Bock, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Bock(e)s · Nominativ Plural: Böcke
Aussprache
Wortbildung mit ›Bock‹ als Erstglied: ↗Bockbier · ↗Bockleiter · ↗Bockmist · ↗Bocksbart · ↗Bocksbeutel · ↗Bocksfuß · ↗Bocksgeruch · ↗Bocksgesicht · ↗Bocksgestank · ↗Bockshorn · ↗Bockspringen · ↗Bocksprung · ↗Bockwurst · ↗Böckchen · ↗Böcklein · ↗bockbeinig · ↗bocksfüßig · ↗bocksteif
 ·  mit ›Bock‹ als Letztglied: ↗Aktenbock · ↗Alpenbock · ↗Dambock · ↗Doppelbock2 · ↗Doppelbock1 · ↗Dreibock · ↗Geißbock · ↗Gämsbock · ↗Holzbock · ↗Julbock · ↗Klavierbock · ↗Kofferbock · ↗Kontorbock · ↗Kreuzbock · ↗Kutschbock · ↗Kutscherbock · ↗Leitbock · ↗Platzbock · ↗Plättbock · ↗Prellbock · ↗Rammbock · ↗Rehbock · ↗Schafbock · ↗Schafsbock · ↗Springbock · ↗Steinbock · ↗Sturmbock · ↗Sägebock · ↗Sündenbock · ↗Waschbock · ↗Ziegenbock · ↗Zimmermannsbock · ↗Zuchtbock
 ·  mit ›Bock‹ als Binnenglied: ↗Null-Bock-Generation
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
männliches Tier bei verschiedenen Säugetieren, besonders bei der Ziege, dem Schaf, Reh, der Gämse
Beispiele:
der Bock hat krumme Hörner, ein schönes Gehörn
ein starker, störrischer, schneeweißer, graubrauner Bock
ein kapitaler Bock tauchte im Unterholz auf
der Bock stinkt, stößt mit seinen Hörnern
wie ein Böckchen, Böcklein springen, meckern
der Bock wittert, äugt, grast, frisst
Jägersprache der Bock äst
ein Bock fand sich bei dem Rudel ein, führte das Rudel an
einen Bock schießen
Böckchen, Böckchen, schiele nicht (= Kinderspiel)
salopp, übertragen einen Bock schießen, macheneinen primitiven Fehler machen
Beispiele:
er hatte mehrere (schwere) Böcke in der Übersetzung geschossen, gemacht
den Bock zum Gärtner machen (= jmdm. eine Aufgabe stellen, für die gerade er völlig ungeeignet ist)
die Böcke von den Schafen (= die Geeigneten von den Ungeeigneten) scheiden, trennen
den Bock haben (= störrisch sein)
jmdn. stößt der Bock (= jmd. ist störrisch) (= jmd. schluchzt ununterbrochen)
Schimpfwort störrischer Mensch, Dickkopf
Beispiel:
so ein sturer Bock!
stark geschlechtlich veranlagter Mensch
2.
(vierbeiniges) Gestell, Gerät
a)
das häufig paarweise aufgestellt wird, um Lasten darauf ruhen zu lassen
Beispiele:
das Waschfass stand auf zwei Böcken
ein Brett über mehrere Böcke legen
ein Tisch war aus Brettern und Böcken gebildet worden
die Ruderboote kommen im Winter auf Böcke, ruhen auf Böcken
ein Fahrzeug, eine große Maschine auf einen Bock schieben
ein hoher, niedriger, massiver Bock
b)
Turnen das verstellbar in der Höhe ist und für Sprungübungen verwendet wird
Beispiele:
Übungen am Bock
über den Bock springen
3.
Sitz für den Kutscher auf einem Pferdewagen
Beispiele:
auf den Bock klettern
auf dem Bock sitzen
vom Bock herabspringen
sich vom Bock schwingen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Bock · bocken · verbocken · bockig · bockbeinig · Bockshorn
Bock m. Bezeichnung für das männliche Tier bei verschiedenen geweih- oder gehörntragenden Säugern, vornehmlich ‘Ziegenbock’. Ahd. boc, buc (9. Jh.), mhd. boc, aengl. buc, engl. buck, mnd. buk, bok, mnl. boc, buc, nl. bok, anord. bukkr, bokkr, schwed. bock, dän. buk führen auf germ. *bukkaz. Dies weist Konsonantengemination auf, wie sie zumindest teilweise auch für die kelt. Formen mir. bocc, ir. boc, korn. boch vorausgesetzt wird. Fraglich ist, wieweit es sich dabei um eine Entlehnung des Germ. aus dem Kelt. oder umgekehrt handelt. Offen bleibt, ob germ. bzw. kelt. -kk- auf affektischer Konsonantenschärfung beruht oder auf eine Ausgangsform ie. *bhug̑nós ‘Bock’ hinweist. Aus ie. *bhū̌g̑- leiten sich auch die ostie. Bezeichnungen ab wie awest. būza- ‘Ziegenbock’, armen. buc ‘Lamm’. Im Nhd. wird das Wort im Hinblick auf die Steifbeinigkeit eines störrischen Bockes auf ein hölzernes Gestell (15. Jh.; vgl. Sägebock), eine Belagerungsmaschine (16. Jh.), den Kutschersitz (16. Jh.?, vgl. Kutschbock), das Turngerät für Sprungübungen (19. Jh.) übertragen. In der Sprache der Schützengilden (16. Jh.) bedeutet Bock ‘Fehlschuß’, im 18. Jh. wird es in die Allgemeinsprache für ‘Fehler’ übernommen und ist in der Wendung einen Bock schießen ‘einen großen Fehler machen’ geläufig. Beim Preisschießen der Schützengilden gewann zuweilen der schlechteste Schütze als Verhöhnung (im Hinblick auf den Bocksgeruch) einen Ziegenbock (wie später ein Holz- oder Spielzeuggewehr). In der Jugendsprache steht Bock für ‘Appetit, Lust, innerer Antrieb’ (2. Hälfte 20. Jh.), vgl. (keinen) Bock, Null-Bock haben, wohl anknüpfend an rotw. Bock ‘Hunger’ und geil (‘sexuell erregt’) wie ein Bock. bocken Vb. ‘steifbeinig, widerspenstig sein, nicht gehorchen’ (16. Jh.), ahd. bockōn, bucken (9. Jh.), mhd. bocken ‘wie ein Bock stoßen’. verbocken Vb. ‘etw. falsch machen, verpfuschen’, gebildet (19. Jh.) wohl in Anlehnung an die Wendung einen Bock schießen (s. oben). bockig Adj. ‘störrisch’ (19. Jh.), älter bockicht (16. Jh.). bockbeinig Adj. ‘steifbeinig wie ein Bock’, (16. Jh.), im übertragenen Sinne ‘störrisch, widerspenstig’ im 18. Jh. in die Literatursprache aufgenommen, eigentlich ‘sich mit gespreizten Beinen sträubend wie ein Bock’. Bockshorn n. Horn des Ziegenbocks (mhd. bockes horn, frühnhd. buxhorn, 15. Jh.). Auch Name für Pflanzen, besonders für deren Früchte, sowohl der Röhrenkassie (mhd. bokishorn, 13. Jh.), als auch des Bockshornklees (16. Jh.). Die Fruchthülsen können wegen ihrer Form und ihrer paarweisen Anordnung an die Hörner eines Bockes erinnern; vgl. Marzell 1, 862 und 4, 805. In phraseologischer Wendung jmdn. ins Bockshorn jagen ‘einschüchtern’ (1. Hälfte 16. Jh.); zunächst (1478) jmdn. in ein Bockshorn stoßen (dann auch treiben, zwingen), wofür die Deutungsversuche unsicher bleiben, vgl. Heinermann in: PBB 67 (1945) 248 ff.

Thesaurus

Synonymgruppe
Freude · ↗Genuss · ↗Lust · ↗Spaß · ↗Vergnügen · ↗Wohlgefallen  ●  Bock  ugs. · ↗Fez  ugs. · ↗Gaudi  ugs.
Unterbegriffe
  • Häme · boshaftes Vergnügen · diebische Freude  ●  ↗Schadenfreude  Hauptform · Schadensfreude  selten
Assoziationen
Synonymgruppe
Bock · ↗Geiß · ↗Geißbock · ↗Ziege · ↗Ziegenbock  ●  ↗Hippe  regional
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
  • Bharal · Blauschaf · Nahur  ●  Pseudois nayaur  fachspr., lat., griechisch
Technik
Synonymgruppe
Auflagebock · Bock
Synonymgruppe
Krad · ↗Kraftrad · ↗Motorrad  ●  ↗(heißer) Ofen  ugs. · Bock  ugs. · ↗Feuerstuhl  ugs. · ↗Maschine  ugs. · ↗Töff  ugs., schweiz.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Enduro · Geländemotorrad
Assoziationen
  • Motorrad mit Beiwagen · Motorradgespann
Eisenbahn
Synonymgruppe
Führerstand  ●  Bock  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bock Brett Geiß Grätsche Gärtner Hase Hirsch Horn Jagdzeit Kutscher Mutterschaf Muttertier Schaf Widder Ziege abschießen blau draufhaben erlegen fett geil hocken hölzern kapital scheiden schießen schwingen stinkend stur umstoßen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Bock‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ihr seid halt eine Stunde zu spät angekommen, da hatte ich schon keinen Bock mehr.
Die Welt, 03.08.2002
Früher haben wir stundenlang irgendwo im Wald auf einen Gegner gewartet, da habe ich heute keinen Bock mehr drauf.
Bild, 24.06.1998
Wir erwähnen ihn hier nicht wegen der vermutlich zahlreichen Böcke, die er geschossen hat.
Graudenz, Karlheinz u. Pappritz, Erica: Etikette neu, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1967 [1956], S. 233
Ich will Dir nichts verheimlichen aber ich muß zugeben, ich bin doch rot geworden aufgrund dieser blöden Böcke.
Brief von Ernst G. an Irene G. vom 06.04.1941, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Als er sich ausgetobt hatte, stieg er vom Bock herunter.
Renn, Ludwig [d. i. Vieth v. Golßenau, Arnold Friedrich]: Krieg - Nachkrieg, Berlin: Aufbau-Verl. 1951 [1930], S. 903
Zitationshilfe
„Bock“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Bock>, abgerufen am 19.10.2019.

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