Bratspieß, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum)
Aussprache 
Worttrennung Brat-spieß
Wortzerlegung bratenSpieß
eWDG, 1967

Bedeutung

Spieß, an dem ein größeres Stück Fleisch, ein ganzes Tier gebraten wird
Beispiel:
den Bratspieß über dem offenen Feuer drehen, wenden
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Spieß1 · Bratspieß · Spießrute · Spießrutenlaufen
Spieß1 m. ‘Bratspieß’, ahd. (9. Jh.), mhd. spiʒ ‘Brat-, Holzspieß, Splitter’, mnd. spit, mnl. spit, spet, nl. spit, aengl. spitu, engl. spit, schwed. spett führen auf germ. *spita-, verwandt mit den unter ↗spitz (s. d.) genannten Formen. Neben diesen Bildungen mit Dentalsuffix stehen (mit anderen Suffixen abgeleitet) lat. spīna ‘Dorn, Stachel, Rückgrat’, lett. spina ‘Gerte, Rute’, vielleicht auch russ. spiná (спина) ‘Rücken’ (s. ↗Finne1) und lit. speiglỹs ‘Spule (der Vogelfeder), der beim Rupfen in der Haut zurückbleibende Federteil, Stachel’ sowie das unter ↗Speiche (s. d.) behandelte Substantiv. Auszugehen ist von der Wurzel ie. *(s)p(h)ē̌i-, *(s)p(h)ī̌- ‘spitz, spitzes Holzstück’, der Bratspieß also als ‘spitzer Holzstab’ zu erklären. Im Nhd. fallen ↗Spieß1 und ↗Spieß2 (s. d.) lautlich und auch semantisch (beide vorgestellt als mit Spitzen versehene Stange) zusammen. Bratspieß m. (15. Jh., daneben anfangs noch Bratspiß). Spießrute f. ‘spitze, lange, biegsame Gerte’ (16. Jh.), auch Spißgerte, Spitzrute (17. Jh.). Verdeutlichende Zusammensetzung (vgl. ahd. spiʒ, auch ‘Zweig, Gerte’). Die Spießrute wird als Reitgerte und auch als soldatische Prügelgerte verwendet, daher Spießrutenlaufen n. Spießrutenlaufen (müssen) ‘zur Strafe mit entblößtem Rücken durch eine von mit Spießruten prügelnden Soldaten gebildete Gasse gehen’ (18. Jh.), auch durch die Spießruten jagen (18. Jh.). Übertragen Spießruten laufen ‘von anderen durchgehechelt werden’ (18. Jh.), dann ‘neugierigen, kritischen oder spöttischen Blicken ausgesetzt sein’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Bratspieß · ↗Schaschlikspieß · ↗Spieß

Verwendungsbeispiele für ›Bratspieß‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der ist aber gar nichts gegen das am Bratspieß geröstete Lamm.
Tucholsky, Kurt: Taschen-Notizkalender. In: Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1928]
Daheim, also in der kurfürstlichen Küche, steckten die Reste des zwanzigsten Rehs auf dem Bratspieß.
Rosendorfer, Herbert: Großes Solo für Anton, Zürich: Diogenes 2000 [1976], S. 311
Sie hat sich aus dem Bratspieß entwickelt und weist zunächst nur zwei Zinken auf, später vermehrt sich ihre Zahl auf drei und dann auf vier.
Bauer, Hans: Tisch und Tafel in alten Zeiten, Leipzig: Koehler & Amelang 1967, S. 115
Nie sind Huhn und Koch gleicher Meinung über den Bratspieß.
Die Welt, 22.01.2005
Sie nimmt den Bratspieß und zieht die Raine aus der Bratröhre.
Christ, Lena: Die Rumplhanni. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1917], S. 17473
Zitationshilfe
„Bratspieß“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Bratspie%C3%9F>, abgerufen am 27.11.2020.

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