Betriebsnudel, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Betriebsnudel · Nominativ Plural: Betriebsnudeln
WorttrennungBe-triebs-nu-del
WortzerlegungBetriebNudel
DWDS-Vollartikel, 2015

Bedeutungen

1.
umgangssprachlich, (meist) spöttisch, (meist) abwertend (im Übermaß) nach außen gerichteter, kontaktfreudiger, geselliger, unterhaltsamer oder Unterhaltung suchender Mensch
Beispiele:
Die berufsjugendliche Anastasia gab im Gespräch [bei einer Fernsehsendung] wie üblich die schrille Betriebsnudel. Ob sie mal die Muckis von Herrn Cent anfassen dürfe fragte sie, piekste seinen Oberarm und schaute mit weit aufgerissenen Mädchen-Augen anerkennend in die Runde. [Die Welt, 16.03.2005]
[…] Die Art ihres Auftretens lässt vermuten, dass sie im Betrieb oder der Verwaltung für Stimmung sorgt, dort die Rolle der sogenannten »Betriebsnudel« innehat. [Mikos, Lothar: Performativität im Fernsehen am Beispiel der Daily Talks. In: Willems, Herbert (Hrsg.): Theatralisierung der Gesellschaft. Band 2. Medientheatralität und Medientheatralisierung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2009, S. 239]
Lustig, lustig, trallala! Schon treibt die Betriebsnudel den Muffel aus den Morgengesichtern. Schon schüttelt sie die Katerköpfe, immer einen Scherz auf den Lippen[…]. [Süddeutsche Zeitung, 11.02.1995]
Nicht nur den […] Familien ist die Hauptsaison unentbehrlich, sondern auch vielen andern Urlaubern, vor allem der ganzen großen Gattung der »Betriebsnudeln« und den nach außen lebenden, selbstdarstellerisch-extrovertiert geprägten Menschen. Denn sie brauchen das bunte Gewimmel am Strand und auf der Promenade, die Tanzabende, Tennisturniere, Strandburgwettbewerbe, Kinderfeste und Feuerwerke, um sich richtig zu erholen. [Die Zeit, 23.08.1956, Nr. 34]
Sie meldete nichts von den Nöten des […] recht ruhebedürftigen Gerichtsassessors Rubel, der des abends so schlecht einschlafen und daher furchtbar zornig werden konnte, wenn die stets fidele Betriebsnudel Wallgeier noch nach dem Zapfenstreich zum Gaudium aller anderen dreckige Witze erzählte. [Sroka, Otto: Denkwürdigkeiten eines Reservegefreiten. Berlin: Scherl 1939. S. 58]
2.
umgangssprachlich, (meist) spöttisch, (meist) abwertend (im Übermaß) beruflich o. ä. umtriebiger, geschäftiger Mensch
Beispiele:
[…] Um Schüler kümmern sich auf ihre geschäftsmäßige Weise eher die Manager unter den Wissenschaftlern, eher die Betriebsnudeln, als die Kreativen. [Süddeutsche Zeitung, 10.01.2004]
Der Vischer-Darsteller Peter Jordan spielt hier [im Theaterstück] die Rolle seines Lebens. […] Noch am Ende ist er eine Betriebsnudel. Selbst in seiner Todesstunde wärmt ihn der Karrierewahn. […] [Die Zeit, 13.11.2007]
[…] Manche nennen den 53jährigen Professor mit den flinken Augen eine liebenswerte Betriebsnudel. Das stört ihn vermutlich nicht, bezeichnet er sich doch selbst als »dauernd übermotiviert – dauernd unter dem Druck, etwas zu bewegen, zu verändern«. [Die Zeit, 04.05.1984, Nr. 19]
Dennoch gab es respektvollen Beifall für die Betriebsnudel im sonst so schlappen Kabinett. […] Was der Außenminister in diesen Tagen und Wochen aufführt, ist mehr als der gewohnte Genscherismus vergangener Zeiten, der sich in inhalts- und wirkungsarmer Geschäftigkeit erschöpfte. [Der Spiegel, 23.03.1981, Nr. 13]
In der Aufzählung dessen, was Schwitters alles anstellte, erscheint er zunächst als Betriebsnudel, als Manager seiner selbst: Er malte, collagierte, machte Plastiken, dreimal errichtete er seine Environments[…]; er dichtete und komponierte; er gab eine Zeitschrift heraus und verlegte Bücher[…]. [Der Spiegel, 22.07.1968, Nr. 30]
Zitationshilfe
„Betriebsnudel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Betriebsnudel>, abgerufen am 18.10.2019.

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