Besonderung, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Besonderung · Nominativ Plural: Besonderungen
Worttrennung Be-son-de-rung
Wortzerlegung besondern-ung
DWDS-Vollartikel, 2015

Bedeutungen

1.
Philosophie, Soziologie Ausbildung menschlicher Individualität (in besonderem Maß), Unterscheidung oder Abgrenzung von der Allgemeinheit
Beispiele:
Die beiden Autoren […] wenden sich […] gegen einen Begriff von Individualisierung, der jede Besonderung automatisch als einen Akt der Selbstbestimmung feiert. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.07.2000]
[…] Eine so gefasste Zivilreligion soll mithin bezeichnen, was eine Gesellschaft […] zusammenhält. Anders gesagt sorgt Zivilreligion für Kontinuität, wo Diskontinuität droht, offeriert Allgemeinheit, wo Besonderung zur Gefahr wird. [Berliner Zeitung, 11.03.2002]
Stellen wir uns vor, daß Individuen als Mitglieder einer idealen Kommunikationsgemeinschaft sozialisiert würden; im selben Maße würden sie eine Identität erwerben, die zwei komplementäre Aspekte hat: den der Verallgemeinerung und den der Besonderung. […] [Habermas, Jürgen, Theorie des kommunikativen Handelns – Band 2. Zur Kritik der funktionalistischen Vernunft, Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1981, S. 148]
»[…] Der Hang zur cliquenhaften Besonderung, das Fehlen des Gemeinmenschlichen sind spürbar«, und dies, obschon oder gerade weil die Barrieren von Klassen, Ständen, Nationalitäten weitgehend abgebaut worden sind. [Die Zeit, 14.06.1974]
Beruht bei antiker Plastik jenes Allgemeinmenschliche[…] darin, daß der menschliche Ausdruck, die menschliche Gebärde eine Besonderung ins Individuelle und Charakteristische noch gar nicht erfahren hat, so ist hier [bei einer jüngeren Plastik] […] umgekehrt das Persönliche bewußt zurückgedrängt und zugleich damit auch das zeitlich Bedingte. [Beenken, Hermann, Das Neunzehnte Jahrhundert in der deutschen Kunst, München: Bruckmann 1944, S. 446]
2.
Philosophie, Soziologie Unterscheidung; Aufgliederung
Beispiele:
Schleiermacher […] sucht die Einheit der Hermeneutik nicht mehr in der inhaltlichen Einheit der Überlieferung, […] sondern abgelöst von aller inhaltlichen Besonderung in der Einheit eines Verfahrens[…]. [Gadamer, Hans-Georg, Wahrheit und Methode, Tübingen: Mohr 1960, S. 167]
Aber der Gedanke der Einheitsschule setzte noch tiefer an; die ständisch-sozialen und die konfessionellen Besonderungen der Schule sollten beseitigt werden. [Blättner, Fritz, Geschichte der Pädagogik, Heidelberg: Quelle & Meyer 1961, S. 260. Zitiert nach: Blättner, Fritz, Geschichte der Pädagogik, Heidelberg: Quelle & Meyer 1951]
Dasselbe Gesetz gilt […] sehr ausgeprägt in den höheren wertanzeigenden Akten, wie Liebe und Haß, Sympathie und Aversion, Achtung und Verachtung[…]. Man sieht, daß diese Reihe sich bis in eine unübersehbar mannigfaltige Besonderung fortsetzen läßt[…]. [Hartmann, Nicolai, Der Aufbau der realen Welt, Berlin: de Gruyter 1940, S. 299]
Zitationshilfe
„Besonderung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Besonderung>, abgerufen am 28.05.2020.

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