Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Bootsmann, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Bootsmann(e)s · Nominativ Plural: Bootsleute/Bootsmänner
Im allgemeinen Schreibgebrauch wird der Plural mehrheitlich mit ‑leute umschrieben. Diese Pluralform kann insbesondere dann verwendet werden, wenn keine Aussage über das natürliche Geschlecht der Beteiligten gemacht werden soll. Daneben ist auch die formale Pluralbildung ‑männer möglich.
Aussprache  [ˈboːʦman]
Worttrennung Boots-mann
Wortzerlegung Boot1 Mann
Wortbildung  mit ›Bootsmann‹ als Erstglied: Bootsmannsgast · Bootsmannsstuhl  ·  mit ›Bootsmann‹ als Letztglied: Oberbootsmann · Stabsbootsmann
eWDG und ZDL

Bedeutungen

1.
Seemannssprache Deckoffizier, der die Aufsicht über das seemännische Inventar eines Schiffes hat
Beispiele:ZDL
Er ist der Einzige an Bord, dessen Namen wir erfahren, die anderen werden nur nach ihren Funktionen benannt: Kapitän, Bootsmann, Maschinist, Netzmann. [Süddeutsche Zeitung, 03.02.2022]
In der Kammer ist es dunkel, aber der philippinische Seemann ist sofort wach. Er greift nach dem Hörer neben seinem Bett. Am anderen Ende: Der Bootsmann, verantwortlich für die Crew in dieser Nacht. [Frankfurter Rundschau, 28.02.2022]
Hierarchien verschwinden hinter Korbwürfen, wenn sich Kapitän und Hilfskoch, Bootsmann und Chefingenieur die Bälle zuwerfen. Längere Auszeiten vom dröhnenden Schiff gibt es dagegen nur selten. Runter vom Schiff, weg von den Containern. [Badische Zeitung, 12.02.2022]
Alle Kinder zwischen 6 und 10 Jahren können in die Rolle der Kapitäne, Bootsmänner und Smutjes schlüpfen. [Neue Westfälische, 07.10.2019]
Eines Morgens um die Mitte des Februar drängte ein Haufe von Schiffern, Bootsleuten, Lastträgern und anderen Hafenarbeitern zum Rathause, und einige stürmten die Treppe hinauf und pochten an das Ratszimmer, wo um diese Zeit nur wenige Herren anwesend waren. [Huch, Ricarda: Der Dreißigjährige Krieg. Wiesbaden: Insel-Verl. 1958 [1914], S. 438]
2.
Militär bei der Bundeswehr (Bundesmarine) in Deutschland (und den Streitkräften der früheren deutschsprachigen Länder)   niedrigster Dienstgrad im Rang der Unteroffiziere mit PortepeeZDL
Grammatik: Plural meist ‘Bootsleute’
Dieser Dienstgrad entspricht dem NATO-Rangcode OR-6. In Heer und Luftwaffe heißt der entsprechende Dienstgrad Feldwebel.
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: der vorgesetzte Bootsmann
Beispiele:
In Plön informierte sich die Verteidigungsministerin […] zunächst über die Ausbildung der jungen Unteroffiziere und Bootsleute der Marine. [Kieler Nachrichten, 13.08.2021]
Inzwischen taucht an der Steuerbordseite der Eckernförder Marinehafen auf. Bootsmann H[…] erzählt etwas über die hochmodernen, konventionellen U‑Boote, die hier beheimatet sind, und das Wehrforschungsschiff »Planet« mit seinem ungewöhnlichen Doppelrumpf. [Kieler Nachrichten, 16.08.2021]
Sein Dienstgrad ist Unteroffizier, im Rang ist er dem Bootsmann gleichgestellt, doch seine Berufsbezeichnung lässt die Vielseitigkeit seines Handwerks nur erahnen: Er ist Schiffszimmerer. [Hamburger Abendblatt, 17.04.2021]
Zehntausende Soldaten können […] nicht mit dem Auto auf die Basis fahren, sagt Petty Officer First Class Robert M[…] bei einer Tour der Naval Station (sein Rang entspricht dem Bootsmann der deutschen Marine). [Süddeutsche Zeitung, 21.04.2017]
Da geht der junge wachhabende Offizier über Deck, sieht mich sitzen. Die Leute springen auf und nehmen militärische Haltung an. Auch ich stehe auf und versuche meinen Kohlenfußsack zu verdecken. Da ruft der Offizier: »Bootsmann der Wache!« [–] »Herr Leutnant!« [–] »Schmeißen Sie mir das Individuum da von Bord und passen Sie ein andermal besser auf, daß solch Gesindel nicht an Bord kommt!« [Luckner, Felix von: Seeteufel. Herford: Kohler 1966 [1921], S. 57]
Drei Winkel – zwei nach oben, einer nach unten gerichtet – kennzeichnen den Obermaat, das entspricht dem Stabsunteroffizier, auch StUffz genannt, einer der Unteroffiziersdienstgrade ohne Portepee. Darüber kommen bei Heer und Luftwaffe die Feldwebel, bei der Marine sind es die Bootsmänner, als Unteroffiziere mit Portepee, und dann natürlich die Offiziere, die Leutnants, Kapitäne und Admirale. [Süddeutsche Zeitung, 25.09.2013] ungewöhnl. Pl.

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Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Boot · ausbooten · Bootsmann
Boot n. ‘kleineres, meist offenes Wasserfahrzeug’ wird Ende des 15. Jhs. aus der nd. Seemannssprache in die Literatursprache aufgenommen. Mnd. bōt ist wie mnl. boot seit dem 13. Jh. bezeugt. Die Herkunft ist ungeklärt. Zu der mnd. mnl. Form stellen sich anord. beit und bātr, aengl. bāt (woraus mengl. bōt, engl. boat) und (aus modernen Formen erschlossenes) afries. *bāt. Diese lassen sich jedoch wegen ihres Vokalismus nicht in gleicher Weise auf eine germ. Ausgangsform zurückführen; vielleicht muß mit Entlehnungen innerhalb des Germ. gerechnet werden. Man geht dabei von verschiedenen Grundformen aus. So setzen einige germ. *ƀēta- mit der ursprünglichen Bedeutung ‘Ausgehöhltes, ausgehöhlter Baumstamm’ voraus, das sie auf die Wurzelform ie. *bhed- zurückführen, in der sie eine Variante der unter Bett (s. d.) behandelten Wurzel ie. *bhedh- ‘stechen, besonders in die Erde stechen, graben’ sehen. Aus lautlichen Gründen müßten aengl. bāt, afries. *bāt dann aus anord. bātr hergeleitet werden, anord. beit wäre dagegen anders zu erklären. Geht man jedoch von germ. *ƀaita- und einer ursprünglichen Bedeutung ‘Gespaltenes, gespaltener Baumstamm’ aus (wozu auch anord. biti ‘Querbalken im Hausdach’) und führt dieses auf die unter beißen (s. d.) behandelte Wurzel ie. *bheid- ‘spalten’ zurück, so wären anord. beit, aengl. bāt lautgerecht entwickelt, anord. bātr, afries. *bāt aber hätten als Entlehnungen aus dem Aengl. zu gelten. Mnd. bōt und mnl. boot sind in keinem Fall ursprünglich. Beide werden im allgemeinen als Entlehnungen aus mengl. bōt (engl. boat) angesehen, doch können sie nach Rogby in: It Beaken 25 (1963) 302 ff. auch durch Umwandlung des ā zu ō, d. h. durch „Frankonisierung“ (Eindeutschung) einer zum Aengl. stimmenden oder aus dem Aengl. stammenden ingwäon. (nordseegerm.) Form mit ā entstanden sein. (Rogby geht sogar so weit, Entlehnung eines nur vermuteten kontinentalingwäon. nicht-fries. *bāt ins Fries. und Anord. anzunehmen.) Seit dem 14. Jh. erscheint Boot mit wechselndem Genus in hd. Texten, anfangs Mask., seit Mitte des 18. Jhs. endgültig Neutr. Es tritt neben Kahn, Nachen, Zille sowie südd. Naue (s. d.) und gewinnt im 17. und 18. Jh. zunehmend an Verbreitung. Die Wendung in einem, im gleichen Boot sitzen ‘in der gleichen Lage, der gleichen Gefahr ausgesetzt sein’ ist nach engl. to be in the same boat gebildet. – ausbooten Vb. ‘mit dem Boot vom Schiff an Land bringen, jmdn. aus einer Position entfernen, verdrängen’ (19. Jh.). Bootsmann m. ‘seemännisches Inventar verwaltender Matrose, Gehilfe des wachhabenden Offiziers’, mnd. bōsman, bōtesman ‘Matrose’ und sein Plur. bōs-, bōteslǖde finden Mitte des 16. Jhs. als Boßleut, im 17. Jh. als Botsmann, Botsleute Eingang in die Literatursprache; ähnlich (älter) Bosknecht (um 1500) ‘Schiffs-, Ruderknecht’, Bootsknecht (17. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›Bootsmann‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Bootsmann‹.

Zitationshilfe
„Bootsmann“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Bootsmann>.

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