Bitte, die
GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Bitte · Nominativ Plural: Bitten
Aussprache
WorttrennungBit-te (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Bitte‹ als Erstglied: Bittgänger · Bittsteller · bittweise
 ·  mit ›Bitte‹ als Letztglied: Fehlbitte · Gegenbitte
eWDG, 1967

Bedeutung

an jmdn. gerichteter, höflich ausgedrückter Wunsch
Beispiele:
eine schüchterne, untertänige, höfliche, stille, inständige, warme, flehentliche, stürmische, dringende, große Bitte
eine Bitte um Geld, Unterstützung, Rückgabe
eine Bitte um Verzeihung, Ruhe
eine Bitte äußern, vorbringen, aussprechen, vortragen
ich habe eine Bitte (an Sie)
jmds. Bitte ablehnen, abschlagen, abweisen, zurückweisen, erhören, erfüllen
einer Bitte entsprechen, nachkommen
einer Bitte willfahren gehoben
einer Bitte stattgeben papierdeutsch
jmdm. eine Bitte versagen, verweigern
jmdn. mit Bitten bestürmen, bedrängen
an jmdn. eine Bitte richten
auf jmdn. mit Bitten einstürmen
in jmdn. mit Bitten dringen
etw. geschieht auf jmds. Bitte (hin)
alle Bitten haben nichts geholfen
Ich sei, gewährt mir die Bitte, / In eurem Bunde der Dritte [SchillerBürgschaft]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bitten · bitte · verbitten · Bitte · Abbitte · Fürbitte · Bittschrift · Bittsteller
bitten Vb. ‘höflich auffordern’, ahd. bitten ‘(er)bitten, flehen, (an)beten’ (8. Jh.), mhd. bitten, auch ‘(vor Gericht) laden, wünschen, heißen, befehlen’, asächs. biddian, mnd. mnl. nl. bidden, afries. bidda, anord. biðja, schwed. bedja, got. bidjan (germ. *bedjan). Die Etymologie ist umstritten. Denkbar ist Verwandtschaft mit aind. bā́dhatē ‘drückt, drängt, zwingt’, für das unter Berufung auf aind. jñubā́dh- ‘die Knie beugend’ eine ältere Bedeutung ‘beugt (nieder)’ erschlossen wird. Dazu stellt man toch. B peti ‘Achtung, Verehrung’. Damit ergäbe sich für bitten Zugehörigkeit zu einer Wurzel ie. *bhedh- ‘krümmen, beugen, drücken, plagen’. Doch auch Zusammenhang mit ahd. mhd. beiten ‘vorwärtsdrängen, Zwang ausüben’, aengl. bǣdan ‘dringend bitten, drängen, zwingen’, anord. beiða ‘fordern, verlangen’, got. baidjan ‘antreiben, zwingen’ ist möglich. Dann wäre mit aslaw. běditi ‘nötigen, zwingen’, russ. (älter) bedít’ (бедить) ‘Leid antun’, russ. pobedít’ (победить) ‘(be)siegen’, griech. pé͞ithein (πείθειν) ‘überreden, überzeugen’, medial ‘(ver)trauen, sich überreden lassen’ an die Wurzel ie. *bheidh- ‘zureden, zwingen’, medial ‘sich einreden lassen, vertrauen’ anzuknüpfen. Die germ. Grundform von bitten gehört in diesem Fall zur Schwundstufe der Wurzel und wäre sekundär in die Ablautreihe anderer starker j-Präsentien (wie sitzen, liegen) übergetreten. Auf Grund der These, daß anlautendes ie. gṵh- zu b- geworden sei, tritt Seebold 93 für eine dritte Möglichkeit ein und geht von einer Kontamination der Wurzeln ie. *bheidh- (s. oben) und ie. *gṵhedh- ‘bitten, verlangen’ aus, wozu griech. pothé͞in (ποθεῖν, aus *gṵhodh-) ‘ersehnen’, air. guidid ‘bittet’, lit. gedáuti ‘wünschen, begehren, heischen’, aslaw. žędati ‘dürsten, verlangen, ersehnen’, russ. (älter) žadát’ (жадать) ‘begehren, dürsten, lechzen’, russ. žádnyj (жадный) ‘gierig, unersättlich, habsüchtig, geizig’. S. auch ↗Gebet, ↗betteln. Die adverbial gebrauchte Höflichkeitsformel bitte ist eine im 18. Jh. aufkommende (in gesprochener Sprache wohl ältere) Verkürzung aus ich bitte. verbitten Vb. ‘mit Nachdruck verlangen, daß etw. unterbleibt, entschieden zurückweisen’, bes. sich etw. verbitten (18. Jh.), zuvor ‘etw. erbitten, für jmdn. eintreten’ (16. Jh.). Bitte f. ‘inständig oder höflich vorgetragener Wunsch’, Neubildung des 15. Jhs. zum Verb, ahd. beta ‘Bitte, Gebet’ (9. Jh.), mhd. bet(e), auch ‘Gebot, Abgabe’ (wozu asächs. beda, mnd. bēde, mnl. bede, aengl. bedu, got. bida) ablösend. Abbitte f. ‘Bitte um Verzeihung’, vgl. Abbitte tun, leisten (16. Jh.). Fürbitte f. ‘Bitte (bes. im Gebet) für einen anderen’ (16. Jh.). Bittschrift f. (16. Jh.), für gleichbed. lat. supplicātio. Bittsteller m. ‘wer (an höherer Stelle) eine Bitte um Hilfe vorträgt’ (18. Jh.).
OpenThesaurus (09/2016)

Thesaurus

Synonymgruppe
Unterbegriffe
  • E-Petition · Online-Petition
Assoziationen
Synonymgruppe
Anliegen · Ansuchen · Antrag · Desiderat  geh. · Desideratum  geh. · Ersuchen · freundliches Ersuchen  geh. · Gesuch · Nachfrage · Wunsch · Wunschliste
Unterbegriffe
Assoziationen
  • (...) möchte · (...) würde gerne · (einen) Wunsch haben · (jemandem) (ein) Anliegen sein · (jemandem) (ein) Bedürfnis sein · am Herzen liegen
  • Bettelbrief · Bittbrief
Oberbegriffe
Religion
Synonymgruppe
Fürbitte · Litanei · Rogation
DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auf Bitten der Mutter, die vier Kinder alleine erzieht, haben wir das aber vorgezogen.
Die Zeit, 19.01.2012 (online)
Bitte nicht nur auf die klangvollen Namen schauen, es kommt auch auf die Inhalte an.
Süddeutsche Zeitung, 16.06.2003
Größere Bitten bringst du am besten persönlich, und wenn das nicht möglich ist, schriftlich vor.
Franken, Konstanze von [d.i. Stoekl, Helene]: Handbuch des guten Tones, Berlin: Hesse 1936, S. 316
Es war unmöglich, allen die Bitte, aus der Nähe zuschauen zu dürfen, zu gewähren.
Kafka, Franz: In der Strafkolonie. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1914], S. 3406
Ein zweites Mal hätte ich wohl nicht die Kraft, Deinen heißen Bitten zu widerstehen.
Courths-Mahler, Hedwig: Ich lasse dich nicht, Augsburg: Weltbild Verl. 1992 [1912], S. 175
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Entschuldigung Papstes Stellungnahme Vaterunsers Vergebung Verzeihung abschlagen ausdrückliche ausschlagen dringende dringliche eindringliche entsprechende entsprochen erhört flehentliche gewandt geäußerte herangetragen herangetreten herzliche höfliche inständigen nachkommen richtete schriftliche vorgetragen vorgetragene wiederholten übermittelt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Bitte‹.