Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Belang, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Belang(e)s · Nominativ Plural: Belange
Aussprache 
Worttrennung Be-lang
Wortbildung  mit ›Belang‹ als Erstglied: belanglos · belangreich · belangvoll
 ·  mit ›Belang‹ als Letztglied: Fanbelang · Sicherheitsbelang · Umweltbelang · Wirtschaftsbelang

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. Interessen
  2. 2. ⟨von, ohne Belang⟩ von, ohne Wichtigkeit, Bedeutung
  3. 3. [papierdeutsch] Hinsicht
eWDG

Bedeutungen

1.
Interessen
Grammatik: nur im Plural
Beispiele:
die sozialen, wirtschaftlichen, künstlerischen, politischen, dienstlichen, betrieblichen, überseeischen, deutschen Belange
die Wahrung und Förderung der kulturellen Belange
die Belange des Staates, der Wirtschaft
seine Belange wahren
sich über die Belange der Wissenschaftler, Rentner Gedanken machen
2.
von, ohne Belangvon, ohne Wichtigkeit, Bedeutung
Beispiele:
dieses Ereignis war nicht von Belang, war ohne Belang
was da gesagt wurde, geschehen ist, veröffentlicht wurde, war nichts von Belang
Er war wohl kein Schriftsteller von Belang [ Feuchtw.Teufel58]
3.
papierdeutsch Hinsicht
Beispiel:
jmd. hat in einem bestimmten Belang enttäuscht
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

belangen · anbelangen · Belang · belanglos · Belanglosigkeit
belangen Vb. ‘verklagen, zur Verantwortung ziehen’, bei (heute veraltetem) unpersönlichem Gebrauch ‘angehen, betreffen’. Ahd. bilangēn (11. Jh.), mhd. belangen, blangen, Präfixbildung zu gleichbed. ahd. langēn, mhd. langen (zu lang, s. d.), heißt (unpersönlich, meist mit Genitiv) ‘es verlangt, gelüstet jmdn. wonach’. Diese Verwendung geht (bis auf Reste in obd. Mundarten) im Frühnhd. unter. Im Mhd. und Mnd. entwickelt sich die Bedeutung ‘erreichen, sich erstrecken’ (vgl. ahd. gilangōn), an die sich ‘zur Verantwortung ziehen’ (als Rechtsausdruck mnd. und vom 15. Jh. an frühnhd., jetzt allgemein verbreitet) und ‘angehen, betreffen’ (15. Jh.; vgl. nl. belangen ‘betreffen’, engl. to belong ‘gehören, in Beziehung stehen’) anschließen. anbelangen Vb. ‘angehen, betreffen’, bereits im 15. Jh. neben gleichbed. belangen und anlangen stehend (vgl. entsprechendes nl. aanbelangen ‘betreffen’), verdrängt in dieser Bedeutung einfaches belangen zunehmend seit dem 18. Jh. Belang m. ‘Bedeutung, Wichtigkeit’. Mhd. belanc ‘Verlangen’, rückgebildet aus mhd. belangen ‘verlangen, gelüsten’, lebt nur noch im Frühnhd. bis zum 16. Jh. weiter. Gleichbed. mnl. belanc bildet daneben die Variante ‘Vorteil, Gewinn’ aus, zu der sich mnd. belanc ‘Bedeutung, Interesse’ stellt. In diesem Sinne erscheint nhd. Belang vor allem in Fügungen wie von (geringem, hohem, keinem) Belang, ohne Belang seit Mitte des 18. Jhs. im Hd., zunächst im Kanzleistil, dann auch, namentlich durch Lessings Einfluß, im allgemeinen Sprachgebrauch. Im 20. Jh. breitet sich die schon im 19. Jh. vorkommende Verwendung des Plur. Belange als ‘Interessen, Angelegenheiten’ rasch aus. belanglos Adj. ‘bedeutungslos, unwichtig’, Ende des 19. Jhs. zu Belang gebildet, sehr gebräuchlich im 20. Jh.; dazu Belanglosigkeit f. ‘Unwichtigkeit’, auch ‘unbedeutende Sache’ (um 1900).

Thesaurus

Synonymgruppe

Typische Verbindungen zu ›Belang‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Belang‹.

Verwendungsbeispiele für ›Belang‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Gewiß waren bei diesem Schaffen nicht alle gesundheitlichen Belange gesichert. [Buchinger, Otto: Das Heilfasten und seine Hilfsmethoden als biologischer Weg, Stuttgart: Hippokrates-Verl. 1982 [1935], S. 48]
Und er kümmerte sich um die öffentlichen Belange der Stadt. [Schuder, Rosemarie: Agrippa und Das Schiff der Zufriedenen, Berlin u. a.: Aufbau-Verl. 1987 [1977], S. 270]
Dem fünf Jahre Älteren fühlt er sich in fast allen Belangen unterlegen. [Safranski, Rüdiger: Friedrich Schiller, München Wien: Carl Hanser 2004, S. 259]
Doch sind nicht alle unverändert vorhandenen Elemente für unsere Analyse von Belang. [Dahrendorf, Ralf: Soziale Klassen und Klassenkonflikt in der industriellen Gesellschaft, Stuttgart: Enke 1957, S. 66]
Dass die Verfahren patentgeschützt sind, ist für die private Anwendung ohne Belang. [C't, 2000, Nr. 21]
Zitationshilfe
„Belang“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Belang>.

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