Blindschleiche, die

GrammatikSubstantiv (Femininum)
Aussprache
WorttrennungBlind-schlei-che
eWDG, 1967

Bedeutung

unterschiedlich gefärbte, harmlose Eidechsenart ohne Beine, die Schnecken und Würmer frisst
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

blind · Blinddarm · blindlings · Blindschleiche
blind Adj. ‘ohne Sehvermögen, trübe’, ahd. (8. Jh.), mhd. mnd. mnl. blint, asächs. nl. afries. aengl. engl. blind, anord. blindr, schwed. blind, got. blinds (germ. *blenda-) sowie faktitives ↗blenden (s. d.) werden außergerm. mit aslaw. blęsti ‘irren, schwatzen’, blędь ‘Irrtum, Betrug’, lit. blandùs ‘unrein, trüb, düster, dunkel’, lett. blenzt ‘angaffen, glotzen’ auf ie. *bhlendh- ‘trübe sein oder machen, irren, schlecht sehen’ zurückgeführt, das vermutlich zur Wurzel ie. *bhel- ‘glänzen(d), weiß’ gehört. Blinddarm m. ‘sackartiger Teil des Dickdarms’, häufig nur ‘Wurmfortsatz, Appendix’ (1. Hälfte 16. Jh.), Übersetzung von lat. intestīnum caecum, griech. typhlón énteron (τυφλὸν ἔντερον) ‘blinder, geschlossener Darm’. blindlings Adv. ‘unvorsichtig, unbedacht’ (17. Jh.); s. ↗-lings. Vgl. ahd. blintilingon (9. Jh.), spätmhd. blindelingen, blindeslinge, mnd. blindelinge. Blindschleiche f. schlangenähnliche Eidechsenart, ahd. blint(o)slīhho, blint(o)slīh m. (9. Jh.), blintslīhha f. (Hs. 12. Jh.), alle als Glossierung von mlat. caecula, caeculus (zu lat. caecus ‘blind’; vgl. auch lat. caecilia für eine Eidechsenart), mhd. blintslīche m. f., asächs. blindslēko m., mnd. blintslīker. Eigentl. ‘blinde(r) Schleiche(r)’, zu ↗schleichen (s. d.). Zugrunde liegt die irrtümliche, bereits in der Antike (Plinius u. a.) verbreitete Vorstellung von der Existenz blinder Schlangen. Der dt. Name hat den Fortbestand dieses Irrtums gefördert. Keinen Bezug zu blind und germ. *slīk- ‘schleichen’ zeigen aengl. slāw-wyrme, engl. slow-worm, schwed. ormslå. Die germ. -k-Formen dürfen daher als kontinentalgerm. Eigenart angesehen werden.

Thesaurus

Zoologie
Synonymgruppe
Blindschleiche  ●  Anguis fragilis  fachspr., lat. · Hartwurm  ugs., landschaftlich · Haselwurm  ugs., landschaftlich
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Eidechse Kreuzotter Kröte Ringelnatter Schlange

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Blindschleiche‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das alles tat ich früher mit der optischen Wahrnehmung einer Blindschleiche.
Die Zeit, 23.03.2000, Nr. 13
Die Zeit, sagte sie, überliste uns, sie bewege sich wie eine Blindschleiche.
Süddeutsche Zeitung, 28.09.1994
Die Blindschleiche packt ihr Weibchen mit den Zähnen am Kopf oder am Nacken.
Buddenbrock, Wolfgang von: Das Liebesleben der Tiere, Bonn: Athenäum 1953, S. 149
Viele Arbeitnehmer werden von Dilettanten geführt - von Chefs also, die kommandieren, kontrollieren und emotionale Blindschleichen sind.
Die Welt, 14.08.2004
Von den Kriechtieren begegnen wir im Wandergebiet häufig der Zauneidechse, Waldeidechse, Blindschleiche, Ringelnatter und Kreuzotter, der einzigen hier lebenden Giftschlange.
Pfannenschmidt, Helmut: Pössneck-Neustadt(orla) Ranis Triptis, Berlin-Leipzig: VEB Tourist Verlag 1977, S. 11
Zitationshilfe
„Blindschleiche“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Blindschleiche>, abgerufen am 26.08.2019.

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