Blöße, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Blöße · Nominativ Plural: Blößen
WorttrennungBlö-ße
Wortbildung mit ›Blöße‹ als Letztglied: ↗Bergblöße · ↗Sandblöße · ↗Waldblöße
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
Nacktheit
Beispiele:
seine Blöße bedecken, zudecken
ein Mantel zur Bedeckung der Blöße
in seiner ganzen, in voller Blöße
Sie werden ... nicht Schaden nehmen durch meine Blöße [Th. MannKrull8,294]
übertragen sich [Dativ] eine Blöße gebensich blamieren, eine Schwäche zeigen
Beispiele:
der Redner wollte sich vor ihnen keine Blöße geben
er gab sich eine Blöße nach der anderen, bot mehrfach Blößen
eine Blöße des Gegners entdecken, finden
2.
baumlose Stelle im Wald
Beispiele:
der Weg führte über eine blumige Blöße, über kahle Blößen
am Rande einer Blöße
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bloß · Blöße · bloßstellen · entblößen
bloß Adj. ‘nackt, unbedeckt, rein, ausschließlich’. Die westgerm. Formen ahd. blōʒ (8. Jh.; wohl versehentliche Wiedergabe von lat. superbus ‘stolz’), mhd. blōʒ ‘nackt, unverhüllt, entblößt, nicht bewaffnet, frei von’, mnd. blōt ‘nackt, ungeschützt, frei von, arm’, mnl. nl. bloot ‘nackt, arm’, aengl. blēat ‘elend (?)’ sowie die unten angeführten nord. Belege betrachtet man als verwandt mit den unter ↗blöd (s. d.) genannten. Verschiedener Beurteilung unterliegt dabei allerdings das schwierige semantische Verhältnis der einzelnen Wortgruppen zueinander. Das Problem erwächst aus der Bedeutung der skandinav. Formen anord. blautr ‘weich, zart, schwach, furchtsam, geistesschwach’, meist aber ‘feucht, naß, sumpfig’, schwed. blöt ‘naß, durchnäßt’, älter ‘weich, schwach, zaghaft’. Einige vermuten eine Bedeutungsentwicklung, die von ‘weich’ über ‘durchweicht’ zu ‘naß, feucht’ führt, andere sehen umgekehrt die skandinav. Bedeutung ‘feucht, naß’ als ursprünglich an und leiten daraus die Bedeutungen ‘weich, schwach, arm, elend’ ab, verknüpfen also den gesamten Wortkomplex mit dem unten genannten ie. *bhleu-. Drittens nimmt man Zusammenfall zweier Bildungen an, von denen die eine in unmittelbarem Zusammenhang mit blöd(e) steht, die andere dagegen (mit der ursprünglichen Bedeutung ‘feucht, naß’) auf dem auch in lat. fluere ‘fließen’, griech. phlydarós (φλυδαρός) ‘durch Nässe aufgeweicht, matschig’ enthaltenen ie. *bhleu- ‘aufblasen, überwallen, fließen’ (zur Wurzel ie. *bhel-, s. ↗Ball) beruht. bloß Adv. ‘nur’ kommt vom 15. Jh. an im Anschluß an die Bedeutung des Adjektivs ‘rein, ausschließlich’ in Gebrauch. Blöße f. ‘Nacktheit, bloße Stelle, Waldlichtung’, mhd. blœʒe, Ableitung vom Adjektiv. Die Redewendung sich eine Blöße geben ‘eine schwache Stelle zeigen’ (18. Jh.) ist eine Fügung aus der Fechtersprache wie vielleicht auch das Kompositum bloßstellen Vb. ‘blamieren’ (2. Hälfte 16. Jh.). entblößen Vb. ‘bloß machen’, mhd. enblœʒen, Präfixbildung (s. ↗ent-) neben gleichbed. mhd. blœʒen.

Thesaurus

Synonymgruppe
(das) Nacktsein · Blöße · Hüllenlosigkeit · nackte Haut  ●  ↗Nacktheit  Hauptform · ↗Nudität  fachspr. · nackte Tatsachen  ugs., scherzhaft
Assoziationen
  • Anhänger der Freikörperkultur · FKK-Anhänger · ↗FKKler · ↗Naturist · ↗Nudist
  • ausgezogen · ↗blank · entblättert · entblößt · enthüllt · entkleidet · ↗hüllenlos · mit bloßer Haut · nichts anhaben · ↗textilfrei · ↗unbekleidet  ●  im Adamskostüm  männl. · im Evakostüm  weibl. · im Evaskostüm  weibl. · im Naturzustand  scherzhaft · ↗nackend  regional · ↗nackt  Hauptform · wie Gott ihn schuf  männl. · wie Gott sie schuf  weibl. · barfuß bis zum Hals  ugs. · nackert  ugs., süddt. · nackicht  ugs. · ↗nackig  ugs. · ↗pudelnackt  ugs. · ↗splitterfasernackt  ugs. · ↗splitternackt  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bedeckung Feigenblatt Frau Nacktheit Schwäche aufdecken ausnutzen bedecken decken derartig empfindlich entdecken enthüllen entscheidend geben gefährlich geistig gering kaschieren lauern peinlich unnötig verbergen verdecken verhüllen vermeiden zudecken Ästhetik

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Blöße‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Deshalb dürfen wir uns auf keinen Fall eine Blöße geben.
Bild, 01.12.2001
Doch wie verführerisch lockt doch diese Eva in paradiesischer Blöße.
Die Welt, 24.11.2000
So eine Blöße wie gegenüber Frau Vogt werde ich mir nicht noch einmal geben.
Jentzsch, Kerstin: Seit die Götter ratlos sind, München: Heyne 1999 [1994], S. 151
Es heiligt oder verwirft, ohne auch nur die richterliche Hand zu heben, kraft seiner Blöße allein.
Kolbenheyer, Erwin Guido: Das Gestirn des Paracelsus, München: J.F. Lehmanns 1964 [1921], S. 940
Die salzigen Tropfen liefen in seine Augen, er blinzelte, wagte aber nicht, den Schweiß abzuwischen, um sich keine Blöße zu geben.
Moers, Walter: Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 964
Zitationshilfe
„Blöße“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Blöße>, abgerufen am 17.10.2019.

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