Brauch, der
GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Brauch(e)s · Nominativ Plural: Bräuche
Aussprache
Wortbildung mit ›Brauch‹ als Letztglied: ↗Adventsbrauch · ↗Badebrauch · ↗Burschenbrauch · ↗Fastenbrauch · ↗Hochzeitsbrauch · ↗Innungsbrauch · ↗Klosterbrauch · ↗Kriegsbrauch · ↗Landesbrauch · ↗Opferbrauch · ↗Ortsbrauch · ↗Osterbrauch · ↗Pfingstbrauch · ↗Rechtsbrauch · ↗Ritterbrauch · ↗Seemannsbrauch · ↗Volksbrauch · ↗Waidmannsbrauch · ↗Weiberbrauch · ↗Weidmannsbrauch · ↗Weihnachtsbrauch · ↗Zunftbrauch
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
volkstümliche Sitte
Beispiele:
nach altem Brauch
ein schöner, frommer, altherkömmlicher, eingewurzelter, längst vergessener, strenger Brauch
die ländlichen Bräuche bewahren, studieren, wieder aufleben lassen
die Bräuche der Eingeborenen
so ist es (der) Brauch bei uns
etw. war allmählich Brauch geworden
an seinen Bräuchen zäh festhalten
Das ist des Landes nicht der Brauch [GoetheFaustI 2949]
2.
veraltet Anwendung, Gebrauch
Beispiel:
Seine [des Hexenmeisters] Wort und Werke / Merkt ich und den Brauch [GoetheZauberlehrl.]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

brauchen · Brauch · Brauchtum · brauchbar · Brauchbarkeit · gebrauchen · Gebrauch · mißbrauchen · Mißbrauch · verbrauchen · Verbrauch · Verbraucher
brauchen Vb. ‘nötig haben’, ahd. brūhhan, brūhhen ‘genießen, nutzen, ausüben’ (8. Jh.), mhd. brūchen, asächs. brūkan, mnl. brūken ‘brauchen, genießen’, afries. brūka ‘nötig haben’, aengl. brūcan ‘nützlichen Anteil haben’, engl. to brook ‘gebrauchen’, got. brūkjan ‘genießen, sich erfreuen, gebrauchen’ (germ. *brūk-) zeigen unterschiedliche Flexionsweisen (stark im Aengl., schwach im Got., sonst starke Präsens- und schwache Präteritalformen). Verwandtschaftlich nahe steht wohl lat. fruī ‘genießen, Nutzen ziehen’ und frūx, frūctus (s. ↗Frucht). Das nur aus dem Germ. und Ital. zu erschließende ie. *bhrūg- ‘Frucht, genießen, gebrauchen’ ist vielleicht Gutturalerweiterung des in ↗Brosame (s. d.) und seinen Verwandten mit s-Erweiterung vorliegenden ie. *bhrē̌u-, *bhrū̌- ‘abschaben, abstreifen, zerschlagen, zerbrechen’ (zur Wurzel ie. *bher- ‘mit einem scharfen oder spitzen Werkzeug bearbeiten, schneiden’). Für ie. *bhrūg- könnte daher eine älteste Bedeutung ‘sich Früchte zum Genuß abbrechen oder abstreifen’ erschlossen werden. Die semantische Entwicklung des dt. Verbs führt von ‘nützlichen Anteil haben, genießen’ über ‘nutzen, gebrauchen’ zu seit dem 17. Jh. üblichem ‘nötig haben’. Brauch m. ‘Gewohnheit, Sitte’, ahd. brūh (10./11. Jh.), mhd. brūch. Brauchtum n. ‘volkstümliche Sitten und Gebräuche’ (20. Jh.). brauchbar Adj. ‘geeignet’, spätmhd. brūchbar; dazu Brauchbarkeit f. (18. Jh.). gebrauchen Vb. ‘benutzen, verwenden’, ahd. gibrūhhan, gibrūhhen (11. Jh.), mhd. gebrūchen; Gebrauch m. ‘Verwendung’, mhd. gebrūch. mißbrauchen Vb. ‘in unstatthafter Weise gebrauchen’, ahd. missabrūhhan (9. Jh.), mhd. missebrūchen (s. ↗miß-); Mißbrauch m. (16. Jh.; vgl. ahd. missibrūhhida, 9. Jh.). verbrauchen Vb. ‘völlig verwenden, abnutzen, verschleißen’, ahd. firbrūhhen (10./11. Jh.), mhd. verbrūchen; Verbrauch m. (18. Jh.); Verbraucher m. (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Gepflogenheit · ↗Gewohnheit · ↗Konvention · ↗Regel · ↗Sitte · ↗Usus  ●  ↗Usance  fachspr. · Usanz  fachspr., schweiz.
Oberbegriffe
  • handlungsleitende Norm(en)
Assoziationen
Synonymgruppe
Brauchtum · Gebräuche · ↗Gepflogenheit · Sitten und Gebräuche · ↗Tradition · ↗Überlieferung
Unterbegriffe
Assoziationen
  • Ritual · rituelle Handlung · wiederkehrende Handlung  ●  ↗Zeremonie  ugs.
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Gewohnheiten Herkommen Riten Sagen Sitten Trachten alten archaischen aufleben barbarischen eingebürgert frommen germanischen geübten heidnischen jahrhundertealten keltischen liturgischen mittelalterlichen parlamentarischen pflegen religiösen seltsamen sorbischer uralten volkstümlichen weihnachtliche wiederbelebt überkommenen überlieferten

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Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Da darf man schon mal glauben, amerikanische Bräuche seien auch die Bräuche des Rests der Welt.
Die Welt, 15.02.2002
Nur ihr Star ist bestürzt über den deutschen Brauch, Jazz reglos zur Kenntnis zu nehmen.
Der Tagesspiegel, 07.12.1997
Uralt ist daher auch der Brauch seefahrender Völker, ihre Toten ins Meer zu versenken.
P. M.: Peter Moosleitners interessantes Magazin, 1978, Nr. 12
Aber gar so "welsch" ist der Brauch, sich der Gabel zu bedienen, gar nicht.
Bauer, Hans: Tisch und Tafel in alten Zeiten, Leipzig: Koehler & Amelang 1967, S. 115
Genug, die Bräuche sind mannigfaltig, und alle halten die Probe vor dem guten Tone aus.
Schramm, Hermine [d.i. Meißner, Hermine]: Das richtige Benehmen in der Familie, in der Gesellschaft und im öffentlichen Leben. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1930], S. 6640
Zitationshilfe
„Brauch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Brauch>, abgerufen am 21.11.2017.

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