Bonität, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Bonität · Nominativ Plural: Bonitäten · wird selten im Plural verwendet
Aussprache  [boniˈtɛːt]
Worttrennung Bo-ni-tät
Herkunft aus bonitaslat ‘Güte’ < bonuslat ‘gut’
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
Wirtschaft (von Experten bewertete) Fähigkeit eines Unternehmens, einer Körperschaft oder einer Person, Kredite zurückzahlen zu können
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine durchschnittliche, gute, hohe, hervorragende, erstklassige, niedrige, geringe, schlechte Bonität; finanzielle Bonität
als Akkusativobjekt: die Bonität prüfen, beurteilen, einstufen, herabstufen, senken, verbessern, erhöhen
in Präpositionalgruppe/-objekt: Zweifel an der Bonität
mit Genitivattribut: die Bonität des Kunden, Kreditnehmers, Schuldners, der Firmen, Unternehmen, Staaten, Länder
Beispiele:
Bei Kunden mit wenig Kreditwürdigkeit sollten Banken mehr Eigenkapital vorhalten als bei Kunden mit besserer Bonität. […] So soll vermieden werden, dass wieder Steuergelder in Milliardenhöhe nötig sind, wenn ein Geldhaus in Turbulenzen gerät. [Der Spiegel, 07.12.2017 (online)]
Wenn […] kein Geld reinkommt, verschlechtert sich die Bonität [eines Unternehmens]. Und das hat wiederum Auswirkungen auf die Kreditwürdigkeit der Unternehmen und dazu auch auf die Bereitschaft von Lieferanten, überhaupt noch Ware zu liefern. Bonität ist natürlich immer eine Momentaufnahme. [Die Welt, 11.04.2020]
Dabei legte er Wert darauf, dass ein Käufer [der Immobilie] die notwendige Bonität mitbringen müsse. Im Klartext hieße das, dass eine Finanzierungsbestätigung durch eine Bank erbracht werden müsse. [Südkurier, 13.08.2005]
Vor allem auf kleine Unternehmen kämen große Finanzierungsprobleme zu, warnt der Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts. Ihre Bonitäten verschlechterten sich, einen Kredit bekäme nur, wer beweisen könne, dass er eigentlich keinen brauche. […] Es werde […] gerade für Kleine zunehmend schwierig, an Kapital zu kommen[…] [Der Standard, 24.11.2009]
Im Bankgeschäft spricht man […] von der Bonität eines Kunden. Die hat interessanterweise mit dessen Kontostand nur bedingt zu tun. Die Bonität ist vielmehr die Maßzahl des Vertrauens, das die Bank in den Kunden setzt. [Rede von Bundespräsident Roman Herzog, 09.10.1996, aufgerufen am 01.10.2020]
[…] Israels Bonität wird von den Geldinstituten ungefähr so eingestuft wie die von Indien oder Algerien und etwas skeptischer bewertet als etwa die Bonität Ungarns, Chiles oder der CSFR. [Kreditgarantie. In: Aktuelles Lexikon 1974–2000. München: DIZ 2000 [1992]]
Ein freudiges Ereignis meldet die Frankfurter Hypothekenbank. […] Als erste deutsche Hypothekenbank erhielt sie das begehrte »triple a‑rating« (aaa) für alle von der Bank ausgegebenen und noch umlaufenden Pfandbriefe und Kommunalobligationen. Dieses Prädikat ist vor allem im Ausland ein Gütesiegel, das die Bonität der Bank über jeden Zweifel stellt. [Die Zeit, 16.01.1987]
2.
selten, Landwirtschaft, Forstwesen Güte, Qualität eines land- oder forstwirtschaftlichen Bodens
Beispiele:
Die ästhetische Wirkung, die den Wanderer befällt, wenn er durch einen Buchen‑Altbestand hoher Bonität – sprich Wuchsleistung – geht, die kathedralen Säulen der bis zu 50 Meter hohen Bäume bewundert[…], kann der Freund des Buchenwaldes nachempfinden. [Die Welt, 24.04.2008]
Der Landkreis Forchheim beschäftigt mit Willfried Schwarz einen »geprüften Biber‑Berater«, der sich des Themas annimmt. »Falls der Biber Schäden macht, ist es meine Aufgabe, sie zu regulieren«, erklärt der Forstwirt und Naturschutzwart. Er verweist auf den mit 450.000 Euro gefüllten Fonds der Staatsregierung und auf den »Richtfaden für Wald‑ und Baumschäden«. Je nach Größe und Umfang der Bäume und je nach Bonität des Bodens gebe es einen entsprechenden »Entschädigungssatz«. [Fränkischer Tag, 06.05.2017]
Die Böden seien von »mittlerer landwirtschaftlicher Bonität«, sagte W[…]. Ihre vergleichsweise geringe Speicherkapazität für Wasser und Nährstoffe habe den Bauern in diesem Frühjahr bereits re[i]chlich Probleme bereitet. [Süddeutsche Zeitung, 25.05.1998]
Abgestorbene Bäume dagegen wird man bei Sögding kaum finden, sie werden regelmäßig entfernt[…]. In einem Turnus von sechs bis acht Jahren forsten die zehn Waldarbeiter die Teilflächen gründlich durch. Seine Bestände überwacht Sögding nach ertragskundlichen Erkenntnissen – für jede Baumart, jedes Alter, jede Bonität des Bodens gibt es optimale Bedingungen. [Neues Deutschland, 09.08.1986]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Bonität f. ‘Güte, Wert’ (17. Jh.), ‘Zahlungsfähigkeit, Kreditwürdigkeit’ (18. Jh.), entlehnt aus lat. bonitas (Genitiv bonitātis) ‘Güte’, zu lat. bonus ‘gut’, substantiviert lat. bona n. Plur. ‘Güter, Vermögen, Reichtum’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Bodenertrag  ●  Bonität  fachspr., Landwirtschaft
Ökonomie
Synonymgruppe
Bonität · Einstufung (der Bonität) · Kreditwürdigkeit  ●  Rating  engl. · Scoring  engl.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Bonität · Liquidität · Solvenz · Zahlungsfähigkeit · Zahlungspotenzial · kaufmännische Solidität
Assoziationen
  • (einen) finanziellen Engpass haben · Geldsorgen haben · finanziell in der Klemme sitzen · gerade nicht zahlen können · in Geldnot · in finanzieller Verlegenheit (sein) · klamm  ●  (bei jemandem ist) Ebbe in der Kasse  fig. · gerade kein Geld haben  variabel · (es) gerade nicht klein haben  ugs., ironisch · auf dem Trockenen Sitzen  ugs., Redensart · bei jemandem sieht es finanziell (momentan) nicht so rosig aus  ugs., variabel · in pekuniärer Verlegenheit  geh. · knapp bei Kasse  ugs. · knapp dran  ugs.

Typische Verbindungen zu ›Bonität‹ (computergeneriert)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Bonität‹.

Zitationshilfe
„Bonität“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Bonit%C3%A4t>, abgerufen am 25.01.2022.

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