Budike, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Budike · Nominativ Plural: Budiken
Aussprache 
Worttrennung Bu-di-ke
Herkunft Kontamination aus Butike (nicht mehr gültige Schreibung zu Boutique) und Bude
Wortbildung  mit ›Budike‹ als Erstglied: ↗Budiker  ·  mit ›Budike‹ als Letztglied: ↗Schnapsbudike

Bedeutungsübersicht+

  1. [landschaftlich, besonders berlinisch, salopp] ...
    1. a) kleine Kneipe
    2. b) kleiner Laden
eWDG, 1967 und ZDL, 2020

Bedeutung

landschaftlich, besonders berlinisch, salopp
a)
kleine Kneipe (1)Quelle: WDG, 1967
Beispiele:
Die Einrichtung des recht engen Ecklokals mit seinen Lämpchen, Spiegeln, gerahmten Bildern, dunkel gebeizten Holzflächen und der polierten Theke mit einer eisgefüllten Silberschale für die Champagnerbuddeln als Blickfang flittert zwischen Altberliner Budike und Pariser Künstlerlokal. [Berliner Zeitung, 03.06.1995]Quelle: ZDL, 2019
1905 sollen 360 Millionen Liter Gerstensaft durch Berliner Kehlen geflossen sein. Die Stammkneipe war der »Salon der Armen« und wichtiger Ort des Gedankenaustausches. Wenn abends die Kinder Im Bett lagen, ging der Vater – häufig auch mit Muttern – in die Budike. […] [Berliner Zeitung, 30.12.1994]Quelle: ZDL, 2019
Mittags hatten wir Hunger. Rin in eine Budike. Er bestellte, ich bezahlte [WelkGrambauer135]
Als wenn er jetzt erst Augen hätte! Das Mädel und er, die lachen sich krumm, was sie alles sehen! Es ist sechs Uhr, schon etwas drüber, es regnet, es pladdert, Gott sei Dank, die kleine Kruke hat einen Schirm. Die Budike, sie gucken durchs Fenster. Da verkooft der Budiker sein Bier. Paß mal uff, wie der verschänkt. Haste gesehn, Emmi, hastet gesehn: Schaum bis da. [Döblin, Alfred: Berlin Alexanderplatz, Olten: Walter 1961, S. 257. Zitiert nach: Döblin, Alfred: Berlin Alexanderplatz, Berlin: S. Fischer 1929.]Quelle: ZDL, 2019
b)
kleiner LadenQuelle: ZDL, 2019
Beispiele:
Der Große Kurfürst siedelte viele Flüchtlinge [Hugenotten] in Berlin an, wo sie leistungsfähige Manufakturen aufbauten. Ihre französische Sprache ist in den Berliner Dialekt eingeflossen. In Wörtern wie Budike (boutique = Laden), Klamauk (clameur = Geschrei) oder Botten (bottines = Stiefel) ist die Herkunft noch gut zu erkennen. [Welt am Sonntag, 29.04.2007, Nr. 17]
Ich betrat die neonbeleuchtete Büttnersche Budike mit ihren Knarzböden und vollgestopften Stellagen, stieg auf Leitern und krauchte in dunkle Kartonwinkel – und verbriet meine dürftige Barschaft, für wasserwellige Maupassant-Taschenbücher und Pearl S. Buck mit Rororo-Leinenrücken […]. [Süddeutsche Zeitung, 12.09.2002]

Den originalen WDG-Artikel können Sie hier anschauen.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Boutique · Budike · Butike · Budiker
Boutique, Budike, Butike f. ‘kleiner Kaufladen, kleine Kneipe’. Butike ist eine Entlehnung des 15. Jhs. (butig) von mfrz. frz. boutique ‘Kramladen’, das, wohl über aprov. botica, botiga, auf griech. apothḗkē (ἀποθήκη) zurückzuführen ist (s. ↗Apotheke). Das heute übliche Budike ‘Kneipe’ kommt in der 1. Hälfte, ‘Laden’ Ende des 19. Jhs., wohl in Anlehnung an ↗Bude (s. d.), in Gebrauch; daneben sind vom 17. Jh. an Boutique, vom 18. Jh. an Boutike bis zum Beginn des 20. Jhs. geläufig. Boutique ‘Modegeschäft, Schmuckladen’ ist eine moderne Übernahme des 20. Jhs. aus dem Frz. Budiker m. vereinzelt Butiker ‘Kaufladenbesitzer, Kneipier’, älter botiger (vereinzelt 15. Jh.), Butikier (1. Hälfte des 19. Jh.), Entlehnung von frz. boutiquier ‘Krämer’.

Thesaurus

Gastronomie/Kulinarik
Synonymgruppe
Viktualienkeller  ●  Budike  berlinerisch
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Baracke · ↗Behelfsbau · ↗Bretterverschlag · Einfachst-Behausung · Einfachst-Unterkunft · ↗Verschlag  ●  ↗Kabache  westfälisch, Rotwelsch · ↗Bretterbude  ugs. · ↗Bude  ugs. · Budike  ugs., regional · ↗Butze  ugs. · ↗Hütte  ugs. · Muchtbude  ugs., berlinerisch · ↗Schuppen  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Bude · Budike · ↗Kleinbetrieb · ↗Laden (leicht abwertend)  ●  ↗Klitsche  ugs., abwertend · ↗Saftladen  ugs., abwertend
Oberbegriffe
Assoziationen
  • schlecht geführtes Unternehmen  ●  ↗Saftladen  ugs., abwertend · Scheißladen (beleidigend)  derb

Typische Verbindungen zu ›Budike‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Budike‹.

Verwendungsbeispiele für ›Budike‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Oder gehörte ihr eine Boutique in einem der größeren Orte in der Nähe?
Glavinic, Thomas: Die Arbeit der Nacht, München Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 26
Da ist zum anderen das große Netz an Boutiquen, das stetig enger geknüpft wird.
Die Welt, 23.07.2004
Er zeigt nur noch Futter für seine weltweiten Boutiquen, sagte man.
Süddeutsche Zeitung, 02.02.2002
Achim Lauritzen wollte seine Frau aus ihrer Boutique abholen, aber sie telefonierte gerade.
Rode, Axel: Das Erbe der Guldenburgs, Bergisch-Gladbach: Lübbe 1986, S. 155
Dann kaufte ich ein paar Lebensmittel in der Kaufhalle und in einer Boutique eine kragenlose, weiße Bluse.
Hein, Christoph: Drachenblut, Darmstadt: Luchterhand 1983 [1982], S. 33
Zitationshilfe
„Budike“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Budike>, abgerufen am 27.05.2020.

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