Bescheidenheit, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Bescheidenheit · wird nur im Singular verwendet
Aussprache 
Worttrennung Be-schei-den-heit
Wortzerlegung bescheiden2-heit
eWDG

Bedeutung

das Bescheidensein
entsprechend der Bedeutung von bescheiden² (1)
Beispiele:
von diesem Lob hat er aus (lauter) Bescheidenheit nichts erzählt
in aller Bescheidenheit darf ich daran erinnern, dass ...
umgangssprachlichbei aller Bescheidenheit möchte ich dich doch bitten, dass ...
das sagst du nur aus falscher Bescheidenheit
sie ist die Bescheidenheit selbst (= sie ist überaus bescheiden)
Bescheidenheit ist hier fehl, nicht am Platz
salopp, sprichwörtlich Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr
[er] bittet ihn mit rührender Bescheidenheit um die Erlaubnis, seiner Gattin das Manuskript ... verehren zu dürfen [ St. ZweigBalzac281]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bescheiden · bescheiden · Bescheidenheit · Bescheid
bescheiden Vb. ‘eine Nachricht geben, eine Entscheidung mitteilen, etw. zuteilen, an einen bestimmten Ort bestellen’, (reflexiv) ‘sich begnügen, zufriedengeben’. Mhd. bescheiden ‘trennen, unterscheiden, erzählen, benachrichtigen, entscheiden, bestimmen, zu-, anweisen’, (reflexiv) ‘sich entscheiden, sich einrichten’, mnd. beschēden, bescheiden, ein geläufiges Wort der alten Rechtssprache (vgl. noch amtssprachliches abschlägig bescheiden), ist gebildet mit dem Präfix ↗be- (s. d.) zu dem unter ↗scheiden ‘trennen’ (s. d.) behandelten Verb. Die alte Form des Part. Prät. bleibt erhalten in bescheiden Part.adj. ‘genügsam, anspruchslos, nicht eingebildet, einfach, gering, mäßig’, mhd. bescheiden (den verschiedenen Bedeutungen des Verbs folgend) ‘bestimmt, festgesetzt, deutlich, einsichtsvoll, verständig, mäßig, rücksichtsvoll’; vgl. mhd. der bescheiden (‘festgesetzte’) tac, bescheidene (‘entschiedene’) worte, frühnhd. mein bescheiden (‘zugewiesener’) teil. Danach entwickelt sich bescheiden einerseits zu ‘unscheinbar, gering’ (16. Jh.), z. B. ein bescheiden Kleid, ein bescheidener (‘geringer’) Anteil, andrerseits (im Anschluß an ‘sich begnügen’) zu ‘genügsam, schlicht, mäßig’, oft mit dem Nebensinn ‘rücksichtsvoll, höflich’. Dazu Bescheidenheit f. ‘Genügsamkeit, Anspruchslosigkeit’, mhd. bescheidenheit ‘Verständigkeit, Vernunft, Mündigkeit, richterliche Entscheidung’, dann ‘das für die Bedürfnisse Ausreichende’ (15. Jh.). Bescheid m. ‘(amtliche) Mitteilung, Auskunft’, häufig Bescheid geben, sagen ‘etw. mitteilen, Auskunft geben’, Bescheid wissen ‘sich auskennen, unterrichtet sein’, mhd. bescheit m. n. ‘Bestimmung, Verabredung, Bedingung’; vgl. auch mhd. bescheide f. ‘Auseinandersetzung, Bedingung’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Anspruchslosigkeit · ↗Bedürfnislosigkeit · Bescheidenheit · ↗Genügsamkeit
Assoziationen
Architektur
Synonymgruppe
Bescheidenheit · ↗Einfachheit · ↗Funktionalität · ↗Nüchternheit · ↗Schlichtheit · ↗Schmucklosigkeit · ↗Schnörkellosigkeit · ↗Simplizität  ●  ↗Sparsamkeit  fig. · ↗Kargheit  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Bescheidenheit · ↗Unaufdringlichkeit · ↗Unauffälligkeit · ↗Zurückhaltung · zurückhaltendes Wesen
Assoziationen
Antonyme

Typische Verbindungen zu ›Bescheidenheit‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Bescheidenheit‹.

Verwendungsbeispiele für ›Bescheidenheit‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Allein seine Bescheidenheit versagte es ihm, das Dilemma in epischer Breite zu schildern.
Süddeutsche Zeitung, 06.12.2002
In aller Bescheidenheit, ohne uns wäre das alles nicht möglich gewesen.
Der Spiegel, 11.10.1993
Ich hätte es aus Bescheidenheit niemals offen zugegeben, aber lange Zeit hielt ich mich für unverwechselbar.
Die Zeit, 19.11.2001, Nr. 47
In einem unsinnigen Reflex anerzogener Bescheidenheit gab ich mich mit dem Vorhandenen völlig zufrieden.
Krausser, Helmut: Eros, Köln: DuMont 2006, S. 11
Zur echten Bescheidenheit, das wird oft vergessen, gehört aber auch eine Portion gesunden Selbstbewußtseins.
Oheim, Gertrud: Einmaleins des guten Tons, Gütersloh: Bertelsmann 1957 [1955], S. 140
Zitationshilfe
„Bescheidenheit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Bescheidenheit>, abgerufen am 18.01.2021.

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