Dieser Artikel ist nicht auf dem aktuellen Stand. Er wird im Rahmen des DWDS-Projekts von der Redaktion überarbeitet.

Bewusstsein, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Bewusstseins · wird nur im Singular verwendet
WorttrennungBe-wusst-sein
Ungültige SchreibungBewußtsein
Rechtschreibregeln§ 2, § 25 (E1)
Wortbildung mit ›Bewusstsein‹ als Erstglied: ↗Bewusstseinsakt · ↗Bewusstseinsbildung · ↗Bewusstseinsebene · ↗Bewusstseinsentwicklung · ↗Bewusstseinslage · ↗Bewusstseinsphilosophie · ↗Bewusstseinsprozess · ↗Bewusstseinsschwelle · ↗Bewusstseinsspaltung · ↗Bewusstseinsstand · ↗Bewusstseinsstörung · ↗Bewusstseinstatsache · ↗Bewusstseinstrübung · ↗Bewusstseinsumfang · ↗Bewusstseinsveränderung · ↗Bewusstseinsvorgang · ↗Bewusstseinswandlung · ↗Bewusstseinszustand · ↗Bewusstseinsänderung · ↗bewusstseinsbildend · ↗bewusstseinsmäßig
 ·  mit ›Bewusstsein‹ als Letztglied: ↗Alltagsbewusstsein · ↗Arbeiterbewusstsein · ↗Arbeitsbewusstsein · ↗Eigenbewusstsein · ↗Formbewusstsein · ↗Freiheitsbewusstsein · ↗Gegenstandsbewusstsein · ↗Gemeinschaftsbewusstsein · ↗Geschichtsbewusstsein · ↗Gottesbewusstsein · ↗Ich-Bewusstsein · ↗Ichbewusstsein · ↗Identitätsbewusstsein · ↗Klassenbewusstsein · ↗Kollektivbewusstsein · ↗Kostenbewusstsein · ↗Krisenbewusstsein · ↗Kulturbewusstsein · ↗Körperbewusstsein · ↗Machtbewusstsein · ↗Moralbewusstsein · ↗Nationalbewusstsein · ↗Pflichtbewusstsein · ↗Rechtsbewusstsein · ↗Risikobewusstsein · ↗Schuldbewusstsein · ↗Selbstbewusstsein · ↗Sprachbewusstsein · ↗Staatsbewusstsein · ↗Standesbewusstsein · ↗Umweltbewusstsein · ↗Unrechtsbewusstsein · ↗Unterbewusstsein · ↗Verantwortungsbewusstsein · ↗Wertbewusstsein
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
a)
das Wissen, die Gewissheit um etw.
Beispiele:
in dem erhebenden Bewusstsein, seine Pflicht getan zu haben
mit dem stolzen Bewusstsein seiner Kraft, Überlegenheit
er war von dem freudigen Bewusstsein erfüllt, durchdrungen, damit einer guten Sache zu dienen
das Bewusstsein seiner Schuld, seines Versagens bedrückte ihn sehr
das Bewußtsein ihrer Schönheit macht es ihr unmöglich zu dienen [HebbelII 3,4]
etw. kommt jmdm. zu(m) Bewusstseinetw. wird jmdm. bewusst, jmd. weiß um etw.
Beispiele:
plötzlich kam es ihr zu Bewusstsein, dass ...
erst später kam es ihm voll zum Bewusstsein, was der Freund mit jener Andeutung gemeint hatte
eine Empfindung, ein Gefühl dringt jmdm. ins Bewusstsein, tritt in jmds. Bewusstsein
diese Erkenntnis hatte sich in seinem Bewusstsein festgesetzt (= blieb ihm stets bewusst)
sie versuchte, sich das Geschehene, Erlebte wieder ins Bewusstsein zurückzurufen (= es sich wieder bewusst zu machen)
Der dumpfe Schmerz im Hinterkopf schob sich langsam in sein Bewußtsein [AndresPortiuncula198]
selten mit Bewusstseinwissentlich
Synonym zu bewusst (Lesart 1)
Beispiele:
etw. nicht mit Bewusstsein erlebt haben
das Gehörte hatte er nicht mit Bewusstsein aufgenommen
etw. mit vollem Bewusstsein (= absichtlich) sagen, tun
es werde doch kein Maler ... mit Bewußtsein dieselben Verzeichnungen wieder [in das Bild] hineinmalen [Storm8,184]
b)
Psychologie Gesamtheit aller jener psychischen Vorgänge, durch die sich der Mensch der Außenwelt und seiner selbst bewusst wird
Beispiele:
die Enge, Weite des Bewusstseins
eine Vorstellung, Empfindung liegt unter der, tritt über die Schwelle des Bewusstseins
Medizin die Spaltung, Störung des Bewusstseins
c)
Philosophie
α)
Marxismus Ergebnis des Prozesses der ideellen Widerspiegelung der Wirklichkeit, die sich im menschlichen Gehirn vollzieht
β)
Philosophie das die Wirklichkeit als Erscheinung konstituierende immaterielle transzendentale Subjekt (nach Kant)
2.
DDR Gesamtheit der politischen, philosophischen, religiösen, künstlerischen oder ähnlichen Überzeugungen des Menschen, die von ihm bewusst vertreten werden
Beispiele:
das nationale, geschichtliche Bewusstsein eines Volkes
der Redner, Schriftsteller appellierte an das vaterländische, moralische, religiöse Bewusstsein seiner Landsleute
heute wird die Gewaltanwendung bei der Kindererziehung vom öffentlichen Bewußtsein scharf abgelehnt [Tageszeitung1954]
DDR, Marxismus
Beispiele:
sein Verhalten zeugt von einem hohen, geringen gesellschaftlichen Bewusstsein
die weitere Entwicklung des sozialistischen Bewusstseins der Werktätigen
das politische, ideologische Bewusstsein der Massen stärken, heben
Es ist nicht das Bewußtsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewußtsein bestimmt [MarxPolit. Ökonomie13]
3.
volle Herrschaft über seine Sinne, Besinnung
Gegenwort zu Ohnmacht
Beispiele:
jmdm. schwindet das Bewusstsein
jmd. verliert das Bewusstsein
der Verunglückte lag ohne Bewusstsein am Unfallort, kam erst im Krankenhaus wieder zu(m) Bewusstsein
der Schwerverletzte wurde durch künstliche Beatmung wieder zu(m) Bewusstsein gebracht, erlangte das Bewusstsein nicht wieder
erst nach Stunden kehrte ihr das Bewusstsein zurück
er musste bei vollem Bewusstsein operiert werden
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bewußt · Bewußtsein · selbstbewußt · Selbstbewußtsein · schuldbewußt · Schuldbewußtsein · unbewußt · das Unbewußte · bewußtlos
bewußt Adj. ‘mit klarem Verstand handelnd, erkennend, absichtlich, bekannt, in Rede stehend’. Frühnhd. bewust steht als md. Form neben frühnhd. bewist, bewüst, Part. Prät. eines inzwischen untergegangen Verbs frühnhd. bewissen ‘genau kennen, wissen’, reflexiv ‘sich auskennen, zurechtfinden’, das seinerseits wie mnd. bewēten ‘etw. ins Auge fassen, auf etw. bedacht sein, (um etw.) wissen’ (Part. Prät. bewēten ‘bei klarem Verstand, Bewußtsein’, bewust ‘bewußt, bekannt’) und aengl. bewitan ‘Sorge tragen, achten auf, Aufsicht führen’ eine Präfixbildung zu dem unter ↗wissen (s. d.) behandelten Simplex ist. Zuvor erscheint die hd. Präfixbildung nur als negiertes Part. Präs. in ahd. unbiwiʒʒanti (8. Jh.), Übersetzung von lat. ignorāns. Das Nebeneinander der Wurzelsilbenvokale i und u findet sich ebenso im Part. Prät. des Simplex, vgl. mhd. gewist, gewest (neben fast nur adjektivisch gebrauchtem gewiʒʒen), md. auch gewust. Die semantische Entwicklung des Part.adj. geht aus von den Bedeutungen ‘bekannt’ und ‘genau wissend’, wie sie in den seit frühnhd. Zeit bezeugten Verwendungen mir ist bewußt und (rückbezüglichem) ich bin mir bewußt (‘weiß genau’) vorliegen. Bewußtsein n. ‘spezifisch menschlich ideelle Widerspiegelung der objektiven Realität, klares Wissen, Gewißheit, Zustand, in dem der Mensch seiner Sinne mächtig ist’. Als philosophischer Terminus 1720 von Chr. Wolff geprägt, anfangs auch getrennt geschrieben (das bewust Sein). selbstbewußt Adj. ‘eine klare Vorstellung von sich selbst, von seiner Existenz besitzend’, meist in dem speziellen Sinn ‘vom eigenen Wert überzeugt, ihn deutlich betonend’; Selbstbewußtsein n. (beide um 1800). schuldbewußt Adj. ‘um seine Schuld wissend, reuig’ (18. Jh.); Schuldbewußtsein n. (19. Jh.). unbewußt Adj. ‘ohne etw. in ausgeprägter Weise im Bewußtsein zu reflektieren, instinktiv, nur vom Gefühl her’. Wie bei den nichtnegierten Formen findet sich auch hier ein Nebeneinander verschiedener Wurzelsilbenvokale, frühnhd. unbewist (15. bis 17. Jh.), unbewüst, md. unbewust, unbewost. Bereits im Frühnhd. erscheinen die Bedeutungen ‘unbekannt, nicht erinnerlich’ und ‘nicht wissend, ahnungslos, ohne Überlegung’. Substantiviert das Unbewußte n. in der Philosophie für das, was sich der Beachtung und Aufmerksamkeit entzieht (Jean Paul, 1804), in der analytischen Psychologie für abgewiesene und verdrängte Erlebnisse (Freud, 1900). bewußtlos Adj. ‘ohne Bewußtsein, ohnmächtig, zu keinem bewußten Verhalten, Erleben fähig’. Eine frühe Abstraktbildung zu bewußt (s. oben) ist das in der Literatursprache wieder untergegangene Substantiv Bewußt f. m. ‘Wissen, Bewußtsein, Kenntnis’ (15. Jh.), erhalten in der Ableitung bewußtlos (Ende 18. Jh.), zunächst meist in der Bedeutung ‘unwissentlich, unbewußt’, heute nur noch im oben angegebenen Sinn.

Thesaurus

Synonymgruppe
Bewusstsein · ↗Erkenntnis · ↗Erleuchtung · ↗Intellekt · ↗Klarsicht · ↗Vergegenwärtigung · ↗Verständnis
Assoziationen
Synonymgruppe
Bewusstsein · ↗Wahrnehmung
Synonymgruppe
Besinnung · Bewusstsein · ↗Wachzustand
Oberbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bevölkerung Sein Verantwortung allgemein ausgeprägt bestimmen dringen falsch geschärft gesellschaftlich heben historisch kollektiv kritisch menschlich politisch rücken schärfen stärken unglücklich verankern verdrängen verlieren voll wach wecken wiedererlangen Öffentlichkeit öffentlich ökologisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Bewusstsein‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Vor allem in kleinen Betrieben fehlt das Bewusstsein für das Problem.
Die Zeit, 11.04.2013 (online)
In diesen Formen kann das Bewußtsein sich selbst als fehlerhaft darstellen, aber eben doch als bewußt fehlerhaft.
Luhmann, Niklas: Soziale Systeme, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1984, S. 460
Nun ist Bewußtsein aufgrund seiner intentionalen Struktur stets Bewußtsein von etwas.
Habermas, Jürgen: Theorie des kommunikativen Handelns - Bd. 2. Zur Kritik der funktionalistischen Vernunft, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1981, S. 73
Dennoch nimmt die Hilfe für diese Länder bei uns im Bewußtsein der Öffentlichkeit noch nicht den ihr gebührenden Platz ein.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1973]
Ihre wirkliche Größe zeigt sich dem Auge unverzerrt erst aus dem Abstand des historischen Bewußtseins.
Plessner, Helmuth: Die verspätete Nation, Stuttgart: Kohlhammer 1962 [1935], S. 20
Zitationshilfe
„Bewusstsein“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Bewusstsein>, abgerufen am 24.05.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Bewusstmachung
bewußtmachen
Bewußtlosigkeit
bewusstlos
Bewußtheit
Bewußtseinsakt
Bewußtseinsänderung
bewusstseinsbildend
Bewusstseinsbildung
Bewusstseinsebene