Blockbuch, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Blockbuch(e)s · Nominativ Plural: Blockbücher
WorttrennungBlock-buch
WortzerlegungBlockBuch
DWDS-Vollartikel, 2017

Bedeutungen

1.
Buch (Lesart 1), dessen einzelne Seiten mithilfe jeweils dafür angefertigter Holztafeln als Holzschnitte (Lesart 1) mit Text bzw. Bildern gedruckt sind   derartige Druckerzeugnisse, die aus China bereits für das 9. Jahrhundert bezeugt sind, wurden in Europa vor allem im 15. Jahrhundert vor der Verbreitung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern hergestellt
Beispiele:
Bedeutend früher als in Europa […] hat man in China mit Holztafeln gedruckt und damit Einblattdrucke und Blockbücher produziert, Bücher, für deren Seiten Schrift und Bild zusammen in Holz geschnitzt und dann blockweise abgedruckt wurden. [Neue Zürcher Zeitung, 27.04.2000]
Das wohl wichtigste Buch in diesem Katalog ist eine in Süddeutschland von in den Niederlanden geschnittenen Holzstöcken (= Holzplatten mit eingeschnittener Zeichnung für einen Holzschnitt) gedruckte Biblia Pauperum. Von diesem um 1464 gedruckten Blockbuch sind nur drei Exemplare bekannt […]. [Süddeutsche Zeitung, 22.11.2004]
Zwei schöne Beispiele einer einfachen Bildsprache aus der Frühzeit bieten […] zwei Doppelseiten mit Szenen aus dem Neuen Testament und geschnittenem Text in lateinischer Sprache, die aus einem um 1430 in den Niederlanden gedruckten Blockbuch stammen. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.11.2003]
Nach vereinzelten […] Anfängen erlebte der Holzschnitt um 1400 in Süd- und Südostdeutschland seine erste Blüte […]. Bald folgten die ersten gedruckten Bücher, »Blockbücher« genannt, weil Bild und Text zunächst noch aus einem Holzstock geschnitten wurden. [Lehmann, A.: Malerei und Plastik. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000, S. 20664. Zitiert nach: Lehmann, A.: Malerei und Plastik. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Bd. 4, Tübingen: Mohr 1960.]
Der frühest datierte Holzschnitt ist ein heil. Christoph von 1423; danach druckte man ganze Bücher mittels geschnittener Holzplatten (sog. Blockbücher), wobei dieselbe Platte Text und Bilder umfaßte […]. [o. A.: H. In: Brockhausʼ Kleines Konversations-Lexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001, S. 32421. Zitiert nach: o. A.: H. In: Brockhausʼ Kleines Konversation-Lexikon, Leipzig: F.A. Brockhaus 1906.]
2.
seltener Buch (Lesart 1), dessen Blätter in spezieller, insbesondere sogenannter japanischer Bindungsart als Block geheftet sind
Beispiele:
Das gelungene erste Blockbuch mit der originellen Fadenheftung und dem schönen Papier weckt […] den Appetit auf die nächsten Nummern. [Nürnberger Nachrichten, 20.12.1994]
Elíassons unaufwendige […] Poesie wird […] »hochgetunt« durch den üppigen Prachtband, in den der Verleger sie grosszügig verpackt hat: Blockbuch mit Fadenheftung und Lesebändchen, angereichert durch filigrane Zeichnungen […]. [Neue Zürcher Zeitung, 13.10.2011]
[…] Vorzugsausgabe als Blockbuch in japanischer Heftung. [Kohnle, Uli: Paul Scheerbart. Bellheim: Edition Phantasia 1994.]
Das Buch ist aufwendig gestaltet als Blockbuch, die dunkelgrüne Spiralheftung ist farblich abgestimmt auf Pacovskás intensive Farben. [die tageszeitung, 01.12.1990]
spezieller In seinen [des Malers] Röcken (= Jacken) war auf der linken Seite unten eine besonders große Tasche angebracht, in der ein Lederetui gerade Platz hatte, das ein Blockbuch (= einen buchähnlich gebundenen Zeichen- oder Malblock) […] barg. Mit dem Papier ging er äußerst sparsam um. [Berliner Zeitung, 06.08.1955]
3.
selten, historisch für eine Baracke im Konzentrationslager geführtes Buch (Lesart 3), in dem vor allem Angaben zu den Häftlingen verzeichnet sind
Beispiele:
Ich hielt ein 290 Seiten starkes Blockbuch des KZ Sachsenhausen in der Hand. Pedantisch genau waren dort auf zwölf Spalten die Eingänge und Ausgänge registriert. In jeder Zeile stand der Name eines Menschen mit einer Nummer, Angaben über seine abgegebenen Privatsachen, über das ihm abgenommene Privatgeld und ähnliches. [Die Zeit, 18.09.1959, Nr. 38]
Bochow war gänzlich ohne Furcht, als er das Fehlen Runkis meldete. »Sein« Blockführer […] blickte nur kurz von dem Blockbuch auf, in das er die Zahlen notierte, und fragte ohne Überraschung: »Wo ist er?« [Apitz, Bruno: Nackt unter Wölfen, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1961, S. 291. Zitiert nach: Apitz, Bruno: Nackt unter Wölfen, Halle (Saale): Mitteldeutscher Verl. 1958.]
Zitationshilfe
„Blockbuch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Blockbuch>, abgerufen am 19.10.2018.

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