Boheme, die

Alternative SchreibungBohème
GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Boheme · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungBo-he-me ● Bo-hè-me (computergeneriert)
HerkunftFranzösisch
eWDG, 1967

Bedeutung

Kreis einer ungebunden lebenden Künstlerschar, die halb genial, halb verbummelt und häufig ohne ernsthafte Tätigkeit ist
Beispiele:
er verkehrte in der Boheme von Paris, fand Zutritt zur Boheme von München
die lärmende, lustige, tolle, unbekümmerte, hungernde Boheme
die malende, literarische, dichtende Boheme
das Leben der Boheme
im Café, in den Ateliers, im Sumpf der Boheme
Leben und Milieu einer ungebunden lebenden Künstlerschar
Beispiel:
Bohème, psychologisch gesehen, ist ja nichts anderes als soziale Unordentlichkeit, das in Leichtsinn, Humor und Selbstironie aufgelöste schlechte Gewissen im Verhältnis zur bürgerlichen Gesellschaft [Th. Mann11,452]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Boheme f. ‘Kreis, Milieu ungebunden lebender Künstler’. In frz. Bohême (älter Bohème) lebt mlat. Bohemia ‘Böhmen’ weiter; frz. bohème setzt mlat. Bohemus ‘Einwohner Böhmens’ fort. Da man Böhmen für die Heimat der Westeuropa durchziehenden Zigeuner hält, gewinnt mfrz. frz. bohème zugleich die Bedeutung ‘Zigeuner(in)’ und bezeichnet als Großstadtwort seit Ende des 17. Jhs. auch den, ‘der ein ungeregeltes, unbürgerliches Leben führt’. In dieser Bedeutung wird es um die Mitte des 19. Jhs. auf die Studenten und Künstler des Pariser Quartier latin bezogen. Dazu stellt sich frz. la bohème als Gesamtheit dieser halb genialen, halb verbummelten Welt. Bald nach der Mitte des 19. Jhs. wird der Ausdruck ins Dt. übernommen, gewinnt aber erst durch Puccinis Oper „La Bohème“ (1895) an Verbreitung.

Thesaurus

Synonymgruppe
Künstlermilieu  ●  Bohème  franz.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Berliner Bourgeoisie Bürger Diktatur Hang Hauch Jahrhundertwende Kreis Leben Milieu Münchner Pariser Prenzlauer Schwabinger Treffpunkt böhmisch bürgerlich digital intellektuell künstlerisch link literarisch städtisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Boheme‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Drinnen sieht es aus wie überall, wo die Boheme sesshaft geworden ist.
Die Zeit, 06.04.2006, Nr. 15
Sie paßte ideal zu der neuen städtischen Boheme, die mit der frischgewaschenen Doris Day nicht mehr viel anfangen konnte.
Die Welt, 09.06.2005
Die Boheme war nicht nur Gegenkultur, heißt es kleinlaut im Museum.
konkret, 1997
Ein Jahrhundert lang gab die Boheme dem neokynischen Impuls ein soziales Obdach.
Sloterdijk, Peter: Kritik der zynischen Vernunft Bd. 1, Frankfurt: Suhrkamp 1983, S. 225
Das war seine Boheme, das war seine Jugend, und schön ist die Jugend, sagte das Lied, und sie kam nicht wieder.
Koeppen, Wolfgang: Der Tod in Rom. In: ders., Drei Romane, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1972 [1954], S. 396
Zitationshilfe
„Boheme“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Boheme>, abgerufen am 23.03.2019.

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