Brüderlichkeit, die
GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Brüderlichkeit · Nominativ Plural: Brüderlichkeiten · wird selten im Plural verwendet
Aussprache
WorttrennungBrü-der-lich-keit
Wortzerlegungbrüderlich-keit
Wahrig-Burfeind und DWDS, 2017

Bedeutung

brüderliches Wesen und Verhalten, das auf Gleichberechtigung und einem friedlichen und achtungsvollen Miteinander beruht
Beispiele:
Neben der tragischen Liebesgeschichte beschäftigt Castorf noch etwas anderes: Er sieht die Ideale der französischen Revolution – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – im Konsumrausch einer roten Coca-Cola-Welt erstickt. [Die Zeit, 31.10.2016 (online)]
Die Solidarität unter Frauen [in den USA] ist nicht sehr groß[…], es gibt deutlich mehr Brüderlichkeit als Schwesterlichkeit. [Süddeutsche Zeitung, 12.11.2016]
Der Preis [Friedensnobelpreis] wird jährlich im Oktober für den besten oder größten Einsatz für Brüderlichkeit zwischen Staaten verliehen, für die Abschaffung oder Abrüstung von stehenden Heeren sowie für die Organisation und Förderung von Friedenskonferenzen. [Die Zeit, 07.10.2016 (online)]
Seit 1968 verleiht der Koordinierungsrat zu Beginn der »Woche der Brüderlichkeit« die Buber-Rosenzweig-Medaille […] für Verdienste um die Verständigung zwischen Christen und Juden […]. [o. A. [hg]: Woche der Brüderlichkeit. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1994]]
Ein wirtschaftlich-soziales Programm hat Jesus nicht aufgestellt; aber die Brüderlichkeit unter den Menschen und den Zusammenschluß zu einer geistigen Gemeinschaft hat er gelehrt, mit seinem Leben und mit seinen Gleichnissen. [Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1910], S. 25150]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: christliche, universale, echte, wahre Brüderlichkeit
mit Genitivattribut: die Brüderlichkeit der Völker, aller Menschen
in Koordination: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit
hat Präpositionalgruppe/-objekt: Brüderlichkeit unter den Menschen, unter, zwischen den Völkern
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Bruder · brüderlich · Brüderlichkeit · Brüderschaft · Bruderschaft · Gebrüder · verbrüdern · Verbrüderung
Bruder m. ‘männliches Geschwister’, ahd. (8. Jh.), mhd. bruoder. Allgemeine Verbreitung des Substantivs im Germ. (asächs. brōðar, mnd. brōder, aengl. brōþor, engl. brother, mnl. nl. broeder, anord. brōðir, schwed. dän. broder, got. brōþar) und das Vorhandensein außergerm. Entsprechungen wie aind. bhrā́tā (Stamm bhrā́tar-) ‘Bruder’, griech. phrā́tēr (φράτηρ), phrā́tōr (φράτωρ) ‘Mitglied eines Geschlechterverbands’, lat. frāter ‘Bruder’, aslaw. bratrъ, bratъ, russ. brat (брат) ‘Bruder’ zeugen für ein (auch bei anderen Verwandtschaftsbezeichnungen, z. B. bei ↗Mutter, ↗Schwester, ↗Sohn, ↗Tochter, ↗Vater, s. d., nachzuweisendes) hohes Alter. Als gemeinsame Ausgangsform ergibt sich ie. *bhrāter-, älter vielleicht *bhrātor-, ‘Bruder, Blutsverwandter’, wofür Trier Holz (1952) 88 f. Anschluß an eine Wurzel ie. *bher- ‘flechten, weben’ vorschlägt. Verwendung als Anrede zwischen Mönchen (nach lat. frāter) und Übertragung im Sinne von ‘Vertrauter, Freund’ sind bereits ahd. geläufig. brüderlich Adj. ‘nach Art eines guten Bruders’, ahd. bruoderlīh (9. Jh.), mhd. bruoderlich, brüederlich; dazu Brüderlichkeit f. ‘brüderliche Gesinnung’, frühnhd. bruder-, brüderlicheit, bruderlichkeit nur im 15. Jh. belegt; im jüngeren Nhd. von den 70er Jahren des 18. Jhs. an (Lavater, Campe) für frz. fraternité, engl. fraternity in Gebrauch kommend. Brüderschaft f. ‘brüderliches Verhältnis, enge Freundschaft’, Bruderschaft f. ‘christliche Vereinigung’; die semantische Differenzierung zwischen umgelauteter und nicht umgelauteter Form ist jedoch erst in neuerer Zeit erkennbar und gilt auch in der Gegenwart nicht streng (noch im 20. Jh. z. B. Bruderschaft, Brüderschaft trinken); zunächst ahd. bruoderscaf(t) ‘christliche Brüderlichkeit, brüderliche Liebe’ (9. Jh.), mhd. bruoderschaft, brüederschaft ‘geistliche Vereinigung, brüderliches Verhältnis’, spätmhd. und frühnhd. (wie mnd. brȫderschop, brōderschop) auch als Bezeichnung für nach geistlichem Muster gebildete Gesellenverbände und Handwerkervereinigungen, nhd. dann häufig überhaupt ‘Bund, Gemeinschaft Zusammenschluß’. Gebrüder Plur. ‘Gemeinschaft mehrerer, meist zweier Brüder’ (seit dem 19. Jh. bes. im Geschäftsverkehr), Kollektivbildung zu Bruder wie ↗Geschwister (s. d.) zu Schwester; ahd. gibruoder m. (9. Jh.) ‘Bruder in der christlichen Gemeinschaft’ (als Nebenform zu bruoder), mhd. gebruoder, gebrüeder Plur. ‘Brüder’. verbrüdern Vb. refl. ‘mit jmdm. Brüderschaft, ein enges Bündnis schließen’ (17. Jh.); voraus geht gleichbed. mhd. sich gebruodern (hingegen mhd. sich verbruodern ‘sich unter Brüder verteilen’, vom Erbe); dazu Verbrüderung f. ‘das Schaffen eines brüderlichen Verhältnisses, Vereinigung’ (17. Jh.).
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Atmosphäre Banner Einheit Einigkeit Festigung Freiheit Freundschaft Frieden Geist Gerechtigkeit Geschwisterlichkeit Gleichheit Grundwerte Harmonie Humanität Ideale Losung Menschlichkeit Nächstenliebe Schwesterlichkeit Solidarität Toleranz Utopie Versöhnung aufrichtiger slawischer symbolisieren universaler universelle

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Brüderlichkeit‹.

Zitationshilfe
„Brüderlichkeit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Brüderlichkeit>, abgerufen am 19.09.2017.

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