Bildnis, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Bildnisses · Nominativ Plural: Bildnisse
Aussprache
WorttrennungBild-nis (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Bildnis‹ als Letztglied: ↗Familienbildnis · ↗Menschenbildnis · ↗Stifterbildnis
eWDG, 1967

Bedeutung

gehoben bildliche Darstellung eines Menschen, Porträt
Beispiele:
ein ovales, farbiges, in Öl gemaltes Bildnis
ein Bildnis in Auftrag geben
vor einem Bildnis stehen, verweilen
Münzen mit dem Bildnis des Kaisers
ein Bildnis der heiligen Jungfrau
Dies Bildnis ist bezaubernd schön [MozartZauberflöteI 4]
Auf breiten Tuchstreifen / Tragen sie ihre Losungen und / Die Bildnisse ihrer großen Lehrer [BrechtGedichte258]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Bild · Ebenbild · Abbild · Vorbild · Urbild · Mannsbild · Weibsbild · Lichtbild · Gebilde · Bildnis · bildlich · bildschön · bildhübsch · Bildhauer · Bildfläche
Bild n. ‘flächige Darstellung von Personen und Dingen’ (früher auch ‘Skulptur’) sowie überhaupt ‘dem Auge sich darbietender Anblick’ oder ‘nur in der Vorstellung wahrgenommene Erscheinung’, ahd. bilidi (8. Jh.; obd. Nebenformen bilodi, biladi), mhd. bilde ‘Abbild, Vorbild, Gestalt’. Das nur im Kontinentalwestgerm. bezeugte Substantiv (vgl. asächs. biliði ‘Zeichen, Gleichnis, Abbild’, mnd. bilde, bē̌lde ‘Abbild, Gestalt, Sinnbild, Beispiel’, mnl. beelde ‘Abbild, Gestalt, Vorbild’, afries. bild ‘Bild’; dagegen anord. bīlæti wohl aus dem Asächs. entlehnt) ist mit dem Kollektivsuffix germ. -iþja- von einem Stamm bil- abgeleitet, für den bisher eine sichere Erklärung fehlt. Die ältesten westgerm. Zeugnisse machen eine Ausgangsbedeutung ‘Zeichen, Sinnbild, Vorzeichen’ wahrscheinlich, vgl. Foerste in: Festschr. Trier (1964) 112 ff., der einen möglichen Zusammenhang mit bil- ‘angemessen, gerecht’ (s. ↗billig, ↗Unbill und ↗Weichbild) über eine semantische Vorstufe ‘trennen, unterscheiden, beurteilen, deuten’ erwägt. Weitere Deutungsversuche führen zu einer Grundvorstellung ‘geistiges Wesen, übernatürliche Kraft’, vgl. Karg-Gasterstädt in: PBB 66 (1942) 291 ff., oder rechnen den Stamm bil- einer Wortgruppe ‘spalten, hauen’ zu und sehen in Bild ‘das Zurechtgehauene, Gestaltete’; so bereits J. Grimm in: ¹DWB 2, 8 f.; vgl. auch Pokorny 1, 117 f. Im Dt. weist Bild, das vor allem bei Notker, den Mystikern und Chr. Wolff in philosophische Erörterungen Eingang findet, schon in der ältesten Sprachstufe eine reiche Bedeutungsdifferenzierung auf. Bestimmte semantische Verwendungen zeigen sich deutlicher in Zusammensetzungen oder Präfigierungen wie Ebenbild n. ‘dem Muster gleichende Nachbildung’, ahd. ebanbilidi (Hs. 12. Jh.), mhd. ebenbilde ‘Vorbild, Beispiel’; Abbild n. ‘flächige oder plastische Wiedergabe, Nachbildung’, spätmhd. frühnhd. abbild(e), anfangs häufig in der Fügung Abbild nehmen ‘ein Muster nachahmen’, allgemeiner verbreitet seit Ende des 18. Jhs.; Vorbild n. ‘Muster, Beispiel’, ahd. forabilidi (11. Jh.), mhd. vorbilde ‘Sinnbild, Vorbild’; Urbild n. ‘Vorlage einer Nachbildung, Inbegriff, Ideal’, zunächst Verdeutschung von Archetypus (17. Jh.), seit dem 18. Jh. auch für Original, Ideal, Idee gebraucht. Mit der Bedeutung ‘Äußeres, Gestalt’ begegnet Bild in den seit dem 19. Jh. nur noch abschätzig, früher aber wertneutral verwendeten Komposita Mannsbild n. Weibsbild n. frühnhd. (15. Jh.) zusammengewachsen aus mhd. mannes bilde und wībes bilde. Verhältnismäßig jung ist Lichtbild n. ‘Photographie’ (Mitte 19. Jh.), dem eine gleichlautende Gelegenheitsbildung mit der Bedeutung ‘durch Lichtstrahlen erzeugtes Bild’ (18. Jh.) vorausgeht. Gebilde n. ‘Geformtes, künstlich Geschaffenes von nicht näher zu bezeichnendem Aussehen’, aostnfrk. gibilithi ‘Schattenbild, Schemen’ (9. Jh.?), mhd. gebilde ‘Gestalt, gestalteter Gegenstand, Sternbild’, frühnhd. gebild(e) ‘Heiligenbild’ kommt im 16. Jh. außer Gebrauch, wird aber in der 2. Hälfte des 18. Jhs. erneut aufgegriffen, anfangs als klangvollere Nebenform von Bild, doch zunehmend als an ↗bilden (s. d.) angeschlossenes Verbalsubstantiv. Bildnis n. ‘bildliche Darstellung eines Menschen, Porträt’, ahd. bilidinussi n. (oder bilidinussī f.?; Hs. 13. Jh.) ‘Abbild, Bild’, mhd. bildnüsse, bildnisse n. ‘Bild, Gleichnis’, frühnhd. bildnis, bildnus n. und f.; gegen Ende des 17. Jhs. setzen sich die Form Bildnis und neutrales Genus durch, das Femininum findet sich noch in obd. Mundarten. bildlich Adj. ‘durch ein Bild oder durch metaphorische Ausdrucksweise veranschaulicht’, ahd. bilodlīh ‘vorbildhaft’ (8. Jh.), bilidlīh ‘vorbildhaft, nachbildend, wohlgestaltet’ (11. Jh.), mhd. bildelich ‘bildlich, sinnlich wahrnehmbar’ (neben gleichbed. mhd. bildec). bildschön Adj. ‘sehr schön’, seit der 2. Hälfte des 18. Jhs. (zunächst obd.) zur Charakterisierung des Äußeren von Personen, eigentlich wohl ‘schön wie ein (Heiligen)bild’, vgl. älteres engelschön; dann auch auf unbelebte Gegenstände (19. Jh.) bezogen. In Analogie dazu bildhübsch Adj. ‘sehr hübsch’ (Anfang 19. Jh.). Bildhauer m. ‘Schöpfer plastischer Kunstwerke’, frühnhd. bildhower, bildhauer (2. Hälfte 15. Jh.) und mnd. bilde(n)-, belde(n)houwer; zu Bild in der Bedeutung ‘Skulptur’, vgl. die mhd. Fügung ein bilde houwen (aber mhd. bildemacher ‘Bildhauer’). Bildfläche f. ‘Fläche eines Bildes’ (Anfang 19. Jh.), seit der 2. Hälfte des 19. Jhs. vor allem geläufig in den (wohl von der Photographie übertragenen) Wendungen auf der Bildfläche erscheinen ‘unerwartet auftauchen, zum Vorschein kommen’ und von der Bildfläche verschwinden ‘abtreten, aus dem Gesichtsfeld schwinden’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Bildnis · ↗Nachahmung · ↗Nachbildung · ↗Statue
Unterbegriffe
Synonymgruppe
Abbildung · Bild · Bildnis · ↗Darstellung · ↗Ebenbild · ↗Illustration
Unterbegriffe
  • Diorama · Durchscheinbild
  • Intra-Bild · Schlüsselbild
  • Madonnenbildnis · Marienbildnis
Synonymgruppe
Abbildung · ↗Ablichtung · ↗Abzug · ↗Aufnahme · Bild · Bildnis · ↗Fotoaufnahme · ↗Fotografie · ↗Lichtbild  ●  ↗Foto  Hauptform · Ausbelichtung  fachspr. · ↗Bildwerk (urheberrechtlich)  fachspr. · ↗Positiv  fachspr. · ↗Vergrößerung  fachspr.
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bildnis Büste Edelmann Familienalbum Gottesmutter Herzog Herzogin Jungfrau Kaiserin Knabe Kurfürst Madonna Muttergott Porträt Selbstbildnis Selbstporträt Stilleben Trinkerin Unsichtbare entstanden ganzfigurig gemalt großformatig lebensgroß malen plastisch prangen radiert repräsentativ taxiert

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Bildnis‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ihr ganzes Leben soll sie für dieses Bildnis gespart haben.
Süddeutsche Zeitung, 13.04.1999
In einem anderen Stück blickt eine Frau auf das Bildnis ihres verstorbenen Mannes.
Die Zeit, 06.06.1980, Nr. 24
Aber auch in den Bildnissen seiner späteren Zeit verschmäht er die bereits gewonnene Sicherheit.
Beenken, Hermann: Das Neunzehnte Jahrhundert in der deutschen Kunst, München: Bruckmann 1944, S. 399
Verschwunden war das Bildnis des toten Mannes an der Wand gegenüber.
Roth, Joseph: Radetzkymarsch, Köln: Kiepenheuer & Witsch 1978 [1932], S. 141
Mit schöpferischen Worten zauberte er das Bildnis des Toten herauf.
Meisel-Hess, Grete: Die Intellektuellen. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 10964
Zitationshilfe
„Bildnis“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Bildnis>, abgerufen am 20.11.2018.

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