Bringschuld, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Bringschuld · Nominativ Plural: Bringschulden · wird meist im Singular verwendet
Nebenform selten Bringeschuld · Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Bringeschuld · Nominativ Plural: Bringeschulden · wird meist im Singular verwendet
Worttrennung Bring-schuld ● Brin-ge-schuld
Wortzerlegung bringenSchuld
ZDL-Vollartikel, 2019

Bedeutungen

1.
Recht, Wirtschaft die Verpflichtung des Schuldners, die geschuldete Leistung am Wohn- bzw. Geschäftssitz des Gläubigers zu erbringen
Schreibung ‘Bringschuld’
Beispiele:
Muß mir der Verkäufer den neuen Fernseher in die Wohnung bringen? Nur wenn im Vertrag eine sogenannte Bringschuld vereinbart wurde, zum Beispiel [durch die Klausel] »Erfüllungsort ist die Wohnung des Käufers«. [Berliner Zeitung, 18.11.1996]
Die Geldschuld ist nach den neuen Bestimmungen eine Bringschuld. Erfüllungsort ist hier grundsätzlich der Wohnsitz oder eine Niederlassung des Gläubigers (= Lieferant), wo der Schuldner (= Kunde) durch Barzahlung oder durch Banküberweisung die Zahlung leisten kann. [ProSaldo.net, 10.06.2014, aufgerufen am 15.09.2018]
Davon abgesehen bezeichnet die Bringschuld klassischer Weise die Verpflichtung eines Schuldners, eine Leistung am Wohnsitz des Gläubigers zu erbringen. Beispiel: Der Einbau einer EDV‑Anlage durch ein IT‑Unternehmen in den Räumen des Käufers, oder die direkte Auslieferung bestellter Waren. Gegenteil: die Holschuld, sowie die Schickschuld (meist sind Schulden Schickschulden). [www.conserio.at, 30.06.2009]
Während die Gebühren [früher] von der Bundespost als Holschuld durch den Postboten eingezogen wurden, wenn man sie nicht von einem Konto abbuchen ließ, sind sie seit 1. Januar 1976 Bringschulden. Der Gebührenzahler muß [nun] selber dafür sorgen, daß die GEZ das Geld rechtzeitig erhält. [o. A. [sa.]: GEZ. In: Aktuelles Lexikon 1974–2000, München: DIZ 2000. Zitiert nach: Süddeutsche Zeitung, 05.02.1976.]
Bringschuld ist die Leihe, weil der Entleiher als Schuldner zum Verleiher als Gläubiger gehen muß, um ihm die entliehene Sache zurückzubringen, und zwar nach Ablauf der für die Leihe bestimmten Frist. [Zimmermann, Theo: Der praktische Rechtsberater, Gütersloh: Bertelsmann [1968], S. 112. Zitiert nach: Zimmermann, Theo: Der praktische Rechtsberater, Gütersloh: Bertelsmann 1957.]
2.
übertragen die moralische Verpflichtung, eine bestimmte, gesellschaftlich erwartbare Leistung von sich aus zu erbringen
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine moralische, historische Bringschuld
als Akkusativobjekt: eine Bringschuld haben, sehen, erfüllen, einlösen
mit Genitivattribut: die Bringschuld der Migranten, der Arbeitgeber, der Unternehmen, der Wissenschaft, der Politik, des Staates
in Präpositionalgruppe/-objekt: in der Bringschuld stehen, sein
Beispiele:
Alle Dozenten haben eine Bringschuld gegenüber den Studierenden, aber alle Studierenden haben – insbesondere in auf Diskurs angelegten Lehrformen wie Seminaren – auch eine Holschuld bei denjenigen, die wissenschaftliche Lehre ausüben. [Die Zeit, 05.02.2015, Nr. 5]
Nicht die Gläubiger haben eine Bringschuld, sondern Athen (= das überschuldete Griechenland). Es muss zeigen, dass es als zuverlässiger Partner alles tut, um die Sanierung der Staatsfinanzen voranzubringen. [Neue Zürcher Zeitung, 11.10.2013]
Ein strapazierter Begriff im heutigen Management: Die »Bringschuld« – nach dem Motto »wenn ich nicht weiß, dass es meinen Mitarbeitern schlecht geht, muss man es mir halt sagen«. Das eigene Befinden mitzuteilen ist also [angeblich] Bringschuld des modernen Arbeitnehmers. [www.conserio.at, 30.06.2009]
[…] natürlich sind [Ermittlung und Abführung der] Steuern und Sozialabgaben Bringschulden für ein Unternehmen. Niemand wird […] ernsthaft verlangen, daß der Staat die Lohnbuchhaltung führt, aus der sich die Lohnsteuer ergibt. [Süddeutsche Zeitung, 28.06.1995]
400 von ehemals 1 600 Mitarbeitern hätten die Bühnen und Orchester in den letzten Jahren bereits entlassen müssen und damit ihren Beitrag und ihre Bringeschuld zur Sanierung der öffentlichen Haushalte bereits geleistet, betonte der Intendant des Staatsorchesters Frankfurt (Oder). [Berliner Zeitung, 24.01.1996] ungewöhnl.
Zitationshilfe
„Bringschuld“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Bringschuld>, abgerufen am 15.07.2020.

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