Beugung, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Beugung · Nominativ Plural: Beugungen
Aussprache  [ˈbɔɪ̯gʊŋ]
Worttrennung Beu-gung
Wortbildung  mit ›Beugung‹ als Erstglied: Beugungsendung · Beugungssilbe · beugungsfähig
 ·  mit ›Beugung‹ als Letztglied: Gesetzesbeugung · Rechtsbeugung · Wortbeugung

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. das Beugen
  2. 2. [Jura] willkürliche Verdrehung
  3. 3. [Physik] Ablenkung
  4. 4. [Sprachwissenschaft] Abwandlung
eWDG

Bedeutungen

1.
das Beugen
entsprechend der Bedeutung von beugen (1)
Beispiele:
die Beugung des Knies, Rumpfes
[sie] warf es [ein Elfenbeinstäbchen] empor und fing es mit reizender Beugung des Arms wieder auf [ Immerm.Epigonen7,60]
2.
Jura willkürliche Verdrehung
Beispiel:
die Beugung des Rechts
3.
Physik Ablenkung
Beispiel:
die Wellenlänge von einfarbigem Licht mit Hilfe der Beugung feststellen
4.
Sprachwissenschaft Abwandlung
Beispiel:
die starke und schwache Beugung der Verben
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

beugen · Beugung · Beuge · verbeugen · Verbeugung · vorbeugen
beugen Vb. ‘nach unten biegen, krumm machen, neigen’, ahd. bougen ‘beugen, biegen, krümmen, neigen’ (10./11. Jh.), mhd. böugen, asächs. bōgian, aengl. bīegan, anord. beygja, schwed. böja. Das Kausativum germ. *baugjan (eigentlich ‘biegen machen’) ist gebildet zu dem unter biegen (s. d.) behandelten starken Verb, das in den germ. Sprachen weitgehend intransitive Bedeutung hat. Da im Hd. biegen aber überwiegend transitiv gebraucht wird, haben sich beugen und biegen einander so weit genähert, daß sie semantisch nicht immer klar zu scheiden sind. beugen ist vor allem ‘niederbeugen’, übertragener Gebrauch ist häufiger als bei biegen: seinen Stolz beugen (‘brechen’); sich beugen ‘nachgeben, sich fügen’; fachsprachlich das Recht beugen ‘willkürlich verdrehen’; Lichtstrahlen, Ultrakurzwellen beugen (‘brechen, ablenken’). Bei den Grammatikern steht beugen seit etwa 1400 (in dt. Donat-Ausgaben) für ‘deklinieren’ (lat. dēclīnāre), seit etwa 1700 für ‘flektieren’, vgl. noch heute Substantive beugen, schwach, stark gebeugte Verben. Beugung f. entsprechend den Bedeutungen von beugen seit Anfang des 15. Jhs. belegt; als Fachwort der Grammatik vereinzelt (um 1400, Donat) für lat. dēclīnātio, doch im Sinne von ‘Konjugation’; danach erst wieder im 17. Jh. für ‘Flexion’. Beuge f. ‘gebeugte Stellung, innere Seite des gebeugten Armes, Beines’, mhd. biuge ‘Krümmung, Biegung’. In allgemeiner Verwendung meist durch Beugung ersetzt, geläufig dagegen in Rumpf- und Kniebeuge. verbeugen Vb. in frühnhd. Zeit gleichbed. mit verbiegen ‘durch Herunterdrücken krümmen’; heute reflexiv (beim Grüßen oder als Zeichen der Ehrerbietung) ‘Kopf und Oberkörper nach vorn neigen’ (seit 18. Jh.); dazu Verbeugung f. (18. Jh.). vorbeugen Vb. ‘durch rechtzeitige Vorsorge etw. zu verhüten suchen’ (16. Jh.), ‘nach vorn, vorwärts beugen’ (18. Jh.).

Thesaurus

Physik
Synonymgruppe
Beugung · Brechung · Diffraktion
Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
Beugung  ●  Biegung  ugs., österr. · Flexion  fachspr., wissenschaftlich
Assoziationen
  • Flexionsform · Flexiv · flektiertes Wort · syntaktisches Wort  ●  Wort mit Flexionsmerkmalen  fachspr. · Wortform  fachspr., Hauptform
Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
Beugung (Nomen/Adjektive) · Deklination · Flexion (Nomen/Adjektive)
Oberbegriffe
  • Beugung  ●  Biegung  ugs., österr. · Flexion  fachspr., wissenschaftlich

Typische Verbindungen zu ›Beugung‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Beugung‹.

Verwendungsbeispiele für ›Beugung‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Recht für jeden – ja, aber Recht bedeutet auch Beugung unter das herrschende Recht. [Die Welt, 28.06.2004]
Die Stärken des Films treten durch solche Beugungen allerdings noch stärker hervor. [Die Welt, 05.03.2003]
Eigentlich möchte man annehmen, dass da exotische Begriffe oder gewagte Beugungen abgefragt werden. [Die Zeit, 21.12.2009, Nr. 51]
Fehler bei der Beugung der starken Verben treten hauptsächlich beim Imperfekt auf. [Brumme, Gertrud-Marie: Muttersprache im Kindergarten, Berlin: Volk u. Wissen 1981 [1966], S. 179]
Diese ist ebenso schmächtig in ihrem Gedankengehalt wie schlagend in der Beugung der antiken Intention. [Benjamin, Walter: Ursprung des deutschen Trauerspiels. In: Tiedemann, Rolf u. Schweppenhäuser, Hermann (Hgg.) Gesammelte Schriften, Bd. 1,1, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1980 [1928], S. 233]
Zitationshilfe
„Beugung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Beugung>.

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