Besinnung, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Besinnung · wird nur im Singular verwendet
Aussprache 
Worttrennung Be-sin-nung
Wortzerlegung besinnen -ung
Wortbildung  mit ›Besinnung‹ als Erstglied: Besinnungsaufsatz · besinnungslos  ·  mit ›Besinnung‹ als Letztglied: Neubesinnung · Selbstbesinnung
eWDG

Bedeutungen

1.
Bewusstsein
Beispiele:
er lag ohne Besinnung am Boden
der Kranke war bei, ohne Besinnung, verlor die Besinnung
der Ohnmächtige kam wieder zur Besinnung, kehrte zur Besinnung zurück
man bemühte sich, den Bewusstlosen wieder zur Besinnung zu bringen
2.
ruhige Überlegung, ruhiges Nachdenken
Beispiele:
sie verlor für einen Augenblick die Besinnung, sodass sie nicht mehr wusste, was sie tat
wann wird er endlich zur Besinnung (= Vernunft, Einsicht) kommen?
diese Bemerkung brachte ihn zur Besinnung
die viele Arbeit ließ die Mutter nicht zur Besinnung kommen (= ließ die Mutter nicht zu sich kommen)
dieses Buch regt zur Besinnung an
Wenigstens hat er Besinnung genug gewahrt, sich Frist zu lassen [ Feuchtw.Tag342]
Ohne Besinnung sprang er nach der Tür [ HeyseI 3,89]
3.
entsprechend der Bedeutung von besinnen (2)
Beispiel:
die Besinnung (= das Sichbesinnen) auf das Wesentliche
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

sinnen · besinnen · besinnlich · Besinnung · entsinnen · ersinnen · sinnieren · Ansinnen
sinnen Vb. ‘nachdenken, grübeln, seine Gedanken planend auf etw. richten’, ahd. sinnan ‘gehen, reisen, wandern, streben, verlangen’ (9. Jh.), mhd. sinnen ‘gehen, reisen, wahrnehmen, merken, verstehen, seine Gedanken oder Begierden auf etw. richten’, mnd. sinnen ‘erstreben, denken, nachsinnen’, nl. (aus dem Dt.) zinnen, aengl. sinnan, auch ‘achthaben, sorgen’. Für das stark flektierende Verb und das zugehörige, unter Sinn (s. d.) behandelte Verbalsubstantiv ist von einem Nasalpräsens germ. *senþnan, *sendnan auszugehen, das sich mit ahd. sind ‘Weg, Richtung, Seite’ (8. Jh.), mhd. sint, auch ‘Reise, Fahrt’, asächs. sīð, aengl. sīþ ‘Weg, Gang, Reise’, anord. sinn ‘Mal, Gang’, got. sinþs ‘Gang’ (s. Gesinde sowie verwandtes senden) und dem dazu gebildeten schwach flektierenden Verb ahd. sindōn ‘sich auf den Weg begeben, reisen’ (um 800), mhd. sinden, asächs. sīðon, aengl. sīþian, anord. sinna sowie mit air. sēt ‘Weg’, awest. hant- ‘gelangen (lassen)’, kymr. hynt ‘Weg, Straße’, lit. siũͅsti ‘senden, schicken’, auch mit lat. sentīre ‘fühlen, empfinden, wahrnehmen, Einsicht haben, meinen, denken’, sēnsus ‘Empfindung, Gesinnung, Ansicht, Sinn’, lit. sintė́ti ‘sich entschließen, denken’ auf eine Wurzel ie. *sent- ‘eine Richtung nehmen, gehen’, übertragen ‘empfinden, wahrnehmen’ zurückführen läßt. Als Ausgangsbedeutung für die heute allein geltende übertragene Verwendung ist ‘seine Gedanken in eine Richtung gehen lassen, sie auf etw. richten’ anzusetzen. besinnen Vb. ‘überlegen, nachdenken, sich erinnern’, in neuerer Zeit nur reflexiv, mhd. besinnen ‘worüber nachdenken, etw. ausdenken’, reflexiv ‘sich bewußt werden, überlegen’. besinnlich Adj. ‘nachdenklich, beschaulich’, mhd. besintlīche Adv. ‘mit Überlegung’ (mit unorganischem -t-), frühnhd. besynnlich (16. Jh.). Besinnung f. ‘Überlegung, Erinnerung, Bewußtsein’ (17. Jh.), ohne Besinnung ‘ohne Bewußtsein’ (18. Jh.). entsinnen Vb. reflexiv ‘sich erinnern’, älter auch transitiv ‘der Sinne berauben’, mhd. entsinnen ‘von Sinnen kommen’, reflexiv ‘zu Verstand kommen, bei Verstand sein, etw. in seinen Verstand aufnehmen, erkennen, erinnern’. ersinnen Vb. ‘erdenken, ausdenken’, mhd. ersinnen ‘erforschen, erdenken, erwägen’. sinnieren Vb. ‘grübeln, nachdenken’ (19. Jh.), moderne Weiterbildung in Analogie zu anderen Verben auf -ieren. Ansinnen n. ‘Forderung, (nicht zumutbarer) Vorschlag’ (15. Jh.).

Thesaurus

Religion
Synonymgruppe
Andacht · Besinnlichkeit · Besinnung · Geistliche Übung · Meditation
Synonymgruppe
Besinnung · Bewusstsein · Wachzustand
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›Besinnung‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Besinnung‹.

Verwendungsbeispiele für ›Besinnung‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Besinnung ist für unsere Nation lebenswichtig, sie wäre heilsam, hilfreich, befreiend. [Weizsäcker, Carl Friedrich von: Bewußtseinswandel, München: Hanser 1988, S. 268]
Das ist eine zunächst negative Erkenntnis, gewonnen durch historisch vergleichende Besinnung auf die Lage der eigenen Zeit. [Beenken, Hermann: Das Neunzehnte Jahrhundert in der deutschen Kunst, München: Bruckmann 1944, S. 65]
Das würde ihn sofort zur Besinnung gebracht, und er würde sich selber sofort dementiert haben. [Richter, Alfred: Aus Leipzigs musikalischer Glanzzeit, Erinnerungen eines Musikers. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1913], S. 43871]
Ich hatte zuerst die Besinnung verloren, und als ich wieder zu mir kam, sah ich nichts mehr vom Regiment. [Liliencron, Adda Freifrau von: Krieg und Frieden, Erinnerungen aus dem Leben einer Offiziersfrau. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1912], S. 45222]
Aber einen Moment der Besinnung hätte man sich schon gewünscht. [Die Zeit, 28.06.1996, Nr. 27]
Zitationshilfe
„Besinnung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Besinnung>.

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