Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Berufene, die oder der

Grammatik Substantiv (Femininum, Maskulinum) · Genitiv Singular: Berufenen · Nominativ Plural: Berufene(n)
Mit Pluralendung ‑n wird das Wort in der schwachen Flexion (bestimmter Artikel) und der gemischten Flexion (Indefinitpronomen, Possessivpronomen) gebildet, z. B. die, keine Berufenen, in der starken Flexion ist die Endung unmarkiert, z. B. zwei, einzelne Berufene.
Aussprache [bəˈʀuːfənə]
Worttrennung Be-ru-fe-ne
Grundformberufen2
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
Person mit besonderer Eignung oder Neigung für eine Aufgabe
Kollokationen:
in Koordination: Berufene und Unberufene
Beispiele:
Wir haben uns damit abzufinden, daß der Begüterte mehr gilt als der Berufene und daß diese Menschenwelt höchst unvollkommen, beinahe mißraten ist! [Noll, Dieter: Die Abenteuer des Werner Holt. Berlin: Aufbau-Verl. 1963, S. 287]
Wer Thomas Staemmler, der zunächst den klassischen Steinmetz‑Beruf erlernte, bevor er sich zum Restaurator qualifizierte, auch nur ein wenig zuhört, versteht schnell, wie sehr gerade dieses Studium Berufene für ein Wirken und Werken aus Leidenschaft ausbildet. [Thüringer Allgemeine, 29.12.2021]
Das drolligste Klischee über Dylan ist, dass er nicht singen könne – was insofern merkwürdig ist, als sein Ton (»nölig«) von so vielen Berufenen und Unberufenen scherzhaft imitiert wurde, darunter von Joni Mitchell und John Lennon. [Bob Dylan: Der Freidenker, 23.05.2021, aufgerufen am 23.05.2021]
Freud ist trotz aller Einseitigkeit, trotz aller Fehlgriffe im Einzelnen ein Berufener; er hatte der Wissenschaft seiner Zeit etwas zu sagen. [Bühler, Karl: Die Krise der Psychologie. Jena: Fischer 1927, S. 200]
2.
Person, die von Gott oder dem Schicksal für eine Aufgabe vorgesehen ist
Beispiele:
Nach seiner Auferstehung werden die Berufenen durch Jesus in die Mysterien eingeweiht und können so der Herrschaft des Demiurgen (= Weltschöpfers) entrinnen. [Baus, Karl: Von der Urgemeinde zur frühchristlichen Großkirche. Freiburg i. Br. [u. a.]: Herder 1962, S. 691]
»Ich finde, man sollte das [sic! den] Zölibat freiwillig stellen. Es gibt bestimmt Berufene, für die es der richtige Weg ist. Aber ich glaube auch, dass es viele Priester gibt, die darunter leiden. Für sie wäre die Möglichkeit eines freiwilligen Zölibats sicher sinnvoll«[…]. [Debatte um Zölibat in Wipperfürth und Lindlar, 10.02.2022, aufgerufen am 11.02.2022]
Wie ein Lichtstrahl aus heiterem Himmel trifft den Berufenen das Wort Jesu zur Nachfolge, das ihn fesselt und ihm zugleich die Freiheit gibt, das Reich Gottes zu verkünden, das in Jesus schon angebrochen ist, dessen Vollverwirklichung aber noch aussteht. [Unser Sonntag, 05.02.2022, aufgerufen am 06.02.2022]
Als von Gott in seine Kirche Berufene sollten die Christen Freude am Glauben zeigen, anstatt zu schimpfen. [Mittelbayerische, 02.03.2016]
Berufen fühlen müsse sich aber jeder, und helfen so weit es ihm eben möglich ist. Und das heilige Land, in das der Berufene aufbrechen soll, sei immer ein anderes[…]. [Der Tagesspiegel, 15.11.2004]
3.
Person, die mit einem Amt, einer Aufgabe betraut wird
Beispiele:
Die in den Rat Berufenen – zu denen der Autor gehört – kennen den Wert eines funktionierenden Staates. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.09.2006]
Das Gremium besteht aus den Gewählten, den als Fachleute Berufenen und aus Hauptamtlichen. [Fränkischer Tag, 04.01.2019]
Dass der 1967 zum Grafikprofessor Berufene dann 1979 mit dem Grundlagenstudium Malerei/Grafik betraut und nun auch Professor für Malerei und Grafik wurde, hatte seinen guten Grund. [Leipziger Volkszeitung, 26.10.2007]
Er gibt seiner Partei keine Impulse, die von ihm Berufenen schaffen es nicht, die Organisationsmängel der CSU zu beheben. [Süddeutsche Zeitung, 24.11.1997]
Professorenneid und hannöversche Intrigen gegen den noch von König Jérôme auf den Lehrstuhl Berufenen erwirkten Villers’ Absetzung. [Hamburger Nachrichten, 21.02.1915]

letzte Änderung:

Zitationshilfe
„Berufene“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Berufene>.

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