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Biegung, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Biegung · Nominativ Plural: Biegungen
Aussprache 
Worttrennung Bie-gung
Wortbildung  mit ›Biegung‹ als Letztglied: Straßenbiegung · Wegbiegung
eWDG

Bedeutungen

1.
Stelle, an der die Richtung bogenförmig abweicht, Krümmung
Beispiele:
die Biegung der Straße
hinter der Biegung des Feldweges
an der Biegung des Flusses mündet ein Bach
die sanften Biegungen der Küstenlinie
die schöne Biegung des Halses, der Nase
2.
eine Biegung machenvon der bisherigen Richtung abgehen und eine andere einschlagen
Beispiele:
ein Fußgänger, das Auto macht eine Biegung
der Weg, Damm, die Talschlucht macht eine Biegung
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

biegen · Biegung · Biege · biegsam · Biegsamkeit
biegen Vb. ‘in eine von der Geraden abweichende Form bringen, krumm machen’ (reflexiv) ‘sich krümmen, sich beugen’, intransitive Verwendung heute nur im Sinne von ‘bogenförmig die Richtung ändern, einen Bogen machen’, stets mit einer durch Präposition angeschlossenen Ortsangabe (z. B. um die Ecke, in eine Nebenstraße biegen). Ahd. biogan (8. Jh.), mhd. biegen ‘biegen, beugen, krümmen’ (und nicht gesichertes asächs. biogan) entspricht got. biugan ‘beugen’. In den übrigen westgerm. Sprachen weist das starke Verb ablautende Präsensformen (mit Dehnung der Tiefstufe) auf, vgl. asächs. būgan ‘sich beugen’, mnd. būgen ‘beugen, verbiegen, sich biegen, ausweichen’, mnl. būghen ‘beugen, wenden, unterwerfen, sich beugen, geneigt sein’, nl. buigen ‘biegen, beugen, sich biegen, sich beugen’, aengl. būgan ‘sich beugen, sich unterwerfen, sich wenden, nachgeben, zurückweichen, fliehen’ (woraus engl. to bow ‘beugen, krümmen, sich beugen, sich verneigen’ mit schwacher Flexion). Für das Anord. kann nach den belegten Präteritalformen bugu ‘sie bogen’, boginn ‘gebogen’ ein Infinitiv *bjūga oder *būga angesetzt werden (vgl. aber schwach flektierendes schwed. buga sig ‘sich verbeugen’, vielleicht unter mnd. Einfluß). Germ. *beug-, *būg- setzt ie. *bheugh- voraus, während außerhalb des Germ. aind. bhujáti ‘biegt, krümmt sich’ (Part. Perf. bhugna- ‘gebogen, krumm’) und wohl auch air. fidbocc ‘hölzerner Bogen’ auf ie. *bheug- zurückführen, das gleichfalls für semantisch entferntere Bildungen wie griech. phé͞ugein (φεύγειν), lat. fugere ‘fliehen’ und wohl auch für lit. bū́gti ‘erschrecken’ gilt. Wahrscheinlich muß von einer Wurzel ie. *bheug(h)- ‘biegen’ ausgegangen und eine spätere Bedeutungsentwicklung zu ‘zurückweichen, fliehen’ vermutet werden (vgl. auch ‘ausweichen’ im Mnd. und ‘zurückweichen, fliehen’ im Aengl.). Das ursprünglich intransitive germ. Verb, von dem das unter beugen (s. d.) dargestellte Kausativum abgeleitet ist, wird im Hd. (im Unterschied zu den meisten anderen germ. Sprachen, s. oben) seit Beginn der Überlieferung vorwiegend transitiv gebraucht; biegen stimmt daher in seinen Verwendungen oft mit beugen überein. Im älteren Nhd. konkurriert es mit diesem auch als grammatischer Terminus (biegen ‘flektieren’ vom 15. bis ins 18. Jh.). Zur Wortgruppe von biegen gehören ferner Bogen, Bucht, Bügel, bücken (s. d.). – Biegung f. ‘im Bogen verlaufende Stelle, Krümmung, Kurve’, namentlich in älterer Sprache auch als Vorgangsbezeichnung ‘das Biegen, Beugen’ (jetzt nur ‘bogenförmige Richtungsänderung’, vgl. eine Biegung machen), spätmhd. biegunge ‘das Beugen, Verbeugung’; als Fachwort der Grammatik (neben Beugung, s. d.) seit dem 15. Jh. ‘Flexion’, so bis ins 18. Jh. und gelegentlich noch im 19. Jh. Biege f. ‘Kurve, Bogen’ (2. Drittel 20. Jh.), eine wohl im Jargon der Flieger aufkommende, scherzhaft-lässige Bildung, die nicht unmittelbar an älter nhd. (16. bis 18. Jh.) Biege f., mhd. biege f. ‘Beugung, Biegung, Neigung’ (zuvor ahd. biogo m. ‘Biegung, Krümmung, Bogen, Bucht’, 10. Jh.) anschließt. biegsam Adj. ‘leicht zu biegen, geschmeidig’, mit Bezug auf Charaktereigenschaften ‘äußeren Einflüssen zugänglich, fügsam’, vereinzelt im 15. Jh. nachzuweisen (md. byegsam, 1440), geläufig seit Ausgang des 17. Jhs.; dazu Biegsamkeit f. ‘Elastizität, Geschmeidigkeit’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
Beugung  ●  Biegung  ugs., österr. · Flexion  fachspr., wissenschaftlich
Assoziationen
  • Flexionsform · Flexiv · flektiertes Wort · syntaktisches Wort  ●  Wort mit Flexionsmerkmalen  fachspr. · Wortform  fachspr., Hauptform

Typische Verbindungen zu ›Biegung‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Biegung‹.

Verwendungsbeispiele für ›Biegung‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sogar eine leichte Biegung des Stiels erlaubte sie sich wieder. [Maron, Monika: Stille Zeile Sechs, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1991, S. 80]
Mit seinen scharfen Biegungen scheint er einmal hierhin, einmal dorthin zu streben, als wolle er über sich hinausweisen. [Die Zeit, 17.06.1998, Nr. 26]
Allerdings erweist sich der französische Weg als holprig, und Kritiker lauern an jeder Biegung. [Die Zeit, 21.09.2009, Nr. 38]
Aber immer tauchte sie hinter irgendeiner Biegung des Wegs wieder auf. [Die Zeit, 01.10.1982, Nr. 40]
Das Licht blinzelt dann bei einer Biegung rechtzeitig um die Ecke. [Süddeutsche Zeitung, 12.03.2002]
Zitationshilfe
„Biegung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Biegung>.

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