Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Bleibe, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Bleibe · Nominativ Plural: Bleiben · wird meist im Singular verwendet
Aussprache 
Worttrennung Blei-be (computergeneriert)
eWDG

Bedeutung

Unterkunft, Herberge, Obdach
Beispiele:
eine Bleibe suchen, finden
eine, keine Bleibe haben
jmdm. eine Bleibe anbieten, zuweisen, geben
sich nach einer anderen Bleibe umsehen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bleiben · verbleiben · Verbleib · unterbleiben · übrigbleiben · Überbleibsel · bleibenlassen · Hinterbliebene(r) · Bleibe
bleiben Vb. ‘einen Ort nicht verlassen, einen bestimmten Zustand beibehalten, übrig sein’, ahd. bilīban ‘(weg-, unter)bleiben’ (8. Jh.), mhd. belīben, blīben, mnd. mnl. blīven, nl. blijven, aengl. belīfan sind Präfixbildungen zu einem untergegangenen Simplex germ. *līƀan, zu dem auch die Kausativa ahd. leiben ‘hinterlassen, übriglassen’, aengl. lǣfan, anord. leifa gehören. Die germ. Formen verbinden sich mit aind. limpáti ‘schmiert, klebt (an)’, griech. lípos (λίπος) ‘Fett’, lit. lìpti ‘kleben (bleiben), klebrig sein’, aslaw. prilьpěti ‘anhaften’ und führen auf ie. *leip- ‘mit Fett beschmieren, kleben’, eine Erweiterung der Wurzel ie. *lei- ‘schleimig, schmieren’ (s. Leim), so daß für bleiben von ‘klebenbleiben, haften’ auszugehen ist (dazu s. auch leben). Möglich ist für germ. Formen mit der Bedeutung ‘übrigbleiben, -lassen’ aber auch ursprüngliche Zugehörigkeit zur Wurzel ie. *leiku̯- (s. elf und leihen). – verbleiben Vb. ‘an einem Aufenthaltsort oder in einem Zustand bleiben’, ferner ‘übereinkommen’, mhd. verblīben, verlīben ‘bleiben, ausbleiben’; dazu Verbleib m. ‘das Verweilen, Aufenthaltsort’ (aus der Kanzleisprache des 18. Jhs.). unterbleiben Vb. ‘nicht geschehen, nicht stattfinden’, seit frühnhd. Zeit belegt, doch vgl. spätmhd. underblībunge. übrigbleiben Vb. ‘als Rest zurückbleiben’ (15. Jh.), älter (heute umgangssprachlich, vornehmlich nordd.) überbleiben, mhd. überbelīben, mnd. ōverblīven, nl. overblijven; vgl. ahd. urbarlīban ‘übrigbleiben’ (9. Jh.); dazu Überbleibsel n. ‘kleiner Rest’ (17. Jh.); vgl. nl. overblijfsel. bleibenlassen Vb. ‘unterlassen, nicht mehr tun’, mhd. in der Fügung belīben lāʒen. Hinterbliebene(r) m. f. ‘Angehörige(r) eines Verstorbenen, Leidtragende(r)’ (18. Jh.), substantiviertes Part. Prät. zu dem heute untergegangenen Verb hinterbleiben ‘zurückbleiben’ gegenüber einem Scheidenden, Weggehenden. Bleibe f. ‘Aufenthaltsort, Unterkunft, Herberge’ (19. Jh.), besonders durch die Jugendbewegung verbreitet; älter, heute aber aufgegeben, sind gleichbed. Bleibeort m. und Bleibestätte f. (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Bleibe · Herberge · Unterkunft
Oberbegriffe
Synonymgruppe
(jemandes) Zuhause · Bleibe · Domizil · Heim · Heimstatt · Herberge · Residenz · Unterkunft · Wohnstatt · Wohnstätte  ●  Apartment  engl. · Behausung  abwertend · Obdach  Amtsdeutsch · Wohneinheit  kaufmännisch · Wohnung  Hauptform · (die eigenen) vier Wände  ugs. · (jemandes) Reich  ugs., fig. · Bude  ugs., salopp · Butze  ugs., abwertend · Dach über dem Kopf  ugs. · Dach überm Kopf  ugs. · Logement  geh., franz., veraltet
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Heim  ●  Haus  Hauptform · Behausung  ugs. · Bude  ugs. · Hütte  ugs.
  • (etwas) sein Zuhause nennen · (irgendwo) zu Hause sein · (sein) Zuhause haben · jemandes Zuhause sein · leben  ●  hausen  abwertend · wohnen  Hauptform · (irgendwo) hocken  ugs., salopp · residieren  geh.
  • Am schönsten ist es doch zu Hause. · Zu Hause ist es doch am schönsten.  ●  Daheim ist es am schönsten.  Spruch · Trautes Heim, Glück allein.  sprichwörtlich
  • Es geht nichts über ein eigenes Zuhause.  ●  My home is my castle.  Sprichwort, engl.
  • Eigener Herd ist Goldes wert.  veraltend, Sprichwort · Dahoam is dahoam.  ugs., bayr.

Typische Verbindungen zu ›Bleibe‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Bleibe‹.

Verwendungsbeispiele für ›Bleibe‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie haben doch keine Bleibe mehr, und ich bin allein. [Bieler, Manfred: Der Bär, Hamburg: Hoffmann und Campe 1983, S. 87]
Dann beginnt eine verzweifelte Suche nach einer Bleibe für die Nacht. [Hijiya-Kirschnereit, Irmela: Selbstentblößungsrituale, Wiesbaden: Steiner 1981, S. 160]
Aber wir haben doch eine Bleibe, und das Ende scheint wirklich, diesmal wirklich nahe. [Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1945. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1945], S. 105]
Sie sucht eine Bleibe irgendwo in der Nähe des Hospitals. [Die Zeit, 24.06.1999, Nr. 26]
Er hatte keine Bleibe, ich bot ihm an, bei mir zu übernachten. [konkret, 1997]
Zitationshilfe
„Bleibe“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Bleibe>.

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