen, versichern’, woraus ahd. jehan ‘sagen, bekennen’ (8. Jh.), mhd. jehen, asächs. gehan ‘sagen, sprechen’, aber auch ‘bekennen, geloben’, mnl. gien, anord. und zugehöriges ahd. jiht ‘Bekenntnis, Lobpreis’ (um 1000), mhd. giht, mnd. mnl. gieht, afries. iecht kann mit aind. yā́cati ‘fleht, fordert’, lat. iocus ‘Scherzrede, Scherz’ (s. ↗Jux) zur Wurzel ie. *i̯ek- ‘(feierlich) sprechen’ gestellt werden (s. auch ↗genieren, ↗Gicht). Das seit dem Mhd. auftretende Endungs-e (ahd. -a) setzt sich spät endgültig durch; Luther gebraucht meist, Adelung nur Beicht, Campe verbucht beide Formen Beicht und Beichte. Germ. *bi-jihti- gehört zunächst im Sinne von ‘Bekenntnis, Geständnis, Gelöbnis’ zur Rechtssprache. Die Verwendungsweise entspricht damit genau der von lat. cōnfessio ‘Ein-, Zugeständnis, Geständnis’, danach kirchenlat. ‘Sündenbekenntnis’ (s. ↗Konfession). Doch die Annahme einer Lehnübertragung ist keineswegs zwingend. Vom Substantiv abgeleitet beichten Vb. ‘eine Beichte ablegen, seine Sünden bekennen’, auch ‘gestehen, bekennen’, mhd. bīhten. Zum katholischen Sprachgebrauch gehören Beichtiger m. (heute selten) ‘Beichtvater’, ahd. bī̌gihtigāri ‘Bekenner des Glaubens’ (Hs. 12. Jh.), mhd. bīhtegære, bīhtigære ‘Bekenner (Beichtkind), Beichtvater’, zu mhd. bīhtegen ‘beichten’, abgeleitet von ahd. bī̌gihtīg (9. Jh.), mhd. bīhtec, bīhtic ‘zur Beichte bereit, seine Sünden bekennend’; Beichtvater m. ‘Geistlicher, bei dem gebeichtet wird’, mhd. bīhtvater, und Beichtkind n. ‘Beichtende(r)’ spätmhd. bīhtkint. Beichtgeheimnis n. ‘Pflicht des Geistlichen, über das Anvertraute zu schweigen und das ihm Anvertraute selbst’ (Mitte 19. Jh.) neben älterem Beichtsiegel n. (2. Hälfte 17. Jh.).

Verwendungsbeispiele für ›Beichtiger‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Worte der Beichtiger, deren Namen mitgeteilt waren, machten dann den Inhalt seiner Reportage aus.
Die Zeit, 16.05.1969, Nr. 20
Sie sprach mit ihrem Beichtiger über ihren Eintritt in ein Kloster.
Schaeffer, Albrecht: Helianth I, Bonn: Weidle 1995 [1920], S. 191
Gleichwohl ist der Kölner Beichtiger nicht genug zu preisen für sein Einfühlungsvermögen.
Süddeutsche Zeitung, 24.10.2003
Pikanterweise ist es ein Jesuit, der Tilly als Beichtiger einvernimmt und ziemlich unverblümt einen Massenmörder nennt.
Süddeutsche Zeitung, 22.07.1998
Alle fordern von dem Beichtiger das Maß ihrer Buße, Vermahnung, Trost und Absolution.
Die Zeit, 22.11.1951, Nr. 47
Zitationshilfe
„Beichtiger“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Beichtiger>, abgerufen am 29.03.2020.

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