Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Bitte, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Bitte · Nominativ Plural: Bitten
Aussprache 
Worttrennung Bit-te (computergeneriert)
Wortbildung  mit ›Bitte‹ als Erstglied: Bittgänger · Bittschreiben · Bittsteller · bittweise
 ·  mit ›Bitte‹ als Letztglied: Fehlbitte · Gegenbitte
eWDG

Bedeutung

an jmdn. gerichteter, höflich ausgedrückter Wunsch
Beispiele:
eine schüchterne, untertänige, höfliche, stille, inständige, warme, flehentliche, stürmische, dringende, große Bitte
eine Bitte um Geld, Unterstützung, Rückgabe
eine Bitte um Verzeihung, Ruhe
eine Bitte äußern, vorbringen, aussprechen, vortragen
ich habe eine Bitte (an Sie)
jmds. Bitte ablehnen, abschlagen, abweisen, zurückweisen, erhören, erfüllen
einer Bitte entsprechen, nachkommen
gehobeneiner Bitte willfahren
papierdeutscheiner Bitte stattgeben
jmdm. eine Bitte versagen, verweigern
jmdn. mit Bitten bestürmen, bedrängen
an jmdn. eine Bitte richten
auf jmdn. mit Bitten einstürmen
in jmdn. mit Bitten dringen
etw. geschieht auf jmds. Bitte (hin)
alle Bitten haben nichts geholfen
Ich sei, gewährt mir die Bitte, / In eurem Bunde der Dritte [ SchillerBürgschaft]
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat A1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bitten · bitte · verbitten · Bitte · Abbitte · Fürbitte · Bittschrift · Bittsteller
bitten Vb. ‘höflich auffordern’, ahd. bitten ‘(er)bitten, flehen, (an)beten’ (8. Jh.), mhd. bitten, auch ‘(vor Gericht) laden, wünschen, heißen, befehlen’, asächs. biddian, mnd. mnl. nl. bidden, afries. bidda, anord. biðja, schwed. bedja, got. bidjan (germ. *bedjan). Die Etymologie ist umstritten. Denkbar ist Verwandtschaft mit aind. bā́dhatē ‘drückt, drängt, zwingt’, für das unter Berufung auf aind. jñubā́dh- ‘die Knie beugend’ eine ältere Bedeutung ‘beugt (nieder)’ erschlossen wird. Dazu stellt man toch. B peti ‘Achtung, Verehrung’. Damit ergäbe sich für bitten Zugehörigkeit zu einer Wurzel ie. *bhedh- ‘krümmen, beugen, drücken, plagen’. Doch auch Zusammenhang mit ahd. mhd. beiten ‘vorwärtsdrängen, Zwang ausüben’, aengl. bǣdan ‘dringend bitten, drängen, zwingen’, anord. beiða ‘fordern, verlangen’, got. baidjan ‘antreiben, zwingen’ ist möglich. Dann wäre mit aslaw. běditi ‘nötigen, zwingen’, russ. (älter) bedít’ (бедить) ‘Leid antun’, russ. pobedít’ (победить) ‘(be)siegen’, griech. pé͞ithein (πείθειν) ‘überreden, überzeugen’, medial ‘(ver)trauen, sich überreden lassen’ an die Wurzel ie. *bheidh- ‘zureden, zwingen’, medial ‘sich einreden lassen, vertrauen’ anzuknüpfen. Die germ. Grundform von bitten gehört in diesem Fall zur Schwundstufe der Wurzel und wäre sekundär in die Ablautreihe anderer starker j-Präsentien (wie sitzen, liegen) übergetreten. Auf Grund der These, daß anlautendes ie. gṵh- zu b- geworden sei, tritt Seebold 93 für eine dritte Möglichkeit ein und geht von einer Kontamination der Wurzeln ie. *bheidh- (s. oben) und ie. *gṵhedh- ‘bitten, verlangen’ aus, wozu griech. pothé͞in (ποθεῖν, aus *gṵhodh-) ‘ersehnen’, air. guidid ‘bittet’, lit. gedáuti ‘wünschen, begehren, heischen’, aslaw. žędati ‘dürsten, verlangen, ersehnen’, russ. (älter) žadát’ (жадать) ‘begehren, dürsten, lechzen’, russ. žádnyj (жадный) ‘gierig, unersättlich, habsüchtig, geizig’. S. auch Gebet, betteln. Die adverbial gebrauchte Höflichkeitsformel bitte ist eine im 18. Jh. aufkommende (in gesprochener Sprache wohl ältere) Verkürzung aus ich bitte. verbitten Vb. ‘mit Nachdruck verlangen, daß etw. unterbleibt, entschieden zurückweisen’, besonders sich etw. verbitten (18. Jh.), zuvor ‘etw. erbitten, für jmdn. eintreten’ (16. Jh.). Bitte f. ‘inständig oder höflich vorgetragener Wunsch’, Neubildung des 15. Jhs. zum Verb, ahd. beta ‘Bitte, Gebet’ (9. Jh.), mhd. bet(e), auch ‘Gebot, Abgabe’ (wozu asächs. beda, mnd. bēde, mnl. bede, aengl. bedu, got. bida) ablösend. Abbitte f. ‘Bitte um Verzeihung’, vgl. Abbitte tun, leisten (16. Jh.). Fürbitte f. ‘Bitte (besonders im Gebet) für einen anderen’ (16. Jh.). Bittschrift f. (16. Jh.), für gleichbed. lat. supplicātio. Bittsteller m. ‘wer (an höherer Stelle) eine Bitte um Hilfe vorträgt’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Bitte · Bittgesuch · Gesuch · Petition
Religion
Synonymgruppe
Bitte · Fürbitte  ●  Litanei  veraltet · Rogation  veraltet
Synonymgruppe
...begehren · Anliegen · Antrag · Antragstellung · Begehren · Ersuchen · Gesuch · Nachfrage · Wunsch  ●  Ansuchen  österr. · Bitte (um)  Hauptform · ...anfrage  fachspr. · Anfrage  fachspr. · Desiderium  geh., lat. · freundliches Ersuchen  geh., formell
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Bitte‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Bitte‹.

Verwendungsbeispiele für ›Bitte‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Größere Bitten bringst du am besten persönlich, und wenn das nicht möglich ist, schriftlich vor. [Franken, Konstanze von [d.i. Stoekl, Helene]: Handbuch des guten Tones, Berlin: Hesse 1936, S. 316]
Kürzlich schickte er seinem Vater 15000 Dollar mit der Bitte, es in einem bestimmten Unternehmen anzulegen. [Reklame-Praxis, 1926, Nr. 3, Bd. 3]
Aus der alten Kirche sind Briefe Armer an ihre Priester mit Bitten um Hilfe erhalten. [Holtz, G.: Seelsorge. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 34952]
Entsprechend seinem ursprünglichen Sinn ist G. Bitte, die von Gott geboten ist. [Beintker, H.: Gebet. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1958], S. 1807]
Er richtete an mich die Bitte, mich an das Land zu wenden. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1999]]
Zitationshilfe
„Bitte“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Bitte>.

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