Bolle, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Bolle · Nominativ Plural: Bollen
Aussprache
WorttrennungBol-le
eWDG, 1967

Bedeutung

berlinisch
1.
große Zwiebel
2.
salopp Loch im Strumpf
Beispiel:
Hat keene Bollen in die Strümpfe [DöblinAlexanderpl.374]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Zwiebel · Bolle · zwiebeln
Zwiebel f. stark würzende Küchenpflanze, ahd. zwibolla f. (11. Jh.), zibolla f. (Hs. 12. Jh.), zibollo m. (11. Jh.), zwibollo m. (Hs. 12. Jh.), mhd. zwibolle, zibolle m. f. (und zahlreiche Varianten) ist entlehnt (wohl in südd. Klöstern) aus spätlat. cēpula f. (in Glossen auch cipulla, cibulla, cibula; vgl. ital. cipolla), dem Deminutivum zu lat. cēpa ‘Zwiebel’ (einem östlichen Handelswort?). Die dt. Formen werden im ersten Bestandteil bereits im Ahd. angelehnt an ahd. zwi- ‘zweifach, doppelt’ (s. ↗zwie-), im zweiten Bestandteil an ahd. bolla ‘Knospe, Fruchtknoten, Flachsknoten, Wasserblase, sich (nach unten) wölbendes Gefäß, Becher’, mhd. bolle ‘Knospe, kugelförmiges Gefäß’ (verwandt mit ↗Ball, ↗Bohle, ↗Bulle, s. d.) und im Sinne von ‘zweifache (vielhäutige) Bolle’ als Kompositum aufgefaßt. In der Umgangssprache daher vereinfacht Bolle f. ‘Zwiebel’; in der Schriftsprache setzt sich dagegen die von Luther bevorzugte Form Zwibel durch; bis ins 19. Jh. stehen fem. und mask. Genus nebeneinander. Zu den mnd. mnl. Formen und zum Genus vgl. Frings/M. Germania Romana 1 (1966) 89 und 2 (1968) 177 ff. zwiebeln Vb. ‘jmdm. hart zusetzen, jmdn. drillen’ (17. Jh.), eigentlich wohl ‘jmdm. wie einer Zwiebel Schale für Schale abziehen’, zuvor ‘mit Zwiebeln zubereiten’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Bolle (schwarzwäld.) · ↗Bommel  ●  Boppel  regional · Plümmel  rheinisch
Assoziationen
Synonymgruppe
Zwiebel  ●  Bolle  ugs., berlinerisch

Typische Verbindungen
computergeneriert

Meierei Milchwagen amüsieren freuen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Bolle‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nein, schon vorher haben sie die noch grünen Bollen mit Bällen oder Stöcken vom Baum geschmissen.
Süddeutsche Zeitung, 22.10.2002
Diese merkwürdigen Bollen werden halbiert, entkernt, mit einem Löffel aus der grünen oder schwarzen Schale gehoben und in die benötigten Scheiben geschnitten.
Die Zeit, 02.12.1996, Nr. 49
Daraus entstehen vierzehn Bollen in fünferlei Größen, die dann auf einen verleimten Strohhut aufgenäht werden.
Die Zeit, 05.03.1993, Nr. 10
Zitationshilfe
„Bolle“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Bolle>, abgerufen am 21.09.2019.

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