Binde, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Binde · Nominativ Plural: Binden
Aussprache  [ˈbɪndə]
Worttrennung Bin-de
Grundform binden
Wortbildung  mit ›Binde‹ als Letztglied: Armbinde · Augenbinde · Bartbinde · Bauchbinde · Beinbinde · Blindenbinde · Brandbinde · Damenbinde · Halsbinde · Kapitänsbinde · Kopfbinde · Leibbinde · Monatsbinde · Mullbinde · Schnurrbartbinde · Stirnbinde
eWDG und DWDS

Bedeutungen

1.
länglicher Streifen zum (Um-)‍Binden
entsprechend der Bedeutung von binden (1)
a)
Medizin einen verletzten Körperteil schützender und haltender bzw. medizinische Präparate fixierender Verband¹
entsprechend der Bedeutung von verbinden (2), Synonym zu Mullbinde
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine weiße, elastische, blutige Binde
hat Präpositionalgruppe/-objekt: eine Binde am Arm; eine Binde um den Kopf, die Augen, die Stirn
Beispiele:
[In die Reiseapotheke gehören:] Elastische Binden: für alle, die sich den Fuß oder die Hand verstauchen. [Der Standard, 02.07.2014]
Die Beschaffung des Verbandmaterials macht große Schwierigkeiten, da Binden, Wundbenzin und Hansaplast (= Pflaster) nur schwer erhältlich sind. [Neues Deutschland, 02.03.1948]
Sieben Monate nach dem Unfall war sie […] zurück im TV[…]. Den Arm trug sie […] in einer Binde eng am Körper. [Welt am Sonntag, 22.07.2018]
Sehr gut bei Arthroseschmerz im Kniegelenk sind Kohlwickel. […] zwei bis drei [Wirsing-]Blätter nicht zu fest ums Knie wickeln und mit einer Binde locker fixieren. [Bild, 28.04.2017]
Kurt trägt eine Binde um den Kopf, die an einer Stelle blutgetränkt ist. [Neues Deutschland, 17.08.1951]
α)
spezieller bei der Präparierung von Mumien   Stoffstreifen, der zur Konservierung um einen mit Salbölen behandelten Leichnam gewickelt wird
Grammatik: meist im Plural
Beispiele:
Nur dann, wenn der Leichnam bereits transformiert und ins Jenseits übergegangen ist, durfte er wieder gezeigt werden: als Mumie, eingewickelt in Binden und mit einer Goldmaske vor dem Gesicht. [Welt am Sonntag, 09.09.2018]
Er [der Ägyptologe Howard Carter] notierte […], wie morsch die Binden waren, mit denen der Leichnam [des Tutanchamun] umwickelt war[…]. [Süddeutsche Zeitung, 11.11.2013]
Die in Binden gewickelten Mumien kamen in kästen‑ oder wannenförmige […] Sarkophage […]. [Die Zeit, 29.09.1972]
β)
übertragen, umgangssprachlich
Synonym zu Damenbinde
Kollokationen:
in Koordination: Tampons und Binden
Beispiele:
500 Millionen Frauen haben nach Schätzungen von WHO und UNICEF keinen Zugriff auf Menstruationshilfen wie Tampons oder Binden und behelfen sich mit unhygienischen Alternativen wie Lappen. [Welt am Sonntag, 01.09.2019]
Slipeinlagen sind keine Binden. [jetzt-Magazin (SZ), 19.10.2018]
Es gibt auch wiederverwendbare Naturschwämme und waschbare Einlagen als Ersatz für Tampons und Binden. [Der Spiegel, 15.06.2017 (online)]
b)
die Sicht verhindernder (dunkler) (Stoff-)‍Streifen; Augenbinde
entsprechend der Bedeutung von verbinden (1)
Beispiele:
eine schwarze Binde vor, über den Augen habenWDG
Er ist mit Handschellen gefesselt, auch seine Füße sind verschnürt, vermummte Polizisten ziehen ihn aus der Kabine, über den Augen trägt er eine Binde. [Süddeutsche Zeitung, 21.03.2017]
Das ganze Leben wird in dem Moment, »da sie ihn an den Pfahl gebunden« und ihm die Binde vor die Augen gelegt haben, noch einmal durch Dostojewskis Seele gespült: […] [Die Welt, 04.05.2019]
Über dem steinernen Brunnentrog steht auf einer Säule die Figur der Justitia, in der Rechten das Schwert, in der Linken die Waage, und über die Augen hat man der Justitia eine blütenweisse Binde modelliert. [Neue Zürcher Zeitung, 05.12.2017]
Ein Mann serviert einer Frau Kostproben dessen, was Erotik und Liebe sein kann, eine Binde über die Augen, Handschellen – Mickey Rourke und Kim Basinger in »9 1/2 Wochen«. [Süddeutsche Zeitung, 04.03.2011]
Die Banditen sind zurückgekehrt. […] Kitty darf ihr Kleid überwerfen, aber eine Binde wird ihr vor die Augen gelegt und im Nacken fest zusammengeknotet. [Der Spiegel, 07.03.1951]
bildlich Wer jahrelang in blindem Gehorsam marschiert ist, der steht geblendet, wenn er sich endlich die Binde von den Augen reißt. [Die Zeit, 28.11.1946]
c)
am Arm getragener Streifen, meist aus Stoff (mit einem Abzeichen, Kennzeichen)
Synonym zu Armbinde
Beispiele:
die Blinden tragen eine gelbe BindeWDG
ein […] Unteroffizier, die weiße Binde der Militärpolizei am Arm [ A. ZweigGrischa91]WDG
Damit man […] als ausländischer Reporter ausgemacht werden kann, muss man in Nordkorea eine blaue Binde um den Oberarm tragen. »Journalist« steht darauf auf Koreanisch. [Süddeutsche Zeitung, 21.04.2018]
Nikolai hat sich als Mitglied der Bürgerwehr verpflichten lassen; stolz trägt er die rote Binde mit der Aufschrift »Freunde der Krim« am Arm. [Die Zeit, 16.03.2014 (online)]
Nach dem Versammlungsgesetz müssen Ordner mit einer weißen Binde, auf der nur »Ordner« stehen darf, kenntlich gemacht werden. [Die Zeit, 28.08.1964]
Mit einer schwarz‑rot‑goldenen Binde um den Arm ritt Friedrich Wilhelm IV. […] in Begleitung der Prinzen, Minister, Generale, Studenten und zahlreicher Bürger durch die Straßen Berlins, um sich Sympathien bei der Bevölkerung zu erwerben. [Neues Deutschland, 21.03.1948]
In einem [Raum] sitzt ein junger Mann, der blind aus dem Krieg kam und verzweifelt ist, weil er seinen Beruf als Schneider nicht mehr ausüben kann, vor dem Angestellten, der ebenfalls die Binde mit den drei Punkten trägt […]. [Neues Deutschland, 23.08.1947]
spezieller, Fußball Kapitänsbinde
Kollokationen:
als Akkusativobjekt: die Binde abgeben; jmd. trägt die Binde; jmd. übernimmt, bekommt die Binde
Beispiele:
[…] Nur in Freiburg wird der Kapitän von der Mannschaft gewählt. Bei allen anderen Klubs bestimmt der Trainer den Mann mit der Binde. [Bild, 09.07.2019]
Brasiliens Trainer […] hat Neymar […] die Binde weggenommen. [Bild, 29.05.2019]
Fußball mag vordergründig ein Spiel sein, doch es ist auch ein Kampf unter Alphatieren. Gut zu sehen war das 2010, als sich Lahm die Binde der Nationalelf schnappte, als Michael Ballack verletzt war. [Die Zeit, 08.02.2017 (online)]
übertragen Der Moderator […] sagte einmal bei einem Besuch der Effenbergs im TV‑Studio: »Darf ich die Chefin fragen?« Martina Effenberg [die Frau des Fußball-Profis] hatte noch Haare auf den Zähnen. Kaliber dieser Sorte gab es Ende des letzten Jahrhunderts etliche, auch Lothar Matthäus gab kleinlaut zu: »Bei mir zu Hause trägt die Frau die Binde [Die Welt, 07.01.2019]
d)
veraltet Binder (1), Schlips
Kollokationen:
in Koordination: in Frack und [weißer, schwarzer] Binde
Beispiele:
Durch das Gewühl der Menschen schreitet gelassen ein junger Mann, gekleidet in einen schwarzen altväterischen Gehrock, eine schwarze Binde umschlingt seinen unmodischen Kragen, er trägt einen breiten schwarzen Hut. [Der Spiegel, 28.03.1956]
Schon die Traumwelt zeigt uns eine andere Daseinsweise, in welcher Raum, Zeit und Kausalität aufgehoben sind […]. Da kann man bei einem Schiffbruch ertrinken und steht gleich darauf seelenvergnügt am Ufer […], oder man wird durch Revolverschüsse getötet, fährt mit Kranz und Binde zu seiner eigenen Beerdigung […] [Die Zeit, 16.10.1947]
[…] der lange, magere Hals war von keiner Binde gedrückt […] [ RaabeII 2,60]WDG
Das Lichtbild darin ist an seinem Hochzeitstag angefertigt […]. Es zeigt ihn im Frack mit weißer Binde und Pomadescheitel[…][.] [Die Zeit, 25.07.1946]
salopp
Phrasem:
[sich] etw. hinter die Binde kippen, gießen (= ein (alkoholisches) Getränk schnell, in großer Menge, ohne besonderen Genuss herunterstürzen)
e)
Synonym zu Bartbinde
Beispiele:
So wechselten die Moden und die Bärte, die inzwischen sogar Namen bekamen: […] [wie etwa] Kaiser-Wilhelm-Bart, wenn es sich mit viel Pflege, teilweise auch mit nächtlich zu tragenden Binden links und recht nach oben rollt[…]. [Die Welt, 17.05.2014]
Der alte Herr […] überdeckte eben seinen Schnurrbart mit einer Binde, die hinter den Ohren geschlossen wurde. [Berliner Zeitung, 14.10.1949]
f)
Synonym zu Banderole (1), Bauchbinde (●)
Beispiele:
Ich mag es nicht, wenn Menschen das Etikett ihrer Anzüge nach außen tragen oder bei der Zigarre die Binde nicht abmachen. [Süddeutsche Zeitung, 04.08.2000]
[…] in den Regalen [von Supermärkten] finden sich […] nach wie vor unnötige Verpackungen und entsprechend groß ist ihr Anteil am Plastikmüll[…]. Man wäre deshalb einen großen Schritt weiter, wenn die Unternehmen ihre Produkte nicht mehr in Plastik einwickeln und noch in eine Plastikbox legen, samt einer Binde aus Kunststoff. [Süddeutsche Zeitung, 01.09.2018]
[…] schließlich raucht S[…] noch heute Ludwig Erhards Zigarren – angeboten von demselben Fürther Laden wie einst, heute aber mit einer Binde mit Erhard‑Konterfei verziert. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.04.2005]
Eine dunkelrote Binde, auffällig vor den weißen Umschlag gelegt, verspricht ein Nachwort des Buchwissenschaftlers […] zur »Publikationsgeschichte eines umstrittenen Buches«. [Süddeutsche Zeitung, 16.01.2003]
Wer in Deutschland sein Quantum Werke schreibt, kann […] darauf rechnen, daß ihm sein Volk irgendwann einmal mit irgendeinem Preise bedenken wird. Die Nachricht darüber wird ihm dann sein Verleger in Gestalt einer bunten Binde um das Buch legen. [Die Zeit, 15.04.1954]
2.
übertragen, veraltet farblich abgesetzter Streifen, Balken (2)
Beispiele:
Wahrscheinlicher ist, dass die österreichischen Farben Rot‑Weiß‑Rot ihre Entstehung dem Geschlecht der Babenberger verdanken – deren ursprüngliches Wappen die silberne Binde auf rotem Grund ist. [Welt am Sonntag, 13.07.2014]
Leugnen läßt sich nicht, daß namentlich der Halsbandbär[…] sich in vieler Hinsicht von unserm gewöhnlichen Bären unterscheidet. Seine Ohren sind kürzer und mehr gerundet, der Leib ist dicker, schwerfälliger und plumper, die Haare sind länger und zottiger. Die Farbe ist bald hellgelblich, bald schwarzbraun, und die breite, weiße Binde, welche sich von den Schultern an um den Hals zieht, bleibt dem Thiere in jedem Alter. [Brehm, Alfred Edmund: Illustrirtes Thierleben. Bd. 1. Hildburghausen 1864]

letzte Änderung:

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Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

binden · Binde · Binder · entbinden · Entbindung · verbinden · Verbindung · Verband
binden Vb. ‘durch Umwinden, Verknüpfen zusammenfügen’, insbesondere ‘fesseln’, auch allgemeiner ‘fest miteinander vereinigen’, ahd. bintan (8. Jh.), mhd. binden ‘umwinden, verknüpfen, fesseln’ führt wie die Entsprechungen asächs. aengl. got. bindan, afries anord. schwed. binda, mnd. mnl. nl. binden, engl. to bind auf germ. *bindan. Es läßt sich mit aind. badhnā́ti ‘bindet’, bandháḥ ‘Band, Fessel’, bándhuḥ ‘Verbindung, Verwandtschaft, Verwandter’, griech. pé͞isma (πεῖσμα) ‘Tau, Seil’, pentherós (πενθερός) ‘Schwiegervater’ (auf die durch Heirat entstehende Bindung bezogen), lat. offendīx ‘Kinnband der Priestermütze’ an ie. *bhendh- ‘binden’ anschließen (s. auch Band1 m. und Band3 n., Bande2, Bund). Binde f. ‘um etw. herumgewundener Stoffstreifen’ (als Verband, Schmuck, Kennzeichen), ahd. binta (8./9. Jh.), mhd. binde ‘Binde, Verband’, aengl. binde, engl. bind ‘Binde, Band’. Binder m. ‘Böttcher’, ahd. bintāri (10. Jh.), mhd. binder ‘Faßbinder’, nhd. bis zur Gegenwart landschaftlich für Böttcher (s. d.). entbinden Vb. ‘lossprechen, befreien’, auch ‘gebären’, ahd. intbintan ‘aufbinden, lösen, befreien, einer Verpflichtung entheben’ (8. Jh.), mhd. enbinden ‘befreien, lösen, erklären’, asächs. antbindan, aengl. onbindan, engl. to unbind, got. andbindan. Das ursprünglich ‘losbinden, von Fesseln befreien’ bedeutende Verb kommt früh und im Nhd. überwiegend in metaphorischen Verwendungen vor; es bezeichnet bereits im 14. Jh. (wohl vom Trennen der Nabelschnur ausgehend) auch den Geburtsvorgang, wobei die Frau oder das Kind als Objekt des transitiven Verbs eintreten. Jung ist dagegen der intransitive Gebrauch ‘Mutter werden, gebären’ (um 1880); dazu Entbindung f. ‘Geburt’ und ‘Befreiung, Entlastung’, anfangs für unterschiedliche Vorgänge des Befreiens, Lösens, frühnhd. enpindung, en(t)pintung ‘Trennung. Auflösung, Erklärung’ (14. Jh.), dann namentlich ‘Absolution, Lossprechung von Sünden’, vgl. mnd. entbindinge ‘Zügellosigkeit’; im Sinne von ‘Niederkunft, Geburt’ seit dem 17. Jh. verbinden Vb. ‘mit einer Binde bedecken, verknüpfen, zusammenfügen’, übertragen ‘enge Beziehungen zwischen Personen herstellen’, ahd. firbintan ‘umwickeln, zubinden’ (um 1000), mhd. verbinden ‘zusammenfügen, zubinden, einschließen, verpflichten’; westgerm. Präfixbildung (vgl. mnd. vorbinden, nl. verbinden, aengl. forbindan), im Dt. die beiden Bedeutungsstränge ‘mit einer Binde bedecken’ (schon ahd.) und ‘fest zusammenfügen’ (mhd.) entwickelnd; in einigen der sich an die zweite Bedeutung anschließenden Verwendungen schwindet die Vorstellung des Umwindens, Verknüpfens völlig; dazu Verbindung f. ‘Zusammenhang, enge Beziehung’, auch ‘Vorgang des Verbindens’, zuerst (15. Jh.) ‘Verpflichtung’, vgl. mnd. vorbindinge ‘Verbindung, Bündnis’; Verband m. ‘eine Wunde bedeckende, schützende Binde’ (18. Jh.), ‘Gruppierung, Vereinigung, Organisation’ (19. Jh.).

Thesaurus

Medizin
Synonymgruppe
Binde · Bindenverband

Typische Verbindungen zu ›Binde‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Binde‹.

Verwendungsbeispiele für ›Binde‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es ging alles so schnell, und schon hatte ich die Binde.
Süddeutsche Zeitung, 23.07.2004
Mit der Binde vor dem Mund, läßt es sich schlecht hinter selbige kippen.
Die Welt, 12.05.1999
Die Binde fiel von seinen Augen, das dunkle Zimmer wurde hell.
Noll, Dieter: Die Abenteuer des Werner Holt, Berlin: Aufbau-Verl. 1984 [1960], S. 921
Eines Tages stand er plötzlich im Zimmer, den Arm in einer schwarzseidenen Binde.
Salomon, Ernst von: Der Fragebogen, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1961 [1951], S. 629
Aus der Binde, aus seinem Haar nieder in den Bart rann das Blut.
Weismantel, Leo: Die höllische Trinität, Berlin: Union-Verl.1966 [1943], S. 178
Zitationshilfe
„Binde“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Binde>, abgerufen am 15.10.2021.

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