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Besitz, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Besitzes · Nominativ Plural: Besitze
Aussprache  [bəˈzɪʦ]
Worttrennung Be-sitz
eWDG

Bedeutungen

1.
das, was jmd. besitzt, im täglichen Leben gewöhnlich gleichbedeutend mit Eigentum
Jura tatsächliche Herrschaft über eine Sache
a)
Grammatik: nur im Singular
Beispiele:
er strebte danach, seinen Besitz zu vergrößern
um seinen Besitz bangen
nach Besitz streben
sich von seinem Besitz trennen
das ist sein persönlicher Besitz
sein Besitz an Büchern
diese Gemälde stammen aus dem Besitz von G
jmds. Besitz einziehen
diese Werke müssen zum geistigen Besitz unseres Volkes werden
Gesundheit ist ein unschätzbarer Besitz
b)
Landbesitz, Grundbesitz
Grammatik: meist im Singular
Beispiele:
Vetter Quitzin arrondiert Besitz hierherum [ H. MannUntertan4,342]
Herr von Clairmont hatte allerlei liegenden Besitz [ AndresHochzeit18]
Die Büdner und Häusler hingegen, die auf ihrem schmalen Besitz nicht leben und nicht sterben konnten [ WelkBulle14]
In Neustädtel … lagen neben und zwischen 25 Besitzen 120 Häuschen, meist von Bergleuten [ Urania1959]
2.
a)
sich etw. (gewaltsam) zu eigen machen
etw. in Besitz nehmen
Beispiel:
bis ich das Original endlich in Besitz nehmen darf [ HeyseIII 3,622]
von etw. Besitz nehmen, ergreifen
Beispiele:
der Feind nahm, ergriff Besitz von diesem Gebiet, dieser Stadt
Hier stieg er ab, nahm Besitz von dem hellen Zimmer [ Th. MannKröger9,256]
übertragen etw. nimmt, ergreift Besitz von jmdm., etw.etw. bemächtigt sich jmds., einer Sache
Beispiele:
all die Sorgen der letzten Tage nahmen wieder Besitz von ihm
diese Ideen, Gedanken ergriffen ganz Besitz von ihm
die Dämmerung ergriff, nahm Besitz von der Stadt
Ernüchterung und Gram ergriffen von ihren Zügen Besitz [ Th. MannKönigl. Hoheit7,227]
sich in den Besitz von etw. setzen
Beispiele:
er wollte sich in den Besitz ihres Vermögens setzen
die Aufständischen setzten sich durch einen Handstreich in den Besitz der öffentlichen Gebäude
etw. in seinen Besitz bringen
Beispiel:
er brachte das Gemälde in seinen Besitz
b)
etw. zu eigen erhalten, bekommen
in den Besitz von etw. gelangen, kommen
Beispiele:
er war durch den Tod des Vaters in den Besitz eines großen Vermögens gelangt
ich weiß nicht, wie dieses Buch in meinen Besitz gekommen ist
etw. geht in jmds. Besitz über
Beispiel:
diese Bibliothek ist in seinen Besitz übergegangen
c)
etw. besitzen
im Besitz von etw. sein, etw. in Besitz haben
Beispiele:
er ist im Besitz eines großen Vermögens, einer großen Bibliothek, großer Ländereien
im Besitz eines Geheimnisses, aller Rechte sein
dieses Land ist im Besitz der Übermacht
sie haben die wichtigsten Posten in Besitz
im vollen Besitz seiner Kräfte, Sinne
etw. befindet sich, ist in jmds. Besitz
jmd. besitzt etw.
Beispiele:
dieses Buch befindet sich, ist in ihrem Besitz
das Diebesgut befand sich in seinem Besitz
3.
das Besitzen
Grammatik: nur im Singular
Beispiele:
der Besitz von Waffen ist verboten
der Besitz besonderer Rechte legt auch Verpflichtungen auf
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

besitzen · besessen · Besitz · Besitzung · Besitztum
besitzen Vb. ‘etw. (in Besitz) haben, darüber verfügen können’, ahd. bisizzen (9. Jh.), mhd. besitzen, sowohl transitiv ‘sich in etw. setzen, belagern, in Besitz nehmen’ als auch intransitiv ‘sitzen, sitzen bleiben, standhalten, besitzen’. Nur die transitive Bedeutung, besonders in got. bisitan ‘umwohnen’, aengl. besittan, asächs. bisittian, mhd. besitzen ‘belagern’, zeigt den ursprünglichen Sinn ‘um etw. herum, dabeisitzen, sich auf etw. setzen’, woraus sich ‘in Besitz nehmen, haben’ entwickelt. Zur Herkunft s. sitzen. Aus dem Part. Prät. besessen, mhd. beseʒʒen entsteht schon in mhd. Zeit ein selbständiges Adjektiv. Neben die Bedeutung ‘belagert, angesessen’ tritt, aus den religiösen Vorstellungen des Mittelalters heraus, die spezielle ‘vom Teufel bewohnt’, daraus heute ‘von etw. völlig in Anspruch genommen, fanatisch’. – Besitz m. ‘materielles Gut, das jmdm. gehört, worüber er verfügen kann’ (16. Jh.), frühnhd. ‘Belagerung’ (15. Jh.); vgl. mhd. besitz ‘(Sitz)platz’. Besitzung f. ‘Land- und Grundbesitz’, mhd. besitzunge ‘Besitznahme, Besitz, Belagerung’. Besitztum n. ‘Gesamtheit des Besitzes’ (14. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Besitz · Besitzstand · Eigentum · Geld und Gut · Hab und Gut · Habe · Habseligkeiten · Vermögen  ●  Besitzung(en)  geh. · Siebensachen  ugs.
Synonymgruppe
Barschaft · Besitz · Geld · Vermögen

Typische Verbindungen zu ›Besitz‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Besitz‹.

Verwendungsbeispiele für ›Besitz‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Im Südwesten des Reiches bezeichnet sie einen großen Teil des bäuerlichen Besitzes als nicht mehr lebensfähig. [Hahn, Christian Diederich: Bauernweisheit unterm Mikroskop, Oldenburg i.O.: Stalling 1943 [1939], S. 342]
Das Besitz recht hatte überdies kaum noch etwas zu bedeuten. [Harmjanz, Heinrich: Ostpreußische Bauern, Königsberg: Reichsnährstand Verl. Ges. 1939 [1938], S. 74]
So ist das lesende Bewußtsein im potentiellen Besitz seiner Geschichte. [Gadamer, Hans-Georg: Wahrheit und Methode, Tübingen: Mohr 1960, S. 359]
Es wäre richtiger, ihre Ursache zu beseitigen, den ungleichen Besitz. [Hirschberger, Johannes: Geschichte der Philosophie, Bd. 2: Neuzeit und Gegenwart. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1952], S. 1206]
Wer ihre Tore durchschritt, hatte Teil am Besitz des Weltreichs. [Die Zeit, 29.12.1999, Nr. 1]
Zitationshilfe
„Besitz“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Besitz>.

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