Biedermann, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Biedermann(e)s · Nominativ Plural 1 (meist): Biedermänner · Nominativ Plural 2 (seltener): Biederleute
Neben der Pluralform auf ‑männer ist auch die Pluralumschreibung mit ‑leute möglich. Diese Pluralform kann insbesondere dann verwendet werden, wenn keine Aussage über das natürliche Geschlecht der Beteiligten gemacht werden soll.
Aussprache 
Worttrennung Bie-der-mann
Wortzerlegung biederMann
Wortbildung  mit ›Biedermann‹ als Erstglied: ↗Biedermannsgesicht · ↗Biedermannsmaske · ↗Biedermannsmiene · ↗Biedermannsstimme · ↗Biedermannston · ↗biedermännisch
eWDG und ZDL

Bedeutungen

1.
spöttisch Person, die eng gefasste, biedere (2) Einstellungen (5) vertritt; Person, die sich kleinbürgerlich verhält
Synonym zu Spießer (1)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: der bigotte, naive Biedermann
als Genitivattribut: die Rolle, das Image des Biedermanns
in vergleichender Wort-/Nominalgruppe: geben als, wirken wie ein Biedermann
Beispiele:
Während […] Nichtraucher über eine starke Lobby verfügen, können sich Gedudel‑Geplagte bis jetzt kein Gehör verschaffen. Ganz im Gegenteil: Sie gelten als Spassverderber und Biedermänner. [Neue Zürcher Zeitung, 01.08.2016]
Der typische Volvo‑Fahrer hat ein Image‑Problem. Er gilt als Biedermann mit Hut, sein Auto als »Kleinbürgerpanzer«. Der Sechziger‑Jahre‑Slogan »Sicherheit aus Schwedenstahl« […] festigte noch den Ruf der Schwedenkarosse als sicheres und zuverlässiges Auto, verstärkte damit aber eher das negative Image ihrer Besitzer, ängstliche Langweiler zu sein, denen passive Sicherheit über alles geht. [Hars, Wolfgang: Nichts ist unmöglich! Lexikon der Werbesprüche, München: Piper 2001 [1999], S. 17]
Als bornierten Biedermann mit Hosenträgern über dem Bierbauch, so karikierte vormals der »Simplicissimus« den typischen Kleinbürger. [Der Spiegel, 04.07.1988, Nr. 27]
Nun sitzt Linda obendrein die Angst im Nacken, dass ihr Jerry es ernst meint mit seiner Ankündigung, er wolle – im Falle von Obamas Wiederwahl im Herbst 2012 – »ins Ausland fliehen, ehe alles zu spät ist«. Seither kämpfen die Brewingtons um ihre Existenz. Sie tun es mit heißem Eifer, als Biederleute im Widerstand. [Süddeutsche Zeitung, 09.09.2010] ungewöhnl.
2.
veraltend ehrlicher, rechtschaffener MenschWDG
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein ehrlicher, rechtschaffener Biedermann
Beispiele:ZDL
Biedermann – »bieder« heißt ursprünglich »unbescholten« oder »rechtschaffen«. Ein Biedermann war also ein rechtschaffener Mann. [Bild, 02.03.2006]
In Max Frischs Theaterstück »Biedermann und die Brandstifter« will es der brave Bürger nicht wahrhaben, dass Unholde unter seinem Dach die Katastrophe vorbereiten. [Süddeutsche Zeitung, 11.03.2004]
Die Heldenrollen für Biedermänner sind gestrichen, dafür treten viele sogenannte Brandstifter von einst als ehrliche Leute auf. [Der Spiegel, 17.03.1997, Nr. 12]
Die Kommentare zu seiner Person waren für ihn als Mann nicht gerade schmeichelhaft, doch alle Beobachter strichen seine korrekte, bescheidene Art, die Art des rechtschaffenden Biedermannes heraus, der sicherlich im Amte an Größe und Ausstrahlung gewinnen würde. [Berliner Zeitung, 19.05.1993]

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Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bieder · biderb · anbiedern · Biederkeit · Biedermann · Biedermeier
bieder Adj. ‘brav, rechtschaffen, unkompliziert in seinem Verhältnis zur Umwelt’. Das nur im Dt. bezeugte Adjektiv ahd. bitherbi ‘nützlich, brauchbar’ (8. Jh.), mhd. biderbe, durch die Betonung auf der ersten Silbe verkürzt zu bider, asächs. bitherƀi, mnd. bederve ist eine alte Bildung zum Verbum ↗dürfen (s. d.) mit dem umgelauteten Vokal des Singulars (vgl. nhd. darf) und der (hier betonten) Vorsilbe ahd. bi- (s. ↗be-). Als Ursprungsbedeutung ist daher anzusetzen ‘dem Bedürfnis entsprechend’. bieder ist bis Ende des 16. Jhs. durchgehend bezeugt, wird im 17. Jh. selten, aber in der 2. Hälfte des 18. Jhs. (durch Klopstock, Lessing, Bürger u. a.) wieder geläufig; älteres biderb Adj. gilt teils historisierend, teils spöttisch bis zur Gegenwart. anbiedern Vb. ‘auf plumpe Weise um Sympathie werben’ (um 1800). Biederkeit f. vgl. ahd. bitherbī̌gheit (11. Jh.), mhd. biderbecheit, wie das Adjektiv bis ins 16. Jh. belegt, dann wieder seit der 2. Hälfte des 18. Jhs. Biedermann m. ‘Spießer’, mhd. biderman ‘unbescholtener Mann’. Biedermeier n. Stilbezeichnung für Malerei, Literatur und Möbel der Zeit von etwa 1815 bis 1848, die, im Gegensatz zu den Ausdrucksformen des Vormärz, die ruhige, nach außen geschlossene Welt des Kleinbürgertums repräsentieren. Zugrunde liegt das von Eichrodt 1853 gebildete Pseudonym Biedermaier (aus Scheffels „Biedermanns Abendgemütlichkeit“ und „Bummelmaiers Klage“, 1848, unter dem er die kleinbürgerliche Haltung anprangert). Seit der 2. Hälfte des 19. Jhs. wird Biedermeier für Spießer verwendet. Die Aufwertung zum Stilbegriff erfolgt vor allem durch die Jahrhundertausstellung 1906, vorwiegend durch den gediegenen Möbelstil der Biedermeierzeit veranlaßt.

Thesaurus

Synonymgruppe
Biedermann · ↗Kleinbürger · Kleinkarierter · Konventionalist · ↗Philister · ↗Spießbürger · ↗Spießer · ↗Traditionalist
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Biedermann · ↗Gutmensch · ↗Moralapostel · ↗Moralprediger · ↗Sittenwächter · ↗Tugendbold  ●  Hüter von Sitte und Anstand  variabel
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Biedermann‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Biedermann‹.

Zitationshilfe
„Biedermann“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Biedermann>, abgerufen am 19.01.2021.

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