Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Blut, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Blut(e)s · wird nur im Singular verwendet
Aussprache 
Wortbildung  mit ›Blut‹ als Erstglied: Blut bildend · Blut reinigend · Blut stillend · Blut-und-Boden-Dichtung · Blutabnahme · Blutader · Blutalge · Blutalkohol · Blutampfer · Blutandrang · Blutapfelsine · Blutarmut · Blutauffrischung · Blutaussauger · Blutausstrich · Blutbach · Blutbad · Blutbahn · Blutbank · Blutbann · Blutbeutel · Blutbild · Blutblase · Blutbrechen · Blutbuche · Blutdiamant · Blutdruck · Blutdurst · Blutegel · Bluteiweiß · Blutentnahme · Bluterguss · Blutfahne · Blutfaktor · Blutfarbstoff · Blutfaserstoff · Blutfehde · Blutfleck · Blutgefäß · Blutgeld · Blutgerichtsbarkeit · Blutgerinnsel · Blutgerinnung · Blutgerüst · Blutgeschwür · Blutgier · Blutgruppe · Blutgrätsche · Bluthochdruck · Bluthund · Bluthusten · Blutklumpen · Blutkonserve · Blutkonservierung · Blutkrankheit · Blutkrebs · Blutkreislauf · Blutkruste · Blutkuchen · Blutlache · Blutlaugensalz · Blutlaus · Blutleere · Blutmangel · Blutmehl · Blutmenge · Blutmond · Blutopfer · Blutorange · Blutorgie · Blutpfropf · Blutplasma · Blutprobe · Blutprodukt · Blutpumpe · Blutrache · Blutrausch · Blutreinheit · Blutrichter · Blutrinnsal · Bluträcher · Blutsauger · Blutsband · Blutsbruder · Blutsbrüderschaft · Blutschande · Blutschuld · Blutschwamm · Blutschwämmchen · Blutsee · Blutsenkung · Blutserum · Blutsgemeinschaft · Blutspende · Blutspender · Blutspritzer · Blutspur · Blutstatus · Blutstauung · Blutstiller · Blutstrahl · Blutstriemen · Blutstrom · Blutstropfen · Blutstuhl · Blutsturz · Blutsverwandtschaft · Blutsäufer · Bluttat · Bluttransfer · Bluttransfusion · Bluttropfen · Blutumlauf · Blutuntersuchung · Bluturteil · Blutverdünner · Blutverdünnung · Blutvergiftung · Blutverlust · Blutwasser · Blutwelle · Blutwert · Blutwunder · Blutwurst · Blutwurzel · Blutwärme · Blutzelle · Blutzeuge · Blutzirkulation · Blutzoll · Blutzucker · Blutzufuhr · Blutzusammensetzung · Blutübertragung · blutarm · blutbedeckt · blutbefleckt · blutbenetzt · blutbesudelt · blutbildend · blutdürstig · blutig · blutleer · blutlos · blutlüstern · blutreinigend · blutrot · blutrünstig · blutsauer · blutsaugend · blutsmäßig · blutstillend · blutsverwandt · blutunterlaufen · blutvoll · blutwarm
 ·  mit ›Blut‹ als Letztglied: Artistenblut · Bauernblut · Circusblut · Drachenblut · Eigenblut · Filmblut · Fischblut · Frischblut · Halbblut · Hasenblut · Heldenblut · Herzblut · Kaltblut · Konservenblut · Kunstblut · Künstlerblut · Mischblut · Musikantenblut · Negerblut · Ochsenblut · Rebenblut · Spenderblut · Theaterblut · Traubenblut · Vagabundenblut · Vollblut · Warmblut · Zirkusblut
 ·  mit ›Blut‹ als Grundform: Geblüt · blut- · bluten
 ·  formal verwandt mit: blaublütig · dünnblütig · heißblütig · schwerblütig
eWDG

Bedeutungen

1.
rote Flüssigkeit, die, vom Herzen angetrieben, in den Arterien und Venen der Menschen und vieler Tiere zirkuliert und die Ernährung der Zellen und den Stoffwechsel besorgt
Beispiele:
gesundes, krankes, hellrotes, dunkelrotes, konserviertes Blut
ein Tropfen Blut
das Blut zirkuliert im Körper, strömt zum Herzen, pulst, fließt durch die Adern, pocht in den Schläfen, schießt aus der Schlagader, strömt aus der Wunde, sickert durch den Verband, stürzt aus der Nase, gerinnt
das Blut stieg ihm in den Kopf, zu Kopfe, schießt ihr ins Gesicht, zum Herzen
alles Blut wich aus ihrem Gesicht
vor Schreck erstarrte, stockte ihr das Blut in den Adern
sein Blut geriet in Wallung (= er verlor die Fassung)
das hervorströmende Blut stillen
jmdm. etwas Blut zu einer Untersuchung entnehmen
er hat bei der Operation viel Blut verloren
Blut husten, spucken
Blut spenden, übertragen
die Schlange saugte dem Kaninchen das Blut aus
das Blut beim Schlachten auffangen, rühren
der Gehalt des Blutes an Hämoglobin
er lag in seinem Blut (auf der Straße)
so weiß wie Schnee, so rot wie Blut [ GrimmSchneew.1,182]
Blut ist ein ganz besondrer Saft [ GoetheFaustI 1740]
Da wallt dem Deutschen auch sein Blut [ UhlandSchwäb. Kunde]
bildlich
Beispiele:
dieses Stück Erde war mit Blut getränkt (= furchtbare Kämpfe hatten sich darauf abgespielt)
der Aufstand wurde im Blut erstickt (= gewaltsam niedergeschlagen)
an jmds. Hand klebt Blut, jmd. ist mit Blut befleckt, besudelt (= er hat gemordet)
jmd. hat Blut geleckt (= jmd. hat Geschmack an etw. gefunden)
Armer Junge, der den Sieg unserer Waffen mit seinem Blute besiegelt hatte (= dafür gestorben war) [ A. ZweigJunge Frau207]
übertragen Veranlagung, Wesen
Beispiele:
er hat hitziges, feuriges, stürmisches, heißes, leichtes, kühles Blut
das Vorkommnis machte, erregte viel böses Blut (= erregte Unwillen)
und sah's mit kaltem Blute [ SchubertForelle]
Hab oft einen dumpfen, düstern Sinn, / Ein gar so schweres Blut [ GoetheChristel1,21]
2.
Sonderbedeutungen
Beispiele:
oft scherzhaftblaues Blut (= adlige Abstammung)
gehobenmein (eigen) Fleisch und Blut (= mein Kind, meine Kinder)
gehobendie (natürlichen, unzerreißbaren) Bande des Blutes (= der Verwandtschaft)
umgangssprachlichein junges Blut (= junger Mensch)
umgangssprachlichsie sieht aus wie Milch und Blut (= jugendfrisch)
umgangssprachlich Blut (und Wasser) schwitzen (= in großer Angst, Aufregung sein)
umgangssprachlichMusik liegt, sitzt, steckt ihm im Blut (= er ist musikbegabt)
umgangssprachlichdiese Musik geht ins Blut (= regt stark an)
umgangssprachlichjmdn. bis aufs Blut (= bis aufs äußerste) ärgern, schinden, peinigen, reizen, quälen, hassen, verfolgen
umgangssprachlichdieser Handgriff ist ihr in Fleisch und Blut übergegangen (= sie führt ihn aus, ohne nachzudenken)
gehobendas (edle) Blut der Reben (= Wein)
gehobenGut und Blut (= Besitz und Leben) opfern, hingeben
nazistisch Blut und Boden (= einheitliche Rasse auf territorialer Grundlage)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Blut · Blutbank · Blutbuche · bluten · Bluter · Bluthund · blutig · blutjung · blutarm · Blutrache · Blutschande · Blutschuld · blutsverwandt · Blutsverwandtschaft
Blut n. lebenserhaltende, rote Körperflüssigkeit. Ein alter ie. r/n-Stamm zur Bezeichnung des Blutes, erhalten z. B. in griech. éar (ἔαρ) ‘Blut’, wird in einzelnen ie. Sprachen, wohl aus Tabugründen, durch neue, etymologisch oft kaum deutbare Wörter ersetzt, vgl. griech. há͞ima (αἷμα) (vgl. Hämoglobin und s. Hämorrhoiden), lat. sanguis (s. sanguinisch). Zu solchen Ersatzwörtern gehört auch der gemeingerm. Ausdruck für ‘Blut’ ahd. (8. Jh.), mhd. bluot, asächs. aengl. blōd, engl. blood, mnd. blōt, mnl. bloet, nl. bloed, afries. blōd, anord. blōð, schwed. blod und mit grammatischem Wechsel got. blōþ. Diese Formen setzen germ. *blōþa- (mit Betonung auf der zweiten Silbe in allen Sprachen mit Ausnahme des Got.) voraus. Dieses läßt sich deuten als Bildung zu der in blühen, Blume, Blüte (s. d.) vorliegenden Wurzelerweiterung ie. *bhlē-, *bhlō- mit dem (auch für Verbaladjektive verwendeten) Suffix ie. -to-, germ. -þa-. Hervorquellendes Blut würde danach metaphorisch als ‘etw. üppig Gesprossenes’ vorgestellt. Oder ist in germ. *blōþa- ein vorie. Substratwort zu sehen? – Blutbank f. ‘zentrale Aufbewahrungs- und Abgabestelle für Blutkonserven’ (20. Jh.). Blutbuche f. Buche mit rötlichen Blättern (18. Jh.). Vom Substantiv abgeleitet bluten Vb. ‘Blut verlieren’, ahd. (8. Jh.), mhd. bluoten, mnd. blȫden, blōden, mnl. nl. bloeden, afries. blēda, aengl. blēdan, anord. blœða. Bluter m. ‘an der Bluterkrankheit Leidender’ (18. Jh.). Bluthund m. ‘Schweißhund’ (2. Hälfte 15. Jh.). blutig Adj. ‘voll Blut’, ahd. bluotag (8./9. Jh.), mhd. bluotec. blutjung Adj. ‘sehr jung’ (17. Jh.), Analogiebildung zu älteren Adjektivkomposita wie blutarm ‘arm bis aufs Blut’ (d. i. bis aufs Leben), ‘sehr arm’ (15. Jh.), wobei das erste Kompositionsglied intensivierenden Sinn hat und auf das Vorbild mhd. bluotrōt ‘blutrot’, d. h. ‘rot wie Blut’ als verstärkender Vergleich, zurückzuführen ist; vgl. auch ahd. bluotrōtī ‘Purpurröte’ (Hs. 12. Jh.). Dagegen (ab 19. Jh.) blutarm ‘arm an Blut, blaß, schwächlich, anämisch’. Blutrache f. ‘Tötung als Vergeltung für einen getöteten Sippenangehörigen’ (17. Jh.). Blutschande f. ‘Inzest’ (1. Hälfte 16. Jh.). Blutschuld f. ‘aus Mord erwachsene Schuld’ (16. Jh.). blutsverwandt Adj. ‘durch gleiche Abstammung verwandt’ (1. Hälfte 16. Jh.), davon abgeleitet Blutsverwandtschaft f. (1. Hälfte 16. Jh.).

Thesaurus

Biologie, Medizin
Synonymgruppe
Blut  ●  Lebenssaft  ugs., poetisch · Schweiß  fachspr., Jägersprache, Jargon · roter Saft  ugs., scherzhaft
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Blut‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Blut‹.

Menschenblut Menstruationsblut Märtyrer Opfertier Saft abnehmen böse fließen frisch geronnen gespendet getrocknet hellrot kleben lecken mütterlich sauerstoffreich saugen spenden spritzen spucken tropfen unrein venös vergießen vergossen wiener

Verwendungsbeispiele für ›Blut‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Diese Methode ist jedoch weniger genau als die Bestimmung des Alkoholgehalts im Blut. [Feuerlein, Wilhelm u. Dittmar, Franz: Wenn Alkohol zum Problem wird, Stuttgart: Thieme 1978, S. 48]
Vorher hatte sie das Blut chemisch zurechtgemacht, nun massiert sie innen die Organe. [Riemkasten, Felix: Yoga für Sie, Gelnhausen: Schwab 1966 [1953], S. 1]
Sulla war großzügig genug, in diesem Fall kein unschuldiges Blut zu vergießen. [Heuß, Alfred: Das Zeitalter der Revolution. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 20531]
Glaubt Ihr denn, ich habe kein Blut in den Adern? [Mann, Golo: Politische Entwicklung Europas und Amerikas 1815-1871. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 9123]
Es heißt zuweilen, Sie hätten preußisches Blut in Ihren Adern. [Der Spiegel, 14.10.1991]
Zitationshilfe
„Blut“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Blut>.

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