Beilager, das
GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Beilagers · Nominativ Plural: Beilager · wird meist im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungBei-la-ger (computergeneriert)
eWDG, 1967

Bedeutungen

a)
gehoben, verhüllend Beischlaf
Beispiel:
Das Gestell groß, hoch ... als sollten sechs Brautpaare wie König Gunther und Brunhilde ihr Beilager darin halten [FontaneII 4,27]
b)
übertragen Hochzeit
Beispiel:
Das [königliche] Beilager wurde bald mit aller nur möglichen Pracht vollzogen [E. T. A. Hoffm.5,656]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

legen · ablegen · Ableger · anlegen · Anlage · auflegen · aufgelegt · Auflage · auslegen · Auslage · beilegen · Beilager · Beilage · einlegen · Einlage · erlegen · niederlegen · Niederlage · überlegen1 · Überlegung · überlegen2 · unterlegen · Unterlage
legen Vb. ‘zum Liegen bringen’. Das gemeingerm. bezeugte Verb ahd. leg(g)en (8. Jh.), mhd. legen (auch lecken, leggen), asächs. leggian, mnd. leggen, mnl. legghen, lēghen, nl. leggen, aengl. lecgan, engl. to lay, anord. leggja, schwed. lägga, got. lagjan ist Kausativum im Sinne von ‘liegen machen’ zu dem unter ↗liegen (s. d.) dargestellten starken Verb wie russ.-kslaw. ložiti sja, russ. ložít’sja (ложиться) ‘sich legen’ zu aslaw. ležati, russ. ležát’ (лежать) ‘liegen’. ablegen Vb. ‘von sich tun, (Kleidung) ausziehen bzw. nicht mehr tragen, abladen, deponieren, vollziehen, leisten’, mhd. abelegen ‘(Kleidung) ausziehen, abladen, abgelten, auszahlen, außer Kraft setzen, Abbruch tun’; Ableger m. ‘junger Pflanzentrieb’ (18. Jh.), frühnhd. ‘Auf- und Ablader’ (15. Jh.). anlegen Vb. ‘an etwas legen, ankleiden, zielen, auf etw. abzielen, bezwecken, anzetteln, entwerfen, gestalten, bewirken, nutz- und gewinnbringend verwenden’, ahd. analeg(g)en ‘an-, auflegen, hineinschicken’ (8. Jh.), mhd. anelegen ‘ankleiden, anzetteln, vorbereiten, veranschlagen, auferlegen, auf Zinsen anlegen’; Anlage f. ‘Hinzu-, Beigefügtes, nutzen- und gewinnbringende Verwendung, Begabung, Neigung, das Gestaltete (Grünfläche, Baugestaltung)’, mhd. anlāge ‘Anliegen, Bitte, Hinterhalt’. auflegen Vb. ‘auf etw. legen, aufbürden, anordnen, (von Büchern) drucken und herausbringen’, ahd. ūfleg(g)en (um 1000), mhd. ūflegen ‘auf-, auslegen, aufstellen, zeigen, ausdenken, ersinnen, erschaffen, anordnen, bestimmen, veranstalten, stiften’; aufgelegt Part.adj. ‘geneigt, gestimmt zu etw., gelaunt’ (18. Jh.); Auflage f. ‘das Auferlegte, zu Leistende, Anweisung, Gebot, Beschwerde, Beschuldigung’ (16. Jh.), ‘Auferlegung, das Aufgelegte auf eine Unterlage, Anzahl der auf einmal gedruckten und verlegten Exemplare eines Druckes’ (17. Jh.). auslegen Vb. ‘ausbreiten, zur Schau stellen, mit einem Belag versehen, Geld vorschießen, deuten, interpretieren’, mhd. ūʒlegen ‘zum Verkauf anbieten, besetzen, verbrämen, ausrüsten, erfüllen, schmücken, darlegen, bestimmen, verabreden, deuten, erklären’; Auslage f. ‘Kosten, verauslagtes Geld, zur Ansicht ausgebreitete Ware, das Auslegen, zur Ansicht Bereitlegen’ (16. Jh.). beilegen Vb. ‘danebenlegen, hinzufügen, mitschicken, beseitigen, (Streit) schlichten’, ahd. bileg(g)en ‘be-, hinlegen, legend bedecken’ (8. Jh.), mhd. bīlegen ‘(sich) dazulegen (zum Beilager)’; Beilager n. ‘Eheschließung, Beischlaf’, mhd. bīleger, frühnhd. bī-, beilager (Ende 14. Jh.); Beilage f. ‘das Beigefügte’ (vielfach kanzleisprachlich von Schriften, Listen), ‘Zukost’, älter auch ‘anvertrautes Gut’ und ‘Beilager’ (15. Jh.). einlegen Vb. ‘hineinlegen, konservieren, mit einer Einlage verzieren, einzahlen’, mhd. īnlegen ‘ein-, hineinlegen, gegen jmdn. eine Klage vorbringen’; Einlage f. ‘das Hineingelegte, Versteifung (bei Kleidern), angelegtes oder eingezahltes Geld, Spargeld’ (16. Jh., bereits früh im Bankwesen). erlegen Vb. ‘(Wild) töten, (durch Tötung) niederlegen’, auch ‘einen Geldbetrag entrichten’, ahd. irleg(g)en ‘auferlegen, entgegensetzen, bestimmen’ (8. Jh.), mhd. erlegen ‘niederlegen, aus-, ein-, belegen, schlichten’. niederlegen Vb. ‘etw., sich hinlegen, ein Amt aufgeben’, ahd. nidarleg(g)en ‘hinwerfen, -legen, -stellen’ (9. Jh.), mhd. niderlegen ‘niederlegen, besiegen, beseitigen, abstellen, in Beschlag nehmen’; Niederlage f. ‘das Besiegtwerden, Unterlegensein, Warenlager, Großhandelszweigstelle’, mhd. niderlāge ‘das Niederlegen, -sinken, Sichniederlassen, Aufenthalt, Ruhe, Verlust, Schaden, das Niedermetzeln’. überlegen1 Vb. ‘überdecken, nachdenken, bedenken, erwägen’, ahd. ubarleg(g)en ‘vorwerfen, vorhalten’ (um 1000), mhd. überlegen ‘überziehen, bedecken, belegen mit, über-, zu-, zusammenrechnen’; Überlegung f. ‘Erwägung, das Bedenken’ (18. Jh.). überlegen2 Vb. ‘über etw. legen, ein Tuch umnehmen, ein Kind strafen’ (18. Jh.). unterlegen Vb. ‘als Unterlage darunterschieben, zuschreiben’, ahd. untarleg(g)en ‘stützen, unterstellen’ (8. Jh.), mhd. underlegen; Unterlage f. ‘Fundament, Grundlage, das Untergelegte, (beweisendes) Schriftstück, Beweisstück’, mhd. underlāge ‘Unterwerfung’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Akt · ↗Geschlechtsakt · ↗Sex · körperliche Liebe · sinnliche Liebe  ●  GV  Abkürzung · ↗Geschlechtsverkehr  Hauptform · ↗Verrichtung  Amtsdeutsch, verhüllend · ↗Vollzug  verhüllend · ↗Begattung  fachspr. · Beilager  geh., veraltet · ↗Beischlaf  geh. · ↗Beiwohnung  geh., veraltet · ↗Bums  vulg. · ↗Coitus  fachspr. · ↗Fick  vulg. · ↗Geficke  vulg. · ↗Gevögel  vulg. · ↗Kohabitation  fachspr. · ↗Koitus  fachspr. · ↗Kopulation  fachspr. · ↗Liebesakt  geh. · ↗Nummer  ugs. · ↗Schäferstündchen  ugs., verhüllend · ↗Verkehr  geh. · fleischliche Beiwohnung  geh., veraltet
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Inzucht  ●  ↗Blutschande  veraltet · ↗Inzest  Hauptform
  • Fellatio · ↗Oralsex · ↗Oralverkehr  ●  Blasen  ugs. · Lecken  ugs.
  • Quickie  ugs. · Schnellfick  derb · flotte Nummer  ugs. · schnelle Nummer  ugs.
  • ungeschützter Sex  ●  freie Liebe  ugs.
  • Sex ohne Kondom · ungeschützter Geschlechtsverkehr · ungeschützter Sex
  • Blümchensex · Kuschelsex
  • Hardcore-Sex · harter Sex
  • (einen) Samenerguss haben · zum Samenerguss kommen  ●  (jemandem) geht einer ab  ugs. · ↗abspritzen  derb · ↗abwichsen  vulg. · ↗ejakulieren  fachspr. · in die Muschel rotzen  vulg. · ↗kommen  ugs. · sich ergießen  geh.
Assoziationen
DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Den Schwerverletzten nahm er gleichwohl in sein Haus auf, besorgte ihm die Gefährtin fürs letzte Beilager.
Die Zeit, 19.03.1982, Nr. 12
Noch aus den griechischen Sagen erahnen wir den alten Mythos eines Beilagers des Stieres mit Europa und Pasiphae.
Schachermeyr, Fritz: Ursprung und Hintergrund der griechischen Geschichte. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 23068
Die Bauten stehen sinnlich-übersinnlich da, wobei das Schöne, das mit dem Heiligen hier Beilager feiert, selber nicht ruht, sondern schwingt und schwebt.
Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung Bd. 2, Berlin: Aufbau-Verl. 1955, S. 271
Sie bringt Anekdoten, Schwänke und Seltsamkeiten, merkwürdige Schicksale großer Herren, Schaudergeschichten von Tyrannen und gekrönten Bösewichtern, ausführliche Schilderungen von blutigen Schlachten, Feuersbrünsten, großen Seuchen, von fürstlichen Beilagern, Hoffesten.
Goldfriedrich, Johann: Geschichte des Deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Geschichte des deutschen Buchwesens, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1908], S. 17813
Man darf davon ausgehen, dass sie auch zum Schauplatz des so schwärmerisch erwarteten Beilagers wurde und manches weiteren.
Der Tagesspiegel, 16.02.2003
Zitationshilfe
„Beilager“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Beilager>, abgerufen am 22.01.2018.

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